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Rapperswil-Jona
15.08.2026
15.08.2026 12:00 Uhr

Bauer Bisig: «Wenn es nicht regnet, nützt alles nichts»

Bisig: «Die Hitze belastet die Tiere. Sie reduzieren die Futteraufnahme und sie brauchen mehr Wasser.»
Bisig: «Die Hitze belastet die Tiere. Sie reduzieren die Futteraufnahme und sie brauchen mehr Wasser.» Bild: zVfg
Für die Bauern wird es immer kritischer. Futter für die Kühe fehlt und sie leiden unter der Hitze. Markus Bisig aber will kein Geld vom Staat, dafür faire Produzentenpreise und Solidarität.

Linth24: Markus Bisig, vor 14 Tagen haben wir über die Trockenheit und ihre Folgen für die Bauern gesprochen. Als Präsident des Bauernverbands See-Gaster sind Sie über die Lage wohl gut informiert. Wie hat sich die Situation entwickelt?

Markus Bisig: Sie hat sich leider noch verschlimmert. Gewachsen ist in diesen zwei Wochen praktisch nichts.

Linth24: Man sieht vielerorts Kühe auf gelben, vertrockneten Wiesen. Finden die Tiere dort überhaupt noch Futter?

Bisig: Es ist momentan alles eine Herausforderung. Die Tiere brauchen genügend Schatten und Wasser. Für einige ist die Weide noch ein Auslauf. Gleichzeitig mussten bereits viele Tiere von den Alpen zurück, weil dort Futter und Wasser ausgegangen sind. Wir versuchen, für sie noch ein paar Wochen irgendwo eine Wiese zu finden, damit sie nicht schon im Stall gefüttert werden müssen.

Linth24: Und die eigenen Kühe?

Bisig: Die letzten Tage sind sie wegen der Hitze drinnen geblieben. Heute Morgen haben wir sie für eine Stunde rausgelassen. Sie lagen aber schnell im Schatten und kamen bald zurück. Viel Weidegang gibt es derzeit nicht mehr.

«Der Hitzestress belastet die Kühe.»
Markus Bisig

Linth24: Geben die Kühe wegen der Hitze auch weniger Milch?

Bisig: Die Hitze belastet die Tiere. Sie reduzieren die Futteraufnahme und brauchen mehr Wasser. Alles Futter, das sie aufnehmen, produziert wieder Körperwärme. Deshalb fressen sie bei Hitze weniger. Sie stehen mehr herum und sind weniger produktiv.

Linth24: Ist im Stall bei 36-Grad-Temperaturen nicht noch heisser als draussen?

Bisig: Viele Bauern haben in den vergangenen Jahren viel in die Ställe investiert. Bei uns sorgen drei Grossraumlüfter für Luftbewegung, andere Betriebe haben zusätzlich Vernebelungsanlagen. Der Stall ist dadurch relativ angenehm. Ab etwa 25 Grad beginnt für Kühe aber Hitzestress.

Linth24: Woran merkt man einer Kuh den Hitzestress an?

Bisig: Sie frisst weniger, braucht mehr Wasser und steht mehr herum. Dadurch ist sie weniger produktiv. Für Kühe, die frisch gekalbt haben und viel Milch geben, ist das besonders heikel. Sie brauchen genügend Energie und können nicht einfach Körperfett abbauen, ohne dass es gesundheitliche Folgen haben kann.

Linth24: Und wie ist es mit der Futter-Reserve für den kommenden Winter?

Bisig: Das wird schwierig. Viele Bauern verfuttern jetzt schon Heu, das sie nächsten Winter benötigen. Und kaufen kann man im Moment praktisch kein Heu. Die Bestellung kommt auf eine Warteliste – wann und zu welchem Preis man dann Futter kaufen kann, weiss man noch nicht?

Linth24: Das bedeutet?

Bisig: Wir müssen das Futter strecken – mit Mais oder Futtermittelzusätzen. Aber ideal ist das nicht. Die Kühe haben dann zwar gefressen, aber sind doch nicht richtig satt, geben also auch weniger Milch.

«Wasser wird zum Problem.»
Markus Bisig

Linth24: Kühe saufen bis zu rund 200 Liter Wasser pro Tag. Haben die Bauern noch genügend Wasser?

Bisig: Bei unserer Wasserversorgung ist es noch gut. Einzelne Betriebe mit eigenen Quellen mussten allerdings auf die öffentliche Wasserversorgung umsteigen. Auf den Weiden gibt es viele Quellen, die kein Wasser mehr führen. Dort muss das Wasser teilweise täglich zu den Tieren gebracht werden.

Linth24: Wie gehen Sie mit der Bewirtschaftung des Landes um? Es wird in den nächsten 10 Tagen zwar etwas Regen erwartet, aber wohl nicht genug.

Bisig: Wir säen in gewissen Bereichen Wiese an. Man muss alle Möglichkeiten nutzen, damit wir im Herbst noch Futter bekommen. In unseren tieferen Lagen ist eine Aussaat jetzt noch möglich. Auch beim Silomais sieht man die Folgen: Einige haben bereits mit der Ernte begonnen, weil der Mais wegen der Trockenheit viel zu früh reif ist.

Linth24: Insgesamt herrscht viel Unsicherheit?

«Wenn es nicht regnet, nützt alles nichts.»
Markus Bisig

Bisig: Ja. Man versucht irgendwie zu reagieren und das Beste herauszuholen. Aber wenn es nicht regnet, nützt am Schluss alles nichts.

Linth24: Einige Bauern fordern wegen der Krise Subventionen. Wie siehst du das?

Bisig: Subventionen sind immer schwierig. Entscheidend ist für mich, dass die Bauern über den Markt einen vernünftigen Erlös für ihre Produkte erzielen können. Der Milchpreis ist momentan nicht besonders rosig. Wenn gleichzeitig das Futter teurer wird, wird es schwierig.

Linth24: Müssten Bund, Verarbeitung und Detailhandel also dafür sorgen, dass der Milchpreis steigt?

Bisig: Ja, das muss man auf verschiedenen Ebenen anschauen – bei den Verarbeitern und beim Detailhandel genauso. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Milchmenge über den Winter so hoch bleibt. Wenn weniger Milch vorhanden ist und die Produktion teurer wird, muss sich das auch im Preis widerspiegeln.

Linth24: Also lieber höhere Preise für Milch und Butter statt zusätzliche Zahlungen mit der Giesskanne?

Bisig: Genau. Es geht darum, dass die Bauern über den Markt mehr verdienen. Das gilt übrigens für die gesamte Landwirtschaft – also zum Beispiel auch für die Gemüse- oder Obstbauern. Es darf nicht so weit kommen, dass es mit den aktuell sehr schwierigen Bedingungen irgendwann nicht mehr rentabel ist, Lebensmittel zu produzieren.

«Die Landwirtschaft muss durch diese schwierige Zeit kommen.»
Markus Bisig

Linth24: Was braucht die Landwirtschaft jetzt vor allem?

Bisig: Unterstützung und Verständnis – vom Handel, von den Grossverteilern und auch von den Konsumenten. Wenn die Produktion wegen des Wetters teurer wird, kann Milch oder Butter auch einmal etwas mehr kosten. Die Landwirtschaft muss durch diese schwierige Zeit kommen.

Linth24: Dann bleibt mir eigentlich nur noch eines: Wir wünschen den Bauern Regen – und die Solidarität der Konsumenten und dem Endverkäufer landwirtschaftlicher Produkte.

Bisig: Ja, das hoffen wir und dafür sind wir dankbar.

Bruno Hug
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