Eigentlich sollte es ein Porträt werden. Beim gemeinsamen Essen erzählt Patrick Fischer ungefragt von einem gefälschten Covid-Zertifikat. SRF-Journalist Pascal Schmitz recherchiert – kurz darauf folgt die Veröffentlichung. Wenige Tage später ist Fischer seinen Job los.
Juristisch korrekt
Juristisch ist das Vorgehen korrekt. Auch Schmitz betont, er habe «seine Aufgabe als Journalist» erfüllt. Doch die Reaktionen der Fans sind heftig. Über tausend Kommentare werfen SRF vor, die Heim-WM beschädigt zu haben.
Ein Graubereich
Medienexperten ordnen den Fall im «Klein Report» differenziert ein. Journalistisch sei das Vorgehen «legitim». Gleichzeitig zeige der Fall, «wie schmal der Grat zwischen konsequenter Recherche und Vertrauensbruch ist».
Gerade im Schweizer Sportjournalismus sei Nähe Teil der Arbeitskultur. Wer diese Vertrauensbasis verlässt, riskiere, «dass künftig weniger offen gesprochen wird».
Oberlehrer Schmitz
Besonders kritisch wird der öffentliche Auftritt von Schmitz beurteilt. Dieser habe sich in «10 vor 10» «wie eine Mischung aus Oberlehrer und Richter» inszeniert. Formal korrekt – aber nicht zwingend im Sinne von «Anstand, Offenheit und Transparenz».
Es geht um Augenmass
Patrick Fischer hat einen Fehler gemacht. Doch der Fall zeigt auch: Journalismus ist mehr als das Aufdecken von Fehltritten. Es geht ebenso um Augenmass.
Oder, wie es pointiert formuliert wird: Auf dem Eishockeyfeld würde eine solche «Hinterrücks-Mentalität» wohl mit einem harten Check beantwortet.