Home Region Sport Schweiz/Ausland Rubriken Agenda
Kolumne
30.05.2026
30.05.2026 17:48 Uhr

Tech und KI-Rally im Börsenfokus

Dank guter Unternehmensnachrichten und Nachfrage nach Technologiewerten halten sich die Aktien laut Christopher Chandiramani relativ robust.
Dank guter Unternehmensnachrichten und Nachfrage nach Technologiewerten halten sich die Aktien laut Christopher Chandiramani relativ robust. Bild: Linth24
Nach Pfingsten schürten neue Kämpfe in Iran, Israel und der Ukraine erneut Sorgen um Öl, Inflation und Konjunktur. Techwerte blieben gefragt. SMI kaum verändert bei 13'543 Punkten.

Neue US-Militärschläge kurz vor Pfingsten gegen den Iran dämpften die Hoffnung auf einen schnellen Friedensschluss. Gleichzeitig liefen Abrüstungsgespräche in Doha weiter. Nach einem starken Rückgang am Montag ist der Ölpreis im Wochenverlauf wieder höher. An den US-Börsen tendieren die Kurse nach dem Pfingstwochenende mehrheitlich freundlich. Die Titel der Chiphersteller setzen ihre KI-getriebene Rally fort, Rohöl sowie anhaltende Nachfrage nach Chiptiteln prägten auch am Mittwoch den Handel an den US-Börsen. Am Donnerstag kam es vor allem in der Schweiz vorübergehend zu Gewinnmitnahmen der zuvor gestiegenen grosskapitalisierten Werte.

Ab dem 1. Juli 2026 führt die EU Verschärfungen ihrer Stahleinfuhrregeln ein. Die zollfreien Kontingente für Drittstaaten werden fast halbiert. Für Importe, welche diese Kontingente überschreiten, verdoppelt die EU den Strafzoll auf 50 Prozent. Die Schweiz ist von dieser Massnahme ebenfalls direkt betroffen, da sie bisher nicht von der EU ausgenommen wurde.

In der Schweiz hat die Beschäftigung im ersten Quartal 2026 sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch mit dem Schlussquartal 2025 zugenommen. Dabei verbuchte der Industriesektor nach einer zuletzt rückläufigen Entwicklung eine leichte Aufwärtstendenz. Insgesamt werden die Beschäftigungsaussichten derweil wieder positiver bewertet. In den Monaten Januar bis März wuchs die Zahl der Beschäftigten in der Schweiz innert Jahresfrist insgesamt um 0.5 Prozent auf 5.537 Mio., dies gemäss Angeben des Bundesamts für Statistik (BFS).

Schweizer Tiefkühlproduktion wird aufgegeben: Frisco Findus schliesst seine Produktionsstätte in Rorschach per Ende 2026 definitiv. Vom Entscheid betroffen sind 45 Vollzeitstellen. Die Herstellung von Produkten wie Plätzli, Lasagne und Cannelloni usw. wird nach Italien und Spanien verlagert. Die Marke Findus gehört dem britischen Tiefkühlkonzern Nomad Foods (bekannt für Iglo), der das Schweizer Findus-Geschäft 2021 übernommen hat. Frisco und Findus gehörten früher zum Nestlé-Konzern.

Unternehmensnachrichten

Der Aktienkurs der Genfer Lem Holding ist stark gestiegen, weil das Unternehmen nach soliden Jahreszahlen (Umsatz CHF 288 Mio.) das Interesse der Käufer geweckt hat und nun strategische Optionen prüft. Zudem profitierte die Aktie von einer deutlich verbesserten Profitabilität und einer starken Nachfrage aus dem Bereich der Rechenzentren. Hinzu kamen noch Übernahmefantasien. Auch Logitech profitierte von der hohen Technologienachfrage.

Die Private-Equity-Gesellschaft Partners Group wird gegen die US-amerikanische Investmentfirma Grizzly Research juristische Schritte ergreifen, nachdem diese Ende April verschiedene Vorwürfe gegen Partners Group publiziert hat; so hiess es beispielsweise, Partners Group sei «schlimmer als Wirecard».

Der Lebensversicherer Swiss Life hat im vergangenen Jahr im Geschäft mit der beruflichen Vorsorge (BVG) mehr Prämien verdient. Die gebuchten Bruttoprämien wuchsen im Vergleich zum Jahr 2024 um knapp 2% auf CHF 7.51 Mrd. Zusammen mit dem etwas tieferen Kapitalertrag resultierte ein Gesamtertrag in Höhe von CHF 8.64 Mrd. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von 0.2%. Das Betriebsergebnis im BVG-Geschäft ging um gut 16% auf CHF 88 Mio. zurück.

Der Medikamentenhändler Galenica hat zwischen Anfang Januar und Ende April 2026 den Umsatz 7.3% auf CHF 1.41 Mrd. gesteigert. Das Wachstum beruht stark auf dem Apothekengeschäft, dem Grosshandel und der Sparte Home Care. Galenica bestätigt die Jahres-Guidance mit 5 bis 7 Prozent Wachstum beim Umsatz und 6 bis 8% beim Betriebsgewinn. Die Dividende soll mindestens auf Vorjahresniveau beibehalten werden.

Der Pharmazulieferer Dottikon ES hat den Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26 um rund 11% auf CHF 428 Mio. gesteigert. Der Betriebsgewinn stieg unterproportional 5.4% auf CHF 148 Mio., der Gewinn sank 19% auf CHF 103.6 Mio. Das von Markus Blocher geführte Unternehmen zahlt weiterhin keine Dividende und reinvestiert für Investitionen.

Aussichten

Die geopolitische Lage hat sich momentan eher wieder verschlechtert. Es gibt immer noch Angriffe im Iran und Israel sowie auch in der Ukraine trotz versprochener Waffenruhe. Das Pfingstrally an den Börsen wurde unterbrochen bei volatilen und eher steigenden Ölpreisen sowie den schlechten Nachrichten vom Persischen Golf, der Strasse von Hormus. Das Damoklesschwert der Inflation schwebt wiederum über den Märkten. Damit verbunden wären auch eine stagnierende Wirtschaft oder sogar Rezession. Die Aktien halten sich relativ robust dank zumeist guter Unternehmensnachrichten und guter Nachfrage nach Technologiewerten mit Aktivitäten im Bereich der KI. Beim Reiseverkehr und Tourismus sind die Erwartungen aufgrund der teureren Kerosinpreise erheblich geringer. Die Zolldiskussion ist ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Bei den Elektrofahrzeugen hat die Nachfrage nach einer längeren Stagnation wieder angezogen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst Portal24
Demnächst