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Rapperswil-Jona
28.03.2026
28.03.2026 10:40 Uhr

Fernwärme: Und sie wollen es einfach nicht glauben

Fernwärmeabbruch-Kritiker Michael Rüegg (GLP) – oben – und Ivo Reichenbach (Die Mitte).
Fernwärmeabbruch-Kritiker Michael Rüegg (GLP) – oben – und Ivo Reichenbach (Die Mitte). Bild: Linth24
GLP, Mitte und die Linth-Zeitung baggern immer noch am Projektabbruch des Fernwärmeprojektes ab KEZO Hinwil bis Rappi herum. Linth24 schafft Klarheit. Kommentar von Bruno Hug

Kurzer Rückblick: Energie Zürichsee Linth (EZL) stoppte letzten Dezember das Rapperswil-Joner Fernwärmeprojekt. Dem Stopp ging im Frühling 2025 eine Neubesetzung des EZL-Verwaltungsrats voraus. Gleich danach befasste sich das 6-köpfige Gremium tiefgreifend mit den Projekt-Risiken des Fernwärmeprojektes und kam zum Schluss, dass es zu hohe Risiken beinhaltet. Sprich, dass es zu einem Finanz-Debakel werden könnte.

Oppositionseifer

Nun kritisierte Ivo Reichenbach (Die Mitte) in einem einseitigen Linth-Zeitungs-Bericht den «späten Projektabbruch». Ins selbe Horn blies auch Michael Rüegg von der GLP, der sagte, die Stadt habe «zu spät reagiert.» Und, die EZL hätte «bereits vor zwei Jahren sagen können, das Risiko für das Projekt sei zu gross.»

Einmal mehr zeigt sich, dass die politischen Parteien der Stadt in ihrem (neuen) Oppositionseifer den neuen Stadtrat für etwas verantwortlich machen wollen, das sie im alten Stadtrat selbst mitgetragen oder gar mitverursacht haben.

Reichenbach und Rüegg

Reichenbach, selbst Chef eines Energieunternehmens, hätte sich bei der Stadt als Parteipräsident schon vor Jahren melden oder seinem Mitte-Stadtrat mitteilen können, das Fernwärmeprojekt sei abzubrechen. Aber das tat er nicht.
Desgleichen GLP-Präsident Rüegg. Sein GLP-Stadtrat Boris Meier sass bis Frühjahr 2025 sogar im Verwaltungsrat der EZL. Auch er hätte die Reissleine früher ziehen können. Doch auch er tat das nicht. Im Gegenteil, er war sogar bereit, den Bürgern der Stadt das Fernwärme-Risiko aufzuhalsen.

Unternehmensinteressen?

Weiter reklamieren die beiden, der neu im EZL-Verwaltungsrat einsitzende Stadtrat Joe Kunz habe zu stark die Interessen der EZL vertreten.
Dazu erstens: Der Stadt-Vertreter im EZL-Verwaltungsrat muss sich, wie es das Obligationenrecht vorschreibt, für die EZL einsetzen, ansonsten er fahrlässig handelt. Das ist in jedem Verwaltungsrats-Leitfaden in Lektion 1 nachzulesen.
Zweitens: Der Stadt-Vertreter kann im EZL selbstverständlich auch die Stadt im Auge haben. Und das tat Stadtrat Kunz offenbar, indem er die Rapperswil-Joner vor dem Finanzabenteuer mit der Fernwärme verschonte. (Siehe Bericht «Der grosse Exodus» von Linth24 hier.)

Es fehlte nur noch…

Und drittens: Es kommt einem Wunder gleich, dass die beiden Parteipräsidenten nicht noch forderten, die Stadt hätte das Fernwärmeprojekt mit z.B. 30 Millionen Franken mitfinanzieren müssen, obwohl sie drei Monate zuvor den Stadtrat an einer Bürgerversammlung lautstark zum Sparen aufforderten. 

Vorschläge von GLP und Mitte?

Obendrein stellt Reichenbach noch die kühne Frage in den Raum, ob EZL und Stadt gar nicht wollten, dass das Fernwärmeprojekt durch (irgendwelche) Dritte finanziert werde. 
Mit dieser letztlich bösartigen Unterstellung legt der Mitte-Präsident höchstens ein Zeugnis für sein eigenes Denken ab.

Netto-Null?

Zum Schluss forderte der Mitte-Präsident noch, der Stadtrat müsse nun vorlegen, wie er nach dem Fernwärme-Aus den Klima-Artikel Netto-Null CO2 im Gemeindegesetz einhalten wolle? 
Gegenfrage: Wie wärs, wenn GLP und Mitte als Energiefachleute der Bürgerversammlung selbst Vorschläge unterbreiten? Und noch eine Anschlussfrage: Gehört ein Netto-Null-Ziel wirklich in ein Gemeindegesetz – und was hat dieses Rapperswil-Jona bis jetzt gekostet und was hat es dem Weltklima gebracht?  

Bruno Hug, Linth24
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