Die Carbonleiter erobert still und leise die Rettungsdienste in der Schweiz. Mehr als 150 dieser spezialangefertigten Leitern sind heute in 16 Kantonen im Einsatz. Bei Schutz & Rettung Zürich sind sogar fast alle Einsatzfahrzeuge, auch die am Flughafen, damit ausgerüstet.
200 statt 20 Leitern pro Jahr
Bisher wurden nur rund 20 dieser Leitern pro Jahr bei der auf Feuerwehrfahrzeuge spezialisierten Carrosserie Rusterholz in Richterswil in Handarbeit konstruiert.
Seit Kurzem kann die «Carbon Rescue Tool» genannte Carbonleiter in einer für die Serienfertigung optimierten Geometrie und Technologie produziert werden. Ein Team des Fachbereichs Faserverbundtechnik um OST-Professor Gion Barandun hat die bisherige Einzelfertigung zusammen mit der Carrosserie Rusterholz zur Serienfertigung weiterentwickelt. «Dadurch können wir die Produktion von bisher 20 auf 100 oder auch 200 Carbonleitern pro Jahr erhöhen», sagt Beat Sallenbach, Geschäftsführer der Swiss Rescue Innovation GmbH, die die Leiter vertreibt. Auf der Basis von zwei durch die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung Innosuisse finanzierten Forschungsprojekten hatte er den Grundstein für die Serienfertigung gelegt.
Eine der ersten Serien-Leitern ist auf einem neuen Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Rapperswil-Jona zu finden. Für den Ressortleiter Sicherheit und Kommandanten, Roland Meier, war die Anschaffung ein wichtiger Schritt für die städtische Feuerwehr: «Wir schauen als Feuerwehr in die Zukunft und dort ist die Situation so, dass wir mit immer weniger Leuten arbeiten müssen. Entsprechend müssen wir über die Technik jede Chance nutzen, unseren Auftrag trotzdem erfüllen zu können.» Die Leiter sei dafür ein wichtiges Puzzlestück, weil sie leichter, schneller transportierbar und mit weniger Leuten aufstellbar ist.
Wirklich schnelle Rettungseinsätze erlaubt ausserdem ein weiteres Detail. «Wir haben die Carbonleiter zusammen mit dem kompletten Fahrzeug bei der Carrosserie Rusterholz bestellt, weil das Gesamtsystem weitere Vorteile hat. Unter anderem einen automatischen Lift für die Leiter, der uns nochmal mindestens zwei Minuten spart, weil man sie nicht händisch vom Dach nehmen muss, sondern direkt damit losrennen kann», so Meier.