Wasserverbrauch steigt – Reserven sinken
Die Wasserversorgung in der Region läuft derzeit auf hohem Niveau. Am 4. August lieferte die Gruppenwasserversorgung Zürcher Oberland AG (GWVZO) insgesamt 34’711 Kubikmeter Trinkwasser aus – der höchste Tageswert dieses Sommers. Die betriebliche kritische Marke liegt bei rund 37’000 Kubikmetern. Von einer unmittelbar drohenden Wasserknappheit kann dennoch nicht gesprochen werden. Je näher der Verbrauch jedoch an diese Marke kommt, desto kleiner werden die betrieblichen Reserven. Eine technische Störung könnte dann schneller zum Problem werden.
Der Wasserverbrauch steigt
Auch Rapperswil-Jona benötigt derzeit deutlich mehr Wasser. Im Juli bezog die Stadt durchschnittlich rund 5000 Kubikmeter täglich aus dem GWVZO-Netz. In der letzten Juliwoche waren es bereits rund 5500 Kubikmeter. Der höchste Tagesbezug im Juli lag bei 6243 Kubikmetern. Rund 55 Prozent des gesamten Wasserbezugs der Stadt stammten im Juli aus dem über die GWVZO beschafften Seewasser. Die restlichen 45 Prozent kamen aus Grundwasservorkommen in Rapperswil-Jona.
Zürichsee ist nicht das Problem
Der aktuell tiefe Wasserstand des Zürichsees schränkt die Wassergewinnung nicht ein. Das Seewasser wird vor Stäfa und Männedorf in rund 40 Metern Tiefe entnommen. Entscheidend für die Belastung des Systems ist deshalb nicht der Pegel des Sees, sondern der gleichzeitig hohe Bedarf der angeschlossenen Wasserversorgungen. Das regionale Versorgungssystem verfügt über verschiedene Leitungen, Reservoirs und Redundanzen. Die Versorgungssicherheit ist grundsätzlich gewährleistet. Bei sehr hohem Verbrauch bleibt jedoch weniger Spielraum.
Sparappelle treffen auf Realität
Genau hier stellt sich die Frage, wie wirksam Sparappelle tatsächlich sind. Der «Blick» hat sich mit der Situation in verschiedenen Schweizer Gemeinden beschäftigt und kommt zum ernüchternden Schluss: Vielerorts ist bisher kaum eine Wirkung der Sparappelle festzustellen. Ein im Artikel zitierter Gemeinderat bringt das Problem auf den Punkt: «Solange der Nachbar wässert, kann ich das auch.» Eine ziemlich menschliche Logik – aber für den Wasserverbrauch eine schlechte.
Auch Rapperswil-Jona fliesst der Gartenschlauch
Die beiden Fotos zeigen eine kleine Wiese mit einem Baum, die trotz der aktuellen Trockenheit bewässert wird. Es geht dabei nicht um die Wassermenge einer einzelnen Grünfläche. Es geht um die Botschaft: Wenn zum Wassersparen aufgerufen wird, aber gleichzeitig sichtbar bewässert wird, verliert der Appell an Glaubwürdigkeit.
Noch ist kein Alarm angesagt
Die Situation ist beherrschbar. Das Wasser wird nicht knapp, und die Versorgung ist gewährleistet. Die Zahlen zeigen aber, wie stark der regionale Verbund in trockenen Sommern beansprucht wird. Mehr als jeder zweite Kubikmeter Wasser, den Rapperswil-Jona im Juli bezog, kam aus dem Zürichsee. Gleichzeitig nähert sich der Gesamtverbrauch der GWVZO der kritischen betrieblichen Marke. Wassersparen beginnt deshalb nicht erst, wenn der Hahn trocken bleibt. Es beginnt bei den kleinen Entscheidungen im Alltag. Auch bei der Frage, ob eine kleine Wiese mitten in einer Trockenperiode wirklich bewässert werden muss.