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Kolumne
13.06.2026
14.06.2026 01:24 Uhr

Börse: Waffenruhe-Bruch und Zins

Christopher Chandiramani: «Aktienmarktaussichten für das zweite Halbjahr 2026 bleiben volatil, aber mit überwiegend leicht positivem Wachstumspotenzial.»
Christopher Chandiramani: «Aktienmarktaussichten für das zweite Halbjahr 2026 bleiben volatil, aber mit überwiegend leicht positivem Wachstumspotenzial.» Bild: Linth24
US-Arbeitsmarktdaten, Tech-Gewinnmitnahmen, höherer EZB-Zins und eine Irankrieg-Eskalation schufen Volatilität. SpaceX-Börsengang interessiert. SMI plus 2,4 Prozent: 13'708 Punkte.

Die Europäische Zentralbank EZB erhöht den Leitzins von 2.0 auf 2.5% – erstmals seit drei Jahren und beendet damit die Phase der Zinspausen. Die Währungshüter bekämpfen damit Inflation aufgrund der gestiegenen Erdölpreise. Aber gleichzeitig schwächelt die Wirtschaft. Zahlreiche EU-Länder haben ein Nullwachstum oder sogar fast eine Rezession.

Umverteilung: Die Ausgleichszahlungen unter den Kantonen steigen deutlich. Über eine halbe Milliarde Franken werden ab 2027 zusätzlich umverteilt. Der Kanton Zug zahlt am meisten ein, gefolgt von Genf und Zürich. Der Kanton Bern erhält am meisten Geld. Zug zahlt netto rund CHF 529 Mio. in den Finanzausgleich ein. Dahinter folgen Genf mit knapp CHF 497 Millionen und Zürich mit CHF 369 Millionen Franken. Mit Abstand am meisten Mittel erhält erneut Bern. Der Kanton profitiert netto von rund CHF 1.71 Mrd.

Zurzeit findet die Sommersession des National- und Ständerats statt. Noch nicht gelöst ist die Finanzierung der 13. AHV-Rente und ob bei der Abstimmung über die EU-Verträge ein Ständemehr nötig ist.

Grösste Aktienplatzierung der Geschichte: SpaceX

Elon Musks Weltraumfirma SpaceX beabsichtigt bei ihrem Rekord-Börsengang rund USD 75 Mrd. einzunehmen. Mit einem Ausgabepreis von USD 135 strebt das verlustreiche Unternehmen aus dem Stand eine Gesamtbewertung von nahezu USD 1.8 Billionen an. Die Werte aus dem aktualisierten Börsenprospekt entsprechen Zahlen, die zuvor in Medienberichten genannt wurden. Die Emission dürfte am 11./12. Juni starten, und daraufhin unter dem Kürzel SPCX gehandelt werden. Der Börsengang von Elon Musks Raumfahrt-, Satelliten- und KI-Konzern SpaceX an der Nasdaq ist der grösste Börsengang der Geschichte. Das Emissionsvolumen liegt bei rund 75 Milliarden US-Dollar. Grosse Investoren wie Blackrock nehmen daran teil. Auch das Interesse von risikobereiten Kleinanlegern ist überdurchschnittlich trotz erwarteter Verluste. Die Aussichten von den Weltraumtaxis und die Erde umkreisende Energiezentralen für die KI sind ungewiss bzw. zunächst Visionen. Die Emission war erfolgreich, auch die Mitarbeitenden freuen sich.

Unternehmensnachrichten

Der Neuling Centiel überrascht positiv, der Kursanstieg innerhalb der Woche betrug über 50%. Die Aktien des Notstromspezialisten profitieren von einem Vertriebsvertrag in den USA. Der Experte für unterbrechungsfreie Stromversorgung hat mit Neo Critical Power einen mehrjährigen Vertriebsvertrag für den US-Markt unterzeichnet. Das Rahmenabkommen sieht ein mittelfristiges Geschäftsvolumen im Millionenbereich vor.

Partners Group peilt USD 1.5 Mrd. Dollar für Immobilienfonds an und strebt für ein neues Immobilien-Secondaries-Programm ein Zielvolumen von USD 1.5 Mrd. an. Ein Immobilien-Secondaries-Programm kauft indirekt Immobilien über bestehende Beteiligungen an Immobilienfonds. In einer ersten Finanzierungsrunde wurden über CHF 650 Mio. zugesagt. Es handelt sich um das fünfte Programm dieser Art. Es investiert in renditestarke Anlagen und Beteiligungen mit Schwerpunkten in den Bereichen Wohnen, Industrie und Hotellerie.

Givaudan mit Kurssprung dank neuer Kaufempfehlung. Nach einer Kurszielerhöhung durch die Deutsche Bank steigen die Aktien um mehr als 4 Prozent.

Gemeinsam mit dem US-Biotechunternehmen Nurix Therapeutics will der Pharmakonzern Roche den Wirkstoff Bexobrutideg entwickeln und vermarkten, ein Mittel gegen Blutkrebs, Hauterkrankungen und Multiple Sklerose.

Kurssprung auch beim Bauchemiekonzern Sika, er hat im belgischen Ham ein neues Produktions- und Technikzentrum für Betonzusatzmittel in Betrieb genommen und stärkt damit seine Präsenz in den Beneluxländern.

Der CEO Oliver Hammel der Jungfraubahnen ist für die Zukunft zuversichtlich. Man sei gut aufgestellt, um sinkende Gästezahlen aus dem asiatischen Raum aufzufangen, sagte der CEO am Rande des Swiss Economic Forums.

Geringe Auswirkungen des Nahostkonflikts: Der Flughafen Zürich zählte im Mai 3.03 Mio. abgefertigte Passagiere, das waren 9.1% mehr als im Vorjahresmonat.

Aussichten

Die Aktienmarktaussichten für das zweite Halbjahr 2026 bleiben volatil, aber mit überwiegend leicht positivem Wachstumspotenzial. Hauptrisiken bleiben die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, verbunden mit steigenden Energiepreisen. Das Wirtschaftswachstum ist moderat, Was die Geldpolitik betrifft, so sind die Inflationsraten in den westlichen Ländern aufgrund der Ölpreise angestiegen. Die EZB hat die Zinsen bereits angehoben, während die Schweiz und die USA einen vorsichtigeren Ansatz verfolgen. Der anhaltende Investitionsboom im Bereich der KI stützt den Technologiesektor und treibt die Unternehmensgewinne nach oben an. Technologieaktien könnten aber zunehmend stärkeren Kursschwankungen unterliegen. Analysten sehen das zweite Halbjahr 2026 als herausfordernd an, erwarten aber, dass sich der Aufwärtstrend verstärkt, wenn Frieden in der Ukraine und im Nahen Osten erreicht wird.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst Portal24
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