Führung durch Kulturwissenschaftler Peter Röllin
Die bei schönstem Wetter durchgeführte und ausgebuchte Veranstaltung in Rapperswil-Jona wurde von Gabriele Kerschbaumer organisiert und stand unter der fachkundigen Führung des Kultur- und Kunstwissenschaftlers Peter Röllin.
Auf den Spuren des vom Gaisrain an der Jona bereits im 13. Jahrhundert in die Rapperswiler Altstadt geführten Stadtbachs entwickelten sich auf dem Gang vom Kunst(Zeug)Haus über die Textilareale Spinnereistrasse-Vogelau bis zum Braendlinweiher unter den anwesenden Gästen interessante Gespräche. Erst 1412 ging das von den Habsburgern verwaltete Nutzungsrecht des Stadtbaches an die Stadt Rapperswil. Am mittelalterlichen Stadtkanal entwickelten sich Mühlen, Hammerschmieden, Färbereien und Sägereien. Hölzerne Teucheln (vor der Verwendung gewässert im «Teuchelweiher», der heutigen Tüchi) versorgten Brunnen und Gewerbe mit Wasser. Mit dem um 1800 breit aufgekommenen Baumwollhandel entstanden am alten Stadtbach sowie an neuangelegten Kanalsystemen wichtige Spinnereien. Der Wattwiler Baumwollhändler Christian Näf setzte 1803 mit seiner mechanischen Spinnerei an der Spinnereistrasse den Anfang. Ihm folgten rasch die Gebrüder Braendlin und etwas später die Unternehmer Hürlimann aus Richterswil. Die rasant anwachsende Produktion von Baumwollstoffen setzte eine verstärkte Zufuhr von Wasser voraus. Die Wasserfassung im Hackennest an der Jona und die Zuleitung dieses Wassers durch einen 200 m langen Tunnel unter dem Aspwald zum 1832 angelegten Braendlinweiher sicherte den Braendlin-Spinnereien die nötige Wasserkraft. Mit der Schliessung der Spinnerei Braendlin 1993 endete die lokale Textilindustrie.
Bis zum 21. Juni ist im Ausstellungsraum der Alten Fabrik in Rapperswil die sehr bemerkenswerte Schau «Minerva II: Works and Days. The Fabrics of Power» zu sehen. Industriegewässer und Textilfabriken in Rapperswil-Jona und dem Glarnerland sind dort ebenfalls zentrale Themen.
Bilanz für Organisatorin positiv
Gabriele Kerschbaumer, ehrenamtliche Organisatorin des «Jane Walking» in Rapperswil, zieht eine positive Bilanz und blickt mit Vorfreude bereits auf das nächste Jahr: Am ersten Maiwochenende möchte sie wieder einen Stadtspaziergang à la Jane Jacobs mit der Bevölkerung durchführen.