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Benken
16.03.2026
16.03.2026 12:08 Uhr

Die Schweiz ringt um ihre Zukunft

Kontroverse Debatte am Podium in Benken zum EU-Vertragswerk.
Kontroverse Debatte am Podium in Benken zum EU-Vertragswerk. Bild: Markus Arnitz, Linth24
Die SVP Benken lud zum Podium zum EU-Abkommen. Wirtschaft, Politik und Bürgerinteressen prallten aufeinander. Die Schweiz ringt um Rechtssicherheit und Eigenständigkeit.

Die Spannung im Dorfsaal Benken war greifbar. Politiker und Unternehmer diskutierten die bevorstehenden EU-Verträge mit einer Mischung aus Sorge und Pragmatismus. Auf dem Podium standen Diego Hagmann aus Amden, Facharzt und Adrian Wiedmer, Unternehmer aus Jona (beide GLP) als Befürworter der Verträge. Die Gegenseite vertraten Lisa Leisi aus Bütschwil, Präsidentin EDU SG und SVP-Nationalrat und Jurist Lukas Reimann aus Wil. Moderiert wurde die Debatte vom Benkner SVP-Präsident Jürg Hofstetter.

Lukas Reimann und Lisa Leisi betonten, dass die Schweiz trotz wirtschaftlicher Nähe zur EU ihre Souveränität wahren müsse. Die neuen Abkommen sollen Rechtssicherheit bieten, doch die dynamische Rechtsübernahme sorge bei vielen für Unbehagen. Man dürfe sich nicht in alten Konzepten verlieren, tönte es von Diego Hagmann und Andreas Wiedmer; ein Appell an Pragmatismus statt Ideologie.

Wirtschaft unter Druck

Die grossen Schweizer Firmen sehen in den Abkommen eine Chance. Rechtssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen seien entscheidend, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. «Die Wirtschaft, die innovativ, stark und international tätig ist, unterstützt die Bilateralen», meinte Adrian Wiedmer. Lisa Leisi äusserte die Bedenken der kleineren Betriebe. Regulierungen und EU-Vorgaben könnten sie überfordern, die Angst vor mehr Konkurrenz sei spürbar. Die Unterschiede zeigten über den ganzen Abend, wie gespalten das Bild ist: zwischen den Profiteuren des internationalen Handels und den kleineren Betrieben auf nationaler Ebene.

  • Jürg Hofstetter, Präsident SVP Benken, moderierte den Abend. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • SVP Nationalrat und Jurist Lukas Reimann ist gegen das EU-Vertragswerk. Es bedrohe die Eigenständigkeit der Schweiz. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Unternehmer Adrian Wiedmer aus Jona sieht in den Bilateralen 3 keine Gefahr. Viele laufe bereits jetzt ohne dass man viel Aufhebens darum mache. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Lisa Leisi, Präsidentin der EDU St. Gallen, mahnte vor den Gefahren für KMU, massiver Zuwanderung und beschrieb den Niedergang der Schweiz wie man ihn von anderen EU Staaten beobachte. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Diego Hagmann, Facharzt, GLP, für ihn sei das Vertragswerk keine Gefahr und würde der Schweiz das wirscthaftliche Überleben sichern. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Ausbildung und Fachkräfte

Ein weiterer zentraler Punkt war die Frage der Ausbildung. Leisi und Reimann bemängelten, dass die Schweiz zu stark auf ausländische Fachkräfte setze und die eigene Jugend zu wenig fördere. Das Spannungsfeld zwischen Personenfreizügigkeit und nationaler Ausbildung wurde lebhaft diskutiert. «Wir müssen unsere Fachkräfte selbst ausbilden, sonst geraten wir in einen Teufelskreis» war die Botschaft der EU-Vertragsgegner. Anerkannt wurde, dass die Wirtschaft ohne qualifizierte ausländische Arbeitskräfte nicht konkurrenzfähig bleibt.

Demokratie und Selbstbestimmung

Die direkte Demokratie war nicht nur für die Podiumsteilnehmer, sondern auch für das Publikum im Saal ein unantastbares Leitprinzip, was die vielen Voten und Fragen zeigten. Verträge dürften nicht zu einer schleichenden EU-Mitgliedschaft führen. Die Balance zwischen wirtschaftlicher Integration und nationaler Selbstbestimmung war ein wiederkehrendes Thema. Während die Gegner die EU als zu stark kontrollierend kritisierten und ihr Mikromanagement vorwarfen, mahnten die Befürworter zu realistischem Pragmatismus. Die Debatte offenbarte ein tiefes Bedürfnis nach Transparenz und Mitbestimmung: Verträge sollen nicht einfach durchgepeitscht werden, sondern demokratisch nachvollziehbar bleiben und vor allem, nicht ohne die Zustimmung von Volk und Ständen angenommen werden. Dass der Bundesrat bei der Abstimmung das Ständemehr ausschalten will, kam gar nicht gut an.

Globale Realität und Unsicherheit

Hinter der Debatte steckt die globale Realität: Handelsinteressen, geopolitischer Druck und wirtschaftliche Abhängigkeiten prägten die Diskussion. Reimann und Leisi warnten vor langfristigen Risiken für die Schweiz, Hagmann und Wiedmer betonten die Vorteile von klaren Regeln und Stabilität. Die Stimmung im Saal bwegte sich zwischen Angst vor Konkurrenz, dem Schutz nationaler Werte und wirtschaftlicher Vernunft.

Kontrovers und emotional

Die Debatte am Podium war lebendig, kontrovers und emotional. Zwischen Skepsis, Sorge um die nationale Eigenständigkeit und dem Wunsch nach wirtschaftlicher Sicherheit zeichnete sich ein komplexes Bild ab. Eines wurde auch im Dorfsaal Benken deutlich: Die Schweiz ringt um einen Mittelweg zwischen Integration, Pragmatismus und der Wahrung eigener Werte. Der Diskurs ist noch lange nicht abgeschlossen, und die Spannung wird auch in den kommenden Monaten spürbar bleiben.

Markus Arnitz, Linth24
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