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Kolumne
09.05.2026
09.05.2026 06:21 Uhr

Nur kurzes Börsen-Erholungsrally

Christopher Chandiramani zu den Börsen-Aussichten: «Im Moment sind fundamental basierende Prognosen für Aktien kaum möglich.»
Christopher Chandiramani zu den Börsen-Aussichten: «Im Moment sind fundamental basierende Prognosen für Aktien kaum möglich.» Bild: Linth24
US-Versprechen zu Nahost-Waffenruhe scheiterten an neuen Gefechten; auch Russlands Kurzpause in der Ukraine half den Börsen nur einen Tag: SMI minus 0,3 Prozent bei 13'101 Punkten.

USA ziehen Truppen aus Deutschland ab. Binnen sechs bis zwölf Monaten sollen 5'000 US-Soldaten Europa verlassen. Das hat US-Verteidigungsminister Hegseth angeordnet und macht damit Ankündigungen von Präsident Trump wahr.

Niederlage wegen Zöllen: Ein US-Handelsgericht hat die von Präsident Donald Trump verhängten neuen weltweiten Zölle von zehn Prozent für unzulässig erklärt. Das Richtergremium gab damit einer Klage von Kleinunternehmen und dem Bundesstaat Washington statt. Die US-Regierung wird Berufung gegen das Urteil einlegen.

Sorgen am Energiemarkt: Weil die Schweiz eng mit dem europäischen Stromnetz verbunden ist, könnten steigende Öl- und Gaspreise sowie mögliche Energie-Engpässe auch hierzulande wieder spürbar werden.

Die 10-Millionen-Initiative, die am 14. Juni 2026 zur Abstimmung kommt, wird zu einer Zitterpartie mit hauchdünnem Ergebnis. Gemäss neuster GFS-Trendumfrage halten sich die beiden Lager genau die Waage.

Die hohen Wohnkosten schmerzen den Mittelstand. Jeder Zehnte zahlt über 40 Prozent des Haushaltseinkommens fürs Wohnen. Vier Prozent sind gemäss Vergleichsdienst Moneyland nicht in der Lage, unerwartete Ausgaben von über CHF 2'500 zu begleichen.

Schweizer Banken erhalten in Sachen Zinsen und Gebühren schlechte Noten. Grosse Player wie UBS und Postfinance haben einen schlechten Ruf, während neue Internet-Banken mit sehr positiven Bewertungen überraschen.

Der Kanton Luzern hat neu die tiefsten Unternehmenssteuer der Schweiz und löst damit den Kanton Zug ab.

Die Schweizer Inflation ist im April wegen des Kriegs im Nahen Osten höher. Sie sprang von 0.3% im Vormonat März auf 0.6%.

Die Arbeitslosenquote ist im April leicht auf 3.0 Prozent gestiegen. Auffällig ist Bankenbranche mit 21.7 Prozent (UBS-Effekt).

Die Schweizer Hotellerie erlebte im ersten Quartal 2026 einen Dämpfer nach einem starken Jahresauftakt. Während Januar und Februar noch positiv verliefen (+2.8%), führte ein schwächerer März zu einem Minus von  5.2 Prozent.

Unternehmensnachrichten

Der starke Anstieg des Aktienkurses von Huber+Suhner um knapp 20% ist primär auf den Boom im Bereich der KI und die damit verbundene Nachfrage nach Hochleistungs-Verbindungstechnik für Datenzentren zurückzuführen (Optical Circuit Switches, OCS). Die Firma profitiert vom Ausbau der KI-Infrastruktur und von verlustfreien Servern.

Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat im ersten Quartal CHF 873 (im Vorjahr 878) Mio. umgesetzt. Währungsbereinigt resultiert ein Wachstum von 3.4%. Für den Betriebsgewinn werden CHF 283 (277) Mio. erwähnt, was einer Marge von 32.5% (31,5) entspricht. Ein Gewinn 196 (187) Mio. respektive CHF 5.94 (5.69) pro Aktie entspricht den Erwartungen. Für das Gesamtjahr spricht das Management von einem leicht verbesserten Marktumfeld.

Die Grossbank UBS will in den USA ab Ende nächsten Jahres Privat- und Sparkonti sowie Zahlungsmöglichkeiten für Detailkunden anbieten und später auch Kredite, wie die «NZZ am Sonntag» schriebt. Dadurch will UBS in den USA schrittweise von einem Vermögensverwalter zu einer Universalbank werden.

Die Aktie der Partners Group verzeichnete im Frühjahr 2026 starke Kursschwankungen. Die Hauptgründe für diese Volatilität sind eine Mischung aus negativen Berichten von professionellen Leerverkäufern und Unsicherheiten im Private-Equity Markt.

Der Augenheilmittelkonzern Alcon hat im ersten Quartal einen Umsatz von USD 2.69 Mrd. (+10%) erwirtschaftet. Die betriebliche Kernmarge stieg 0.4 Prozentpunkte auf 20.2%. Es verblieb ein Kerngewinn von 85 Cent je Aktie (Vorjahr 73 Cent). Das Betriebsergebnis fiel jedoch 38% auf USD 292 Mio. der Gewinn um fast die Hälfte auf USD 189 Mio., was negativ überraschte.

Der Computerzubehörhersteller Logitech hat im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 den Umsatz auf USD 1.09 Mrd. (+7%) gesteigert. Die bereinigte Bruttogewinnmarge lag mit 44,8% über dem Vorjahreswert von 43.5%. Der Gewinn betrug USD 165.7 Mio. (+18,6%). Auch im Gesamtjahr legten Umsatz (+6%), Bruttomarge (43.6%) und Gewinn (+15.7%) zu. Für das erste Quartal des neuen Jahres erwartet das Unternehmen ein weiteres Umsatzwachstum (USD 1'190 bis 1'215 Mio.).

Der Rückversicherer Swiss Re hat den Gewinn im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode 20% auf USD 1.5 Mrd. gesteigert. Der Umsatz ist hingegen von USD 10,4 auf 10 Mrd. gesunken, überraschend leicht negativ.

Der Telekommunikationskonzern Swisscom weist für das erste Quartal einen Umsatz von CHF 3.61 Mrd. aus, 4.1% weniger als vor Jahresfrist. Zu konstanten Wechselkursen hätte der Umsatz 2.9% abgenommen. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen, Amortisationen und Leasingkosten (Ebitda) stieg hingegen 0.8% auf CHF 1.29 Mrd. Der Gewinn gab hingegen um 9.6% auf CHF 332 Mio. nach.

Der Nahostkrieg hat Auswirkungen auf die Jungfraubahnen: Besucherrückgang – von Januar bis April 2026 sind die Frequenzen über alle Segmente hinweg um 5.7 Prozent zurückgegangen, das Jungfraujoch ist besonders betroffen, Rückgang minus 12.3 Prozent.

Aussichten

Im Moment sind fundamental basierende Prognosen für Aktien kaum möglich. Es dominieren die hohen Energie- bzw. Ölpreise sowie Kriegsängste. Das gibt auch bis auf Weiteres Abwärtspotenzial für die ganze Wirtschaft durch Inflation und Negativwachstum. Wichtig wäre ein definitives Kriegsende, sowohl im Nahen Osten als auch in der Ukraine. Zurzeit beeinflussen nicht die Sektoren oder Einzelaktien den Gesamtmarkt, sondern das Umfeld, besonders Kriege und Ölpreisniveau, die Zickzackpolitik der USA. Aber eine weitere Inflationswelle wegen der befürchteten Energieverknappung ist nicht auszuschliessen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst Portal24
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