Home Region Sport Schweiz/Ausland Rubriken Agenda
Gast-Kommentar
Kolumne
30.04.2026
30.04.2026 09:28 Uhr

Spendensammlungen im öffentlichen Raum – worauf ist zu achten?

Sarah Parrini: «Transparenz schafft Vertrauen – auch bei Spendensammlungen.»
Sarah Parrini: «Transparenz schafft Vertrauen – auch bei Spendensammlungen.» Bild: zVg
Anwältin Sarah Parrini schreibt in ihrer Kolumne «recht einfach» über die Stolpersteine bei Spendensammlungen im öffentlichen Raum.

Mit den ersten warmen Frühlingstagen kehren sie zurück ins Strassenbild: engagierte junge Menschen, die im Namen von Hilfsorganisationen um Spenden bitten. Ob in Fussgängerzonen, vor Bahnhöfen oder auf öffentlichen Plätzen – die direkte Ansprache gehört für viele Organisationen zu den wichtigsten Formen der Mittelbeschaffung. Doch nicht jede Sammlung verläuft so transparent, wie man es sich wünschen würde.

Wie funktionieren solche Spendensammlungen?

Häufig wird man freundlich angesprochen und in ein Gespräch verwickelt. Ziel ist es, eine regelmässige Spende zu vereinbaren – meist über ein Lastschriftverfahren. Bargeld wird in der Regel keines mehr verlangt. Stattdessen soll direkt vor Ort ein Formular ausgefüllt oder eine digitale Anmeldung vorgenommen werden. Der Vorteil für die Organisation liegt auf der Hand: wiederkehrende Einnahmen und planbare Unterstützung.

Wo liegen die rechtlichen Stolpersteine?

Problematisch wird es, wenn der Druck im Gespräch steigt oder wesentliche Informationen unklar bleiben. Nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, für welche Organisation tatsächlich gesammelt wird oder welche Verpflichtungen man eingeht. Rechtlich handelt es sich bei solchen Vereinbarungen um Verträge, die grundsätzlich verbindlich sind.

Allerdings gilt: Wurde man überrumpelt oder ungenügend informiert, kann unter Umständen ein Widerruf möglich sein. Insbesondere bei Haustür- oder ähnlichen Situationen sieht das Gesetz gewisse Schutzmechanismen vor. Auch Täuschung oder irreführende Angaben können dazu führen, dass ein Vertrag angefochten werden kann.

Was sollten Passantinnen und Passanten beachten?

Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten und sich nicht zu einer sofortigen Unterschrift drängen zu lassen. Seriöse Organisationen geben transparent Auskunft über ihre Tätigkeit, die Verwendung der Spendengelder und die genauen Vertragsbedingungen. Wer unsicher ist, kann Informationsmaterial verlangen oder sich später in Ruhe informieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Prüfen Sie genau, ob Sie eine einmalige oder eine wiederkehrende Zahlung vereinbaren. Gerade bei Lastschriftverfahren wird oft eine längerfristige Unterstützung abgeschlossen, die aktiv gekündigt werden muss.

Fazit

Spendensammlungen erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Gleichzeitig ist ein wachsames Auge gefragt. Wer informiert entscheidet, spendet bewusster – und stellt sicher, dass die Unterstützung auch dort ankommt, wo sie tatsächlich gebraucht wird.

In der lose erscheinenden Kolumne «recht einfach» beleuchten die beiden Rechtsanwältinnen & Notarinnen der Rapperswiler Anwaltskanzlei Rosenhof Legal – Sarah Parrini und Dagmar Dörig – rechtliche Fragen aus dem gesellschaftlichen Alltag.

Sarah Parrini
Demnächst