Home Region Sport Schweiz/Ausland Rubriken Agenda
Schweiz
12.08.2026

Mehr Wölfe, weniger Wolfsrisse

Obwohl immer mehr Wölfe in der Schweiz leben, nehmen die Nutztierrisse in der Halbjahresbilanz deutlich ab. (Symbolbild)
Obwohl immer mehr Wölfe in der Schweiz leben, nehmen die Nutztierrisse in der Halbjahresbilanz deutlich ab. (Symbolbild) Bild: naturschutz.ch / Pexels, Caden Van Cleave
In der Schweiz leben aktuell bis zu 46 Wolfsrudel – Tendenz steigend. Mit mehr Wölfen müsste auch die Zahl der gerissenen Nutztiere steigen. Doch neuste Zahlen zeigen das Gegenteil.

In der Schweiz leben aktuell gemäss naturschutz.ch bis zu 46 Wolfsrudel, und jedes Jahr kommen weitere hinzu. Trotzdem steigt die Zahl der gerissenen Nutztiere nicht – im Gegenteil. Eine Auswertung öffentlich zugänglicher Daten durch die Gruppe Wolf Schweiz zeigt, dass die Wolfsrisse in den meisten Kantonen mit Wolfsrudeln deutlich zurückgegangen sind.

In diesen Kantonen liegen die Risszahlen aktuell bei weniger als der Hälfte des Wertes zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Dabei waren die Zahlen bereits 2025 tiefer als in früheren Jahren. Besonders deutlich ist der Rückgang gemäss naturschutz.ch in Graubünden und Waadt. Selbst im Wallis, das weiterhin die meisten Wolfsrisse verzeichnet, liegen die Zahlen auf dem tiefsten Stand seit mindestens sechs Jahren.

Rückgang in fast allen Kantonen

In Graubünden wurden bis Ende Juli 2025 insgesamt 67 Nutztiere von Wölfen getötet. Im laufenden Jahr waren es bisher 29 – weniger als halb so viele. Noch ausgeprägter ist die Entwicklung im Kanton Waadt: Dort sank die Zahl von 114 gerissenen Nutztieren bis Ende Juli 2025 auf bisher fünf im laufenden Jahr.

In Obwalden und Schwyz wurden bisher gar keine Nutztiere gerissen. Glarus verzeichnet einen Riss, St.Gallen zwei. Einzig in Neuenburg ist auf tiefem Niveau eine Zunahme festzustellen. Für das Tessin sind keine Aussagen möglich, da der Kanton derzeit keine vollständigen Daten für das laufende Jahr publiziert.

Auffällige Unterschiede im Wallis

Das Wallis bleibt Spitzenreiter bei den Wolfsrissen. Auffällig sind jedoch die grossen Unterschiede zwischen Ober- und Unterwallis. Während in weiten Teilen des Oberwallis Risse auftreten, wurden im gesamten Unterwallis im laufenden Jahr lediglich zwei bestätigte Angriffe registriert.

Bemerkenswert ist dies vor allem mit Blick auf die Wolfsbestände: Im Unterwallis leben mit rund acht Rudeln deutlich mehr als im Oberwallis mit etwa drei bis fünf. Die Zahl der Wölfe allein scheint das Rissgeschehen somit nicht zu bestimmen. Eine wichtige Rolle dürfte die unterschiedliche Art der Nutztierhaltung und des Herdenschutzes spielen.

Auch Abschüsse können die Unterschiede zwischen den beiden Kantonsteilen kaum erklären. Im vergangenen Herbst und Winter wurden sowohl im Ober- als auch im Unterwallis Wölfe präventiv reguliert. Einzelabschüsse erfolgten im Oberwallis sogar deutlich häufiger.

Die Daten für diese Tabelle entstammen den öffentlich publizierten Daten der Kantone. Der Kanton Tessin hat aktuell keine Daten des gesamten laufenden Jahres publiziert. Bild: Gruppe Wolf Schweiz

Verstärkter Herdenschutz zeigt Wirkung

Der Rückgang der Wolfsrisse dürfte in erster Linie mit dem verstärkten Herdenschutz zusammenhängen. Bereits seit 2023 sinken die Risszahlen, obwohl der Wolfsbestand gleichzeitig weiter gewachsen ist. Parallel dazu wurden die Schutzmassnahmen für Nutztiere kontinuierlich verbessert.

Abschüsse können das Rissgeschehen lokal und vorübergehend beeinflussen. So dürfte etwa die starke Regulierung des Rudels am Mont Tendre zum deutlichen Rückgang im Kanton Waadt beigetragen haben. Eine grossräumige und längerfristige Abnahme der Wolfsrisse lässt sich damit jedoch nicht allein erklären. Schliesslich gehen die Risszahlen auch in Gebieten zurück, in denen keine Wölfe abgeschossen wurden.

> mehr Infos

Zürioberland24/bt / Redaktion Linth24
Demnächst