Er lernte das Segeln am Obersee, trainierte im Yacht Club Rapperswil-Jona, und kämpfte sich später alleine durch die brutalsten Stürme der Weltmeere: Jetzt schlägt der Rapperswiler Offshore-Profi Oliver Heer das nächste Kapitel seiner aussergewöhnlichen Karriere auf.
Neue Rennyacht
In Lorient, dem Epizentrum des Hochsee-Segelns in Frankreich, präsentierte Heer diese Woche seine neue IMOCA-Rennyacht mit dem programmatischen Namen «Embrace The Challenge». Und der Name ist bei ihm mehr als bloss Marketing, er ist Lebensmotto.
Heers Weg in die Segelgeschichte
Wer Oliver Heer kennt, weiss: Der 37-Jährige ist keiner, der den einfachen Weg sucht. Bereits als Teenager war er regelmässig auf dem Zürichsee unterwegs, später segelte er für den Yacht Club Rapperswil-Jona. Während andere Karriere machten, entschied sich Heer nach Jahren im Business-Leben für das Risiko, und für den Traum Vendée Globe, die härteste Einhand-Regatta der Welt.
2025 schrieb Heer Schweizer Segelgeschichte: Als erster Deutschschweizer überhaupt beendete er die legendäre Vendée Globe nonstop solo rund um den Globus. Nach unglaublichen 99 Tagen allein auf See. Jetzt will der Mann vom Zürichsee noch mehr.
Hightech-Yacht für die Weltmeere
Sein neues Boot ist keine gewöhnliche Yacht, sondern ein fliegendes Hightech-Monster der IMOCA-Klasse. Das Schiff, zuvor von der erfolgreichen Schweizer Seglerin Justine Mettraux gesegelt, erreichte zuletzt Rang 8 an der Vendée Globe, und gilt als echte «Formel 1 des Ozeans».
Besonders auffällig: das neue Design. Schwarze, dynamische Linien ziehen sich wie Wetterkarten über den Rumpf. Inspiriert wurde die Lackierung von Isobaren – jenen Drucklinien, die auf Wetterkarten über Leben und Tod entscheiden können. Für Heer symbolisieren sie nicht nur Stürme und Tiefdruckgebiete, sondern auch mentalen Druck.
«Es geht nicht nur darum, Wetterkarten zu lesen», sagt Heer. «Es geht darum, mit Druck umgehen zu können.»
Nächstes Rennen wartet
Und Druck wird es bald reichlich geben: In gut 100 Tagen startet Heer beim neuen The Ocean Race Atlantic, einem spektakulären Hochgeschwindigkeitsrennen von New York nach Europa. Gesegelt wird mit Vierer-Crews über den Atlantik, mitten durch jene Wettersysteme, die Heer nun sogar auf seinen Bootsrumpf gemalt hat.
Dass ausgerechnet ein Segler vom Zürichsee heute in der internationalen Offshore-Elite mitmischt, sorgt auch in Rapperswil immer wieder für Staunen. Im Yacht Club erinnert man sich noch gut an den ehrgeizigen jungen «Ollie», der schon früh lieber Windkarten studierte als gemütlich am Hafensteg zu sitzen.
Verbindung zur Heimat bleibt
Heute trainiert Heer zwischen England, Frankreich und den grossen Weltmeeren, doch die Verbindung zur Rosenstadt bleibt stark. Nach seiner Rückkehr von der Vendée Globe wurde er in Rapperswil begeistert empfangen. Ebenso findet sich Burgerstein-Vitamine weiterhin als Sponsor und Partner auf seinem neuen Segelschiff.
Nun beginnt die nächste Mission. Schneller. Härter. Extremer. Oder wie Oliver Heer selbst sagt: «Embrace The Challenge.» – Umarme die Herausforderung.