Home Region Sport Schweiz/Ausland Rubriken Agenda
Kolumne
01.05.2026
30.04.2026 23:45 Uhr

Krieg und Ölpreis belasten Börse

Christopher Chandiramani: «Viele Aktien verhielten sich bisher relativ robust und dürften sich bei einem nachhaltigeren Waffenstillstand deutlich erholen.»
Christopher Chandiramani: «Viele Aktien verhielten sich bisher relativ robust und dürften sich bei einem nachhaltigeren Waffenstillstand deutlich erholen.» Bild: Linth24
Nahost-Pattsituation und steigende Ölpreise nähren Konjunktursorgen. Gute UBS-Zahlen überraschen, Streit um Eigenkapitalvorschriften bleibt. SMI minus 0.26 Prozent: 13'136 Punkte.

Energiekrise und Inflationssorgen belasten vor allem die Weltwirtschaft, die US-Notenbank FED lässt den Leitzins deshalb unverändert. Es ist die dritte FOMC-Sitzung in Folge ohne Änderung des Leitzinses, seit der Zinssenkung vom Mitte Dezember 2025 liegt der Zielkorridor unverändert bei 3.50 bis 3.75 Prozent. FED-Chef Jerome Powell will auch nach dem planmässigen Ende seiner Amtszeit Mitte Mai im Vorstand der FED bleiben. Auf ihn soll der frühere Gouverneur Kevin Warsh folgen. Dieser war kurz vor dem Zinsentscheid vom Bankenausschuss des Senats noch bestätigt worden. Ökonomen fürchten, dass die Notenbank FED ihre Unabhängigkeit verlieren wird und so Zinslockerungen erzwungen werden.

Auch die Europäische Zentralbank EZB wartet ab. Der Leitzins beträgt hier weiterhin 2 Prozent.

Nach weiteren Drohungen der USA gegen den Iran stieg der Ölpreis nochmals stark. Hoffnungen auf eine Friedensverhandlung schwinden.

König Charles III aus Grossbritannien besuchte die USA, hat eine historische Rede gehalten. Aber die Freundschaft zwischen Europa und den USA bröckelt. Unterschiedliche Ansichten über den Irankrieg und den Umweltschutz nehmen zu. Auch beim Konflikt bezüglich Ukraine und Russland sowie bei der Nato ist man sich uneinig.

Diese EU-Reform könnte die Schweiz Milliarden kosten: Bisher zahlten die Nachbarländer für Grenzgänger, die ihre Arbeit verloren. Künftig soll die Schweiz zuständig sein. Die neue Regelung würde mit den Bilateralen III in Kraft treten.

Schweizer Hotellerie steigert Umsatz im vergangenen Jahr. Die Schweizer Hotellerie hat im Jahr 2025 mit Übernachtungen CHF 6.2 Mrd. generiert. Das entspricht einem Anstieg von 3.9% gegenüber dem Jahr davor.

Die Immobilienpreise sind 2025 sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland weiter gestiegen, angetrieben durch knappe Angebote und teils gesunkene Zinsen. In der Schweiz verteuerten sich Eigenheime im Jahresverlauf um über 4 %, während in Deutschland die Preise im Durchschnitt um ca. 3 % zulegten.

Unternehmensnachrichten

Die südkoreanische Samsung Electronics erzielt dank KI-Boom den höchsten Betriebsgewinn in der Unternehmensgeschichte. Der Betriebsgewinn für das erste Quartal betrug 57.2 Bio. Won oder CHF 30.4 Mrd.– rund das Achtfache des Vorjahreszeitraums. Fast 94% des Gewinns stammen aus der Halbleitersparte, die von der starken Nachfrage nach Speicherchips profitiert.

Der VW-Gewinn bricht im ersten Quartal um 28 Prozent ein auf EUR 1.56 Mrd. Kriege, Konkurrenz aus China und Zölle in den USA setzen dem Volkswagen-Konzern zu.

Schluss mit «Zwangskündigungen per Chat»: Die Zürcher Justiz kippt AGB von Sunrise. Das Bezirksgericht Zürich hat die Klage des Konsumentenschutzes gutgeheissen: Bestimmte Vertragsklauseln von Sunrise sind unlauter. Für Kunden bedeutet das Urteil mehr Flexibilität bei Kündigungen. Sunrise geht in Berufung und erhöht die Preise für alle Kunden ab 1. August 2026.

Der Pharmakonzern Novartis hat im ersten Quartal mit USD 13.1 Mrd. insgesamt 1% weniger Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum. Zu konstanten Wechselkursen ergab sich ein Minus von 5%. Der operative Gewinn sank um 9% auf USD 4.2 Mrd., der Konzerngewinn betrug USD 3.2 Mrd. nach 3.6 Mrd. im Vorjahreszeitraum.

Der Verpackungsspezialist SIG hat im ersten Quartal einen bereinigten Betriebsgewinn von EUR 95.7 Mio. erzielt, was einer Marge von 13.4% entspricht, nach 12.8% im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz war mit EUR 714.3 Mio. um 4.2% tiefer als im Vorjahr.

Der Generikahersteller Sandoz hat im ersten Quartal die Einnahmen 11% auf USD 2.76 Mrd. gesteigert. Zu konstanten Wechselkursen wären sie um 3% gestiegen. Für das Geschäftsjahr bestätigt das Basler Unternehmen seine Prognose. So soll der Nettoumsatz im mittleren bis hohen einstelligen Bereich wachsen.

Die Grossbank UBS hat in den ersten drei Monaten mit USD 3.04 Mrd. 80% mehr verdient als im Vorjahr. Vor Steuern verdiente sie mit 3.84 Mrd. ebenfalls 80% mehr. Bereinigt um Integrationskosten spricht sie von einem Vorsteuergewinn von USD 3.99 Mrd. (+54%). Der Ertrag stieg um 13% auf USD 14.24 Mrd., während der Aufwand mit 10.33 Mrd. stabil blieb.

Der Baustoffhersteller Amrize (US-Anteil Holcim) hat im ersten Quartal den Umsatz 4.7 % auf USD 2.18 Mrd. gesteigert. Bei Gewinn und Marge liegt der Konzern aber deutlich unter den Schätzungen.

Der Maschinenbaukonzern Oerlikon hat im ersten Quartal einen Bestellungseingang von CHF 455 Mio. (+7.9%) und einen Umsatz von CHF 378 Mio. erzielt. Wegen Wechselkurseinflüssen sank der Umsatz um 3.3%, wechselkursbereinigt wurde ein Plus von 5.3% verzeichnet. Das Unternehmen bestätigt die Prognose für das Gesamtjahr.

Aussichten

Der Krieg gegen den Iran hat das US-Militär nach Angaben aus dem Pentagon bislang etwa USD 25 Mrd. gekostet und wird uns zukünftig noch weiter beschäftigen. Die USA haben sich in eine Sackgasse hineinmanövriert, kommen ohne Gesichtsverlust nicht mehr heraus. Die Auswirkungen auf die Erdölpreise, die Energieversorgung generell und die Weltkonjunktur wurden unterschätzt. Die Inflationsspirale hat erst gestartet und wird sich noch beschleunigen. Transportwesen und Tourismus (Flugverkehr) werden vor allem betroffen sein. Sektoren, die sich gut halten, sind Technologie, KI, Internet, Rüstung, Energie und Pharma. Die Lage bleibt unsicher und Geld anlegen anspruchsvoll. Viele Aktien verhielten sich bisher relativ robust und dürften sich bei einem nachhaltigeren Waffenstillstand oder Frieden deutlich erholen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst Portal24
Demnächst