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Gast-Kommentar
Kolumne
09.06.2026

Finanztipps für die Ferien

Peter Tiggelers gibt praktische Tipps, damit die Ferienkasse sicher bleibt und Reisende bei Karten, Bargeldbezügen und Versicherungen gut vorbereitet sind.
Peter Tiggelers gibt praktische Tipps, damit die Ferienkasse sicher bleibt und Reisende bei Karten, Bargeldbezügen und Versicherungen gut vorbereitet sind. Bild: shutterstock.com
Finanzexperte Peter Tiggelers sagt, worauf Reisende vor den Sommerferien bei Bankkarten, Bargeld, Versicherung und Notfalldoku achten sollten und wie sie Stolperfallen vermeiden.

Die Sommerferien rücken näher und man freut sich bereits auf unbeschwerte Tage im nahen oder fernen Ausland. Nebst der Reiseplanung für Unterkunft und Freizeitaktivitäten lohnt es sich auch, sich im Finanz- und Versicherungsbereich schlau zu machen. Mit dem Juni-Finanzcheck möchten wir Ihnen allfällige Stolperfallen aufzeigen und helfen, diese, wie eine Segeljacht zu umschiffen.   

Überprüfung Kartenlimite

Aus Schutz vor Betrug sind die in der Schweiz gewählten Kartenlimiten beispielsweise für Länder in Südostasien und Südamerika eingeschränkt. Führt Ihr Reiseziel dorthin, braucht es eine zeitlich begrenzte Anpassung und Freischaltung der Kartenlimite über die Bank. Dies können Sie über das E-Banking oder über Ihren Bankberater regeln.

Barbezüge am Bancomaten (ATM = Automated Teller Machine)

Kunden sollen sich so gut es geht schützen. Vermeiden Sie, wenn möglich, Barbezüge im Ausland. Das Risiko eines Raubes durch Ablenkung oder Gewalt wird so vermieden. Wenn ein Barbezug dennoch nötig ist, tätigen Sie diesen nicht an versteckten oder unübersichtlichen Orten, sondern am besten bei einer Bank.

Bevor Sie die Karte einführen, nehmen Sie den Automaten gut in Augenschein und überprüfen Sie, ob Teile angeklebt worden sind. Automaten, die mit einem «Skimmingmodul» gegen Datenklau geschützt sind, haben einen grün beleuchtenden Kartenleser. Bei der Eingabe des PIN-Code decken Sie bitte die Tastatur ab, um so, die freie Sicht zu verhindern.

Barbezug Fremdwährung am Bancomaten

Aufgrund der starken Schweizerfranken-Währung lohnt es sich, den Bezug am Automaten gegen die einheimische Währung abrechnen zu lassen, um so den optimalen Wechselkurs zu erhalten. Das Dilemma: Pro Bezug werden Spesen berechnet, aber grössere Bezüge erhöhen das Risiko eines schmerzhaften Verlustes. (Beraubung. Trickbetrug).

Kreditkarte und Anwendung

Kreditkarten sollten, wenn möglich, nicht für Barbezüge genutzt werden. Setzen Sie diese für Zahlungen im Hotel, Shop oder Restaurant ein. Somit vermeiden Sie Bankspesen und haben die Garantie für den besten Wechselkurs.

Debitkarte mit Kreditkartenfunktion ist KEINE Kreditkarte!

Die Banken haben die Debitkarte, ehemals EC-Karte, mit Kreditkartenfunktionen für Onlinekäufe und Onlinedienste ausgestattet. Diese Karte ist und bleibt aber eine Debitkarte. Das heisst, Sie funktioniert auf Guthabenbasis. Nur eine Kreditkarte arbeitet, wie der Name schon sagt, auf Kreditbasis, auch wenn Barbezüge vielfach direkt zulasten des verbundenen Privatkontos gehen.

Autovermietung

Eine Autovermietung setzt eine Kreditkarte voraus, um die Abdeckung für Unvorhergesehenes zu sichern. Es gilt aber nur eine reguläre Kreditkarte, die den Anforderungen entspricht. Eine Debitkarte mit Kreditkartenfunktion oder eine PrePaid-Kreditkarte wird nicht akzeptiert.

Prüfen Sie bei der Miete eines Autos den Versicherungsschutz. Im Ausland gelten andere Regeln und Gesetze als bei uns in der Schweiz. Die Vermietung bietet immer eine Optimierung gegen Aufpreis an. Prüfen lohnt sich.

Vor dem Urlaub

Ferienzeit ist leider auch Gaunerzeit: Sie sind für längere Zeit abwesend? Das kann für ungebetene Gäste die optimale Gelegenheit sein. Machen Sie ein Foto von jedem Raum und Zimmer und vergessen Sie Kellerabteil und Garage nicht.

Fotografieren Sie zusätzlich seltene und wertvolle Objekte. Laden Sie die Fotos in Ihre Cloud oder auf einen USB-Stick und bewahren Sie diesen extern auf. Diese in wenigen Minuten erstellte Beweislage verbessert sich im Schadenfall erheblich und dies besonders dann, wenn keine Rechnungen mehr vorhanden sind oder auch für ältere oder geerbte Sachen.

Peter Tiggelers aus Herisau schreibt für stgallen24 und mehrere Partnerportale eine monatliche Finanzkolumne. Bild: finanzagentur-tiggelers.ch

Prüfung der gängigen Versicherungen

Bevor Sie Ihren Urlaub antreten, sollten Sie Ihre Privathaftplicht überprüfen: Sind Deckung und Leistungen im Ausland ausreichend? Auch die Hausratversicherung sollte überprüft werden: Genügen die versicherten Beträge für einen einfachen Diebstahl auswärts? Wie sieht es bei einer Beraubung, Verlust von Wertsachen, versicherten Leistungen für Smartphone und E-Bike aus? 

Grundsätzlich gilt: Die Hausratversicherung versichert nach Neuwert und vergessen Sie nicht, auch die Telefonnummer für Notfälle im Ausland zu speichern oder mitzunehmen. Sofort-Hilfe und Unterstützung werden bei einem Diebstahl oder einer Beraubung geleistet.

Auch die Krankenkasse

Überprüfen Sie zudem Ihre versicherten Risiken und die versicherte maximale Höhe der jeweiligen Leistungen. Es gilt im KVG (Obligatorium) und UVG (zum Beispiel SUVA) eine Maximierung für die Behandlungskosten im Ausland.

Das heisst: die medizinischen Kosten für etwa einen Armbruch oder auch eine Not-Operation verursacht durch eine Krankheit in der Schweiz gelten als Basis.

Im Ausland werden die Kosten maximiert: Die Kosten in der Schweiz multipliziert mit Faktor XY ergeben die maximale Vergütung. Für Länder wie die USA reicht dies möglicherweise nicht aus. Eine Erweiterung über eine Zusatzversicherung bieten alle Krankenkassen an.

Reise- und Annulationsversicherung

Die Risiken und Leistungen sind nach Bedarf zu versichern. WICHTIG sind aber die Handlungen im Notfall. Erleichtern Sie sich das Leben und erledigen Sie im Prinzip alles über die Notfallzentrale Ihrer Versicherung.

Ergreifen Sie so gut es geht selbst keine Massnahmen OHNE Rücksprache mit der zuständigen Notfallorganisation Ihrer Versicherungsgesellschaft. Die Zentralen von Notfallorganisationen, wie SOS International, sind in fast jedem Land bestens organisiert.

Sie umgehen Sprachbarrieren, fehlendes Wissen und vor allem die möglicherweise böse Überraschung, wenn die eigenen Massnahmen nach den Ferien, nicht rückerstattet werden.

Die Versicherungen verfügen über Hotelkontingente und Verträge mit Spitälern oder örtlichen Notfallorganisationen, die um ein Vielfaches günstiger und umfangreicher sind als das, was eine einzelne Person in der Not organisieren kann. Darum gilt: «Vermeiden Sie Kummer; wählen sie die Versicherungs-Notfallnummer.»

Notfalldoku erstellen

Erstellen Sie eine persönliche Notfalldokumentation mit persönlichen Daten und Informationen wie beispielsweise über Vorerkrankungen und Medikamente. Ebenso notieren Sie die Daten von Kontaktpersonen zu Hause und vom Hausarzt.

Nehmen Sie Ihre Doku mit in die Ferien und händigen Sie ein Exemplar einer Person Ihres Vertrauens aus. Informieren Sie diese Person auch darüber, wo man Ihre Unterlagen wie Patientenverfügung, Kopie des Organspenderausweis, Familienbüchlein, Ehe- & Erbvertrag und weitere Dokumente finden kann.

Allgemein

Gehen Sie gut vorbereitet in die Ferien. Nicht die Regenjacke oder das Ladekabel sind wirklich wichtig. Bereiten Sie sich gut vor und konzentrieren Sie sich auf die wichtigen Sachen; ein kurzes Telefonat mit Ihrer Krankenkasse, der Bank und mit Ihrem Versicherungsberater oder Ihrer Versicherungsgesellschaft kann sich finanziell für Sie lohnen.

Vermeiden Sie überflüssige Doppelspurigkeiten und machen Sie sich Gedanken über ein gutes «Risikomanagement» was brauche ich und was nicht. Zudem beschäftigen Sie sich schon im Vorfeld mit Ihrem wohlverdienten Urlaub; das ist doch ein schöner Gedanken. Wir wünschen Ihnen gute Erholung, schöne Ferientage und gute Gesundheit. Selbstverständlich stehen wir bei Fragen oder Unklarheiten zur Verfügung.

Peter Tiggelers
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