Medien 3: Die Politik stochert im Nebel
Alle fünf Jahre verbuttert der Bund 1 Milliarde Franken in die Medienförderung. Gebracht hat es nichts. In den letzten 25 Jahren strichen 150 Lokalzeitungen die Segel.
Kontraproduktive Förderung
Die heutigen Mediensubventionen schaden mehr als sie nützen. Die jährlich mit 112 Millionen Franken subventionierten privaten Radio- und TV-Sender in Randregionen tragen mit ihren schwachen Nutzerzahlen wenig zur politischen Meinungsbildung bei. Dasselbe gilt für die mit 20 Millionen mitfinanzierte Mitgliedschafts- und Stiftungspresse. Und die mit 65 Millionen Franken jährlich vom Staat gesponserten Zeitungen erreichen in ihrem Gebiet meist nicht mehr als einen Fünftel der Haushalte.
Profiteure dieses Geldsegen sind fast durchwegs die arrivierten Grossverlage, welche die lokalen Konkurrenten reihenweise aufkauften. Damit sicherten sie ihre Monopole ab und verhindern zugleich die so dringend nötige Medienvielfalt.
«Digitales Medienzeitalter»
Obwohl Medien für die Demokratie wichtig sind, stochert die Politik ratlos im Nebel – und lässt sich vom Verleger-Lobbying bezirzen. In manchen Kantonen werden Zeitungsabos subventioniert, in anderen sind es direkte Zuwendungen an Verlage.
Aktuell ist auch die St. Galler Regierung am Werkeln. Sie will den Zeitungen «den Übergang ins digital geprägte Medienzeitalter fördern» und damit erreichen, dass die Verleger im Internet – wörtlich: «Tragfähige Geschäftsmodelle aufbauen».
Nicht nur St. Gallen hofft
Nicht nur die St. Galler Regierung hofft auf erfolgreiche Lokalmedien im Internet. Nur: Dieses Geschäftsmodell gibt es quer durch die Schweiz mit Aufnahme in linken grossstädtischen Blasen nirgends – oder nur mit Sponsoren. Der Werbe- und Aboertrag für Internetmedien ist zu klein, um dauerhaft erfolgreiche Lokalmedien zu etablieren.
Schon national sind für Online-Medien kaum Abonnenten zu gewinnen – verschwiegen lokal. Und setzt ein lokales Online-Medium trotzdem auf das Abonnement, verliert es an Reichweite, an Lesern und an Bedeutung.
Lokalmedien stützen
Dieselbe Misere zeigt sich bei der Werbung. Mittlerweile wissen es alle Verleger, lokale Redaktion ist mit der tiefpreisigen Werbung im Internet kaum zu finanzieren. Es wird darauf hinauslaufen, dass lokale Medien von den Gemeinden, den Kantonen und dem Bund gestützt werden müssen – oder es gibt sie, zu Lasten der Demokratie, nicht mehr.
Morgen beschreibt Linth24 in Teil 4, wie die Gemeinden auf Kosten ihrer Bürger zu Verlegern wurden.