Fernwärme: «Der grosse Exodus»
Der Verein Bürgerforum Freienbach will den Bezirk Höfe zum Fernwärme-Ausstieg bewegen und hat dazu eine sehr umfassende, fundierte Dokumentation erstellt.
Zentrale Bedeutung?
Einfacher machen es sich die Parteipräsidien von SP (Susann Helbling), Die Mitte (Ivo Reichenbach), GLP (Michael Rüegg) und Grüne (Klaus Baumann). Sie teilten kürzlich ohne sachliche Begründung mit, sie seien über das Fernwärme-Aus «enttäuscht» und «besorgt». Die Fernwärme sei für die Klimastrategie» von Rapperswil-Jona «von zentraler Bedeutung».
Bekannte Antworten
Und weil Stadtrat Joe Kunz im 6-köpfigen Verwaltungsrat der Energie Zürichsee Linth AG (EZL) sitzt, stellen die Parteien Fragen an den Stadtrat – und nicht etwa, wie es richtig wäre, an die EZL.
Sie verlangen vom Stadtrat Antworten «zur Wirtschaftlichkeit des Projekts» und zu den «Ausstiegsgrundlagen». Also Fragen, die die EZL letzten Dezember beantwortet hat: Fernwärme von der KEZO Hinwil lässt sich für Rapperswil-Jona nicht rechnen.
Gibt es Haue?
Zudem «erwarten» die vier Parteien vom Stadttrat Aussagen dazu, wie die Stadt ohne Fernwärme das «Klimaziel» null CO₂ bis 2040 erreiche. (Schafft der Stadtrat das nicht, gibt es von den genannten Parteien wohl Haue!)
Fragen zum Klimaziel
Obwohl auch ich besorgt bin über den Klimawandel, meine ich, müssten zu Rapperswil-Jonas «Klimaziel» auch einmal andere Fragen gestellt werden dürfen. Zum Beispiel:
1. Kann ermittelt werden, was der Klima-Artikel im Gemeindegesetz die Stadt bis jetzt gekostet hat? (Gerade für die GLP und Die Mitte, die vom Stadtrat letzten Dezember lautstark Sparrunden verlangten, müsste das von Interesse sein.)
2. Kann abgeschätzt werden, was der Klima-Artikel die Stadt bis zur Erreichung des Klimaziels kostet?
3. Welche Auswirkungen hätte das Erreichen auf die Schweiz und die Welt?
4. Gehört der Klima-Artikel überhaupt ins Gemeindegesetz? (Ein Gedankenspiel: Könnten z.B. auch alle Sportler fordern, im Gemeindegesetz sei zu verankern, dass bei jeder städtischen Ausgabe auch der Sport gefördert werden muss?)
Rundum in der Kritik
Zurück zur Fernwärme. Solche Projekte stehen rundum in der Kritik, werden abgebrochen, oder die Gemeinden bluten. Das zeigt der Bericht des Bürgerforums Freienbach knallhart auf. Linth24 fasst ihn zusammen. (Ganzer Bericht als PDF am Berichtsende).
Der grosse Exodus
Das Bürgerforum zeigt die Probleme rund um die Fernwärme auf.
Die Risiken auf einen Blick
Bei Fernwärmelösungen entsteht eine Monopolstellung der Energielieferanten, die meist private Unternehmen sind. Wer sich an deren Netz anschliesst, ist darin «gefangen». Ein Ausstieg ist kaum möglich oder sehr teuer. Die Energiepreise sind meist nicht konkurrenzfähig – und kaum kontrollierbar. Es entsteht ein «zentralistischer Eingriff in die Marktfreiheit» mit «Anschluss- und Ausbau-Zwang, hohen Netzkosten und finanziellen Risiken». Kritisiert wird auch «die Alterung und Reparaturanfälligkeit von Leitungen und die schlechte Energie-Effizienz».
Linth24 fasst folgend die genannten Problem-Projekte zusammen.
Bubikon
Der Gemeinderat Bubikon stieg aus dem Projekt «Fernwärme Zürcher Oberland» aus. Grund: Die «hohe finanzielle Belastung für die Gemeinde in Kombination mit sehr beschränktem Nutzen».
Eschenbach
Eschenbach hatte für Fernwärme-Leitungen schon 2 Millionen verbraucht. Gemeindepräsident Cornel Aerne sagte: Beim Start sei das Risiko «als minim erschienen». Nun zeige sich, dass die Investitionskosten «deutlich überschritten werden». Energiepreise müssten erhöht werden, womit die Fernwärme nicht mehr marktfähig wäre. Das Projekt wurde abgebrochen.
Gossau ZH
Der Gemeinderat Gossau stieg aus dem Fernwärmeprojekt aus, weil das «Kosten-Nutzen-Verhältnis» zu schlecht sei.
Rapperswil-Jona
Die Energie Zürichsee Linth AG (EZL) teilte am 9.12.2025 mit, das Projekt Fernwärme rechne sich nicht. Grund: «30% höhere Energiekosten für die Endverbraucher und geringes Interesse an privaten Anschlüssen». Die KEZO liess zeitgleich wissen, sie könne die Fernwärme andernorts einsetzen – womit die Energie nicht verloren sei.
Rüti und Dürnten
Aus demselben finanziellen Grund stiegen Rüti und Dürnten aus dem Fernwärmeprojekt aus.
Stäfa
Stäfa stieg aus, weil «die Grosskunden als Rückgrat des Wärmeverbunds gefehlt hätten». Für das fertig geplante Projekt von 500 Anschluss-Kunden konnten nur 30 Haushalte gewonnen werden.
Uster
Uster stieg aus dem Fernwärmeprojekt «wegen fehlender Nachfrage» aus. Usters Fazit: «Keine konkurrenzfähigen Energiepreise für Endkunden».
Uznach, Schmerikon
Der Energieverbund Uznach-Schmerikon war gemäss Vorprojekt «chancenlos». Zudem wurde mit der EZL ein Wärmeverbund mit Wasser aus der Linth geprüft, das mit Gasheizungen hätte ergänzt werden müssen. Das Projekt zeigte: «Kosten und Abhängigkeit zu hoch».
Zollikon
Zollikon stieg aus seinen Fernwärmeprojekten aus. Grund: «Es schliesst sich kein Kunde an ein Fernwärmenetz an, wenn er dafür im Vergleich zu anderen Lösungen mehr bezahlen muss.»
Bern
Bern will sein Fernwärmenetz ausbauen. Doch es klemmt: Gebäudebesitzer machen nur Anschlusszusagen, wenn sie sicher sein können, dass das Netz auch tatsächlich gebaut wird. Aber der Ausbau rechnet sich nur bei genügend Anschlüssen. Die Folge: Die Stadt Bern muss die Risiken tragen: Die Fernwärmetarife wurden 2023 und 2024 um je 15 % erhöht.
Stein am Rhein
Trotz grosser Finanzierungslücke plante Stein am Rhein, seinen Wärmeverbund auszubauen. Die Wirtschaftlichkeit der Anlage ist jedoch problematisch: Das Defizit stieg in drei Jahren auf 200’000 Franken, und das für nur 60 Liegenschaften.
Riggisberg BE
Riggisberg verlor mit dem Fernwärmeprojekt 2,75 Millionen Franken. Die Anlagen wurden zu hoch bewertet. Nun muss die Bevölkerung den Verlust tragen und 4,5 Millionen Franken einschiessen. Ohne Steuerzahler müsste die Energieversorgung Riggisberg Konkurs anmelden.
Weitere Infos: buergerforum-freienbach.ch/?op=themen&id=16.