Raiffeisen wächst – und setzt auf Vorsorge
Die Weltlage ist unruhig, die Zinsen tief – und trotzdem stimmt die Rechnung bei den Raiffeisenbanken See-Gaster. Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschafteten die vier regionalen Genossenschaftsbanken einen Geschäftserfolg von 8,46 Millionen Franken. Das sind 790'000 Franken oder 10,25 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.
Kerngeschäft bleibt stark
Vor allem das klassische Bankgeschäft entwickelte sich positiv. Die Hypothekarforderungen stiegen um 109,4 Millionen auf 4,07 Milliarden Franken. Die Kundengelder legten um 13,41 Millionen auf 3,90 Milliarden Franken zu.
Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung beim Wertschriftengeschäft: Das Volumen der Kundendepots erhöhte sich um 10,15 Prozent auf 1,29 Milliarden Franken.
Vorsorge wird wichtiger
Die Raiffeisenbanken wollen ihre Ertragsquellen weiter diversifizieren. Dabei gewinnt das Vorsorge- und Anlagegeschäft an Gewicht. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft stieg um 14,47 Prozent auf 5,89 Millionen Franken.
Mehr gefragt sind insbesondere Vermögensverwaltungsmandate und Vorsorgelösungen. An der Medienkonferenz wurde deutlich, wohin die Reise geht: Die Banken wollen stärker in Finanz- und Vorsorgeplanung investieren.
Dabei geht es nicht nur ums Verkaufen. Kunden sollen über längere Zeit begleitet werden – etwa bei der Pensionierung oder bei der Nachlassplanung. Die Raiffeisenbanken verstehen diese Themen ausdrücklich auch als Teil einer guten Kundenbindung und Absicherung.
203 Mitarbeitende vor Ort
Mehr Beratung braucht Menschen. Die Raiffeisenbanken See-Gaster beschäftigen aktuell 203 Mitarbeitende, darunter mehrere Lernende. Der Personalaufwand stieg deshalb um 8,75 Prozent auf 12,4 Millionen Franken.
Ein Grund dafür sind gezielte Investitionen in Beratungskompetenz sowie Aus- und Weiterbildung. Der gesamte Geschäftsaufwand erhöhte sich moderat um sechs Prozent auf 21,1 Millionen Franken.
Das genossenschaftliche Modell soll gleichzeitig mehr sein als eine Rechtsform. Die Raiffeisenbanken betonen ihr regionales Engagement und unterstützen Vereine, Veranstaltungen und Institutionen. Dazu gehören unter anderem das Kantonale Schwingfest in Schmerikon, der Raiffeisen Juniors Cup, die Sportbahnen Atzmännig, die Regionalschau See & Gaster und der Jugendchor Zürichsee-Linth.
Bauland wird zum Problem
Auch die Entwicklung auf dem regionalen Immobilienmarkt beschäftigt die Banken. Gebaut werde weiterhin – allerdings zunehmend verdichtet. Einen Boom wegen der Abschaffung des Eigenmietwerts erwarten die Raiffeisenbanken nicht.
Für Familien werde Bauland zunehmend teuer. Gleichzeitig sind die Handwerksbetriebe gut ausgelastet. Gerade bei Renovationen im Firmenbereich werden sehr hohe Auftragseingänge beobachtet.
In Amden sehen die Raiffeisenbanken zusätzliches Potenzial. Die Nähe zu Zürich und die Anbindung über Ziegelbrücke machen die Gemeinde für Gutverdienende attraktiver. Gleichzeitig ist Bauland knapp und die Bodenpreise steigen. Auch in Benken sind die Handwerker gut ausgelastet.
Der Blick bleibt vorsichtig
Für das zweite Halbjahr rechnen die Raiffeisenbanken mit einem weiterhin guten Geschäftsverlauf und schönem Wachstum. Bei den USA, dem Dollar und den Zinsen werden keine grösseren Veränderungen erwartet.
Ganz entspannt ist der Blick trotzdem nicht. Das weltpolitische Umfeld bleibt fragil. Der Krieg mit dem Iran und die damit verbundenen Turbulenzen bei den Erdölpreisen zeigen, wie schnell sich die Rahmenbedingungen verändern können.
Die Antwort der Raiffeisenbanken darauf ist regional: Kundennähe, solide finanzielle Basis und ein stärkerer Fokus auf Beratung. Oder anders gesagt: Wenn die Welt draussen komplizierter wird, soll die Bank drinnen möglichst nah beim Kunden bleiben.