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Rapperswil-Jona
08.05.2026
08.05.2026 17:32 Uhr

Rappi wird zum grünen Paradies

Green City Days 2026
Green City Days 2026 Bild: Boris Baldinger / https://www.boris-baldinger.com
Mit offenen Gärten, Gesprächen und Workshops und haben die ersten Green City Days in Rapperswil-Jona begonnen. Im Zentrum steht die Frage: Wie wollen wir morgen leben?

Die Vision ist gross. Zum Auftakt der Green City Days wurde in Rapperswil-Jona nicht einfach ein neues Festival eröffnet. Vielmehr geht es um eine Grundsatzfrage: Wie bleibt eine Stadt auch in Zukunft lebenswert? Zwischen Klimawandel, Verkehrsdruck und verdichteten Siedlungen rückte das Eröffnungsforum vor allem eines ins Zentrum: mehr Grün. Nicht als Dekoration, sondern als Überlebensstrategie für Städte. Christoph Kamber, Mitinitiant der Green City Days, sprach von einem gemeinsamen Wunsch nach einer lebenswerten Stadt. Genau dort wolle man die Diskussion starten. Offen, breit abgestützt und ohne moralischen Zeigefinger. Der Ansatz des Festivals: Lust aufs Mitgestalten statt Verzichtsrhetorik.

Heisse Nächte

Deutlich wurde am Eröffnungsabend auch, wie ernst die Ausgangslage inzwischen ist. Moderatorin Bettina Walch erinnerte daran, dass sich die Schweiz bereits um rund 2,9 Grad erwärmt habe. Sollte die globale Temperatur um drei Grad steigen, wären in der Schweiz laut Fachleuten sogar fünf Grad möglich. Für Prof. Stefanie Graf von der OST ist deshalb klar: «Wir müssen unsere Städte vom Grün her denken.» Pflanzen würden nicht nur die Luft verbessern, sondern ganze Quartiere abkühlen. Gerade in Tropennächten könne der Temperaturunterschied zwischen begrünten und versiegelten Flächen bis zu zehn Grad betragen. Dass dabei auch die Raumplanung entscheidend ist, wurde mehrfach betont. Windkorridore, offene Freiräume und entsiegelte Flächen seien künftig keine romantischen Extras mehr, sondern Teil einer funktionierenden Stadtentwicklung.

  • Klare Zeichen überall: Rapperswil-Jona ist für vier Tage ein grünes Paradies. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Kevin Mikes, Präsident Verein Zeughausgarten; OK-Mitglied Green City Days 2026 Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Eröffnungsfeier Green City Days Rapperswil-Jona 2026 Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Bettina Walch, Moderatorin Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Christoph Kamber, Initiator Green City Days 2026 Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Green City Days 2026 Bild: Boris Baldinger / https://www.boris-baldinger.com
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  • Joe Kunz, Stadtrat Rapperswil-Jona Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Prof. Stefanie Graf. Leiterin Departement Architektur, Bau, Landschaft, Raum. Fachhochschule OST Bild: Markus Arnitz, Linth24 n
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  • Green City Days Rapperswil-Jona 2026 Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Flora Frommelt, OK-Mitglied Green City Days 2026 Bild: Boris Baldinger / https://www.boris-baldinger.com
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  • Michaela Sprotte, Präsidentin Ortsgemeinde Rapperswil-Jona Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Valerie Remoquillo-Jenni, CEO Stiftung Fourfold; Prof. Alex Simeon. Rektorat, Delegierter der Hochschulleitung OST Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Valerie Remoquillo-Jenni, CEO Stiftung Fourfold Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Künstler Carlo Borer Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Slam Poet Joël Perrin Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Die Stadt gehört den Menschen

Die Diskussion blieb nicht bei Bäumen und Blumenbeeten stehen. Immer wieder ging es auch um den sozialen Zusammenhalt. Eine lebenswerte Stadt entstehe nicht allein durch Architektur, sondern durch Menschen, die miteinander auskommen. In der Runde wurde deutlich: Grünflächen schaffen Begegnungsorte. Als Beispiel wurde das Grünfels-Areal genannt, das heute von Familien, Kindern und Spaziergängern intensiv genutzt wird. Noch vor wenigen Jahren sei vieles davon kaum vorstellbar gewesen.

Gleichzeitig wurde auch die Realität angesprochen. Rund 25’000 Fahrzeuge rollen täglich über den Seedamm. Viele wünschten sich zwar eine grünere Stadt, aber bitte ohne Einschränkungen vor der eigenen Haustüre. Genau dort setzen die Green City Days an: Veränderung soll nicht verordnet, sondern gemeinsam entwickelt werden.

Vom Schottergarten zur Biodiversität

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Biodiversität. Denn nicht alles, was grün aussieht, hilft auch der Natur. Eine Palme im Schottergarten löse das Problem nicht, sagte eine Teilnehmerin pointiert. Entscheidend seien heimische Pflanzen, vielfältige Blumenflächen und ein bewusster Umgang mit Boden und Wasser. Die Green City Days wollen dazu konkrete Ideen liefern. Fachpersonen der OST, Planer, Landschaftsarchitekten und Umweltorganisationen bieten während vier Tagen Workshops, Führungen und Vorträge an. Auch private Gartenbesitzer und Quartierbewohner sollen inspiriert werden.

Besonders charmant: Die Veranstaltung bleibt nicht in Konferenzräumen stecken. Wer will, kann selbst Hand anlegen. Am Samstagmorgen etwa helfen Freiwillige auf dem OST-Campus beim Entsiegeln und Anlegen neuer Grünflächen. Handschuhe werden gestellt – eine seltene Form von Stadtentwicklung mit Erde unter den Fingernägeln.

  • Curtiplatz Rapperswil Bild: Boris Baldinger / https://www.boris-baldinger.com
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  • Podiumsgespräch an der Eröffnungsfeier der Green City Days Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Schautafel im Green Forum Pavillon: Visionen für die Stadt Rapperswil-Jona Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Wettbewerb: wie viele Vogelhäuschen hängen an der Green City Days? Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Schautafel im Green Forum Pavillon: Visionen für die Stadt Rapperswil-Jona Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Green City Days Rapperswil-Jona 2026 Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Schautafel im Green Forum Pavillon: Visionen für die Stadt Rapperswil-Jona Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Skulptur von albinegri, Rapperswil-Jona Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Schautafel im Green Forum Pavillon: Visionen für die Stadt Rapperswil-Jona Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • «Breath», Installation einer Lunge, Carlo Borer, Künstler Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Green City Days Rapperswil-Jona 2026 Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Vier Tage voller Ideen

Die Green City Days dauern noch bis Sonntag und verwandeln Rapperswil-Jona in einen offenen Erlebnisraum rund um Natur, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit. Auf dem Programm stehen Führungen durch versteckte Gärten und Klosteranlagen, Fachreferate, Märkte, Konzerte, Urban-Gardening-Projekte sowie kulturelle Formate in den Rosengärten. Auch Familien und Kinder kommen mit Mitmachangeboten und Workshops auf ihre Kosten. Die Veranstalter zeigen vier Themenwelten: «Vision», «Expert», «Explore» und «Urban & Arts». Dahinter steckt der Versuch, Wissenschaft, Alltag und Kultur zusammenzubringen. Oder einfacher gesagt: Die Stadt nicht nur schöner, sondern auch zukunftsfähiger zu machen.

Ein Satz blieb besonders hängen: «Einen grossen Baum pflanzt man nicht für morgen. Sondern für jene, die in dreissig Jahren darunter sitzen». Genau so wirken die Green City Days: als erster Schattenwurf für die Zukunft.

Markus Arnitz, Linth24
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