CVP als «Die Mitte»: Reaktionen aus dem Linthgebiet
Das Präsidium der CVP Schweiz will mit der Partei den Aufbruch eine neue Zukunft wagen: unter dem neuen Namen «Die Mitte», mit verändertem Logo und vereint mit der BDP. Die eigene Parteibasis sprach sich in der Urabstimmung klar dafür aus. Kürzlich gaben sowohl die BDP- wie auch die CVP-Delegierten auf nationaler Ebene grünes Licht.
In den Kantonen dürfen die Kantonalparteien selber entscheiden, unter welchem Namen sie künftig auftreten wollen. So will z.B. die CVP Oberwallis den alten Namen behalten.
Im Kanton St.Gallen fällt der Entscheid Mitte 2021. Zumindest im Linthgebiet hätte der neue Name «Die Mitte» keine schlechten Chancen, wie eine Linth24-Umfrage bei zwölf regionalen CVP-VertreterInnen zeigt. Gleichzeitig wird bei der Auswertung deutlich, dass manche Aspekte des neuen Parteiauftritts durchaus zu reden geben.
Teils leise Kritik am neuen Namen «Die Mitte»
Der vom Parteipräsidium vorgelegte neue Name «Die Mitte» sorgt noch am ehesten für Kritik. Mehrere CVP-PolitikerInnen hätten etwas «Griffigeres» oder «Knackigeres» bevorzugt. Doch auch für viele dieser KritikerInnen sowie die grosse Mehrheit der Befragten insgesamt steht ausser Frage, dass es für einen Aufbruch auch einen neuen Namen braucht.
Im Vorfeld der parteiinternen Abstimmung warb Ständerat Beni Würth für den Namen «Die Mitte». Das C im alten Namen schrecke offensichtlich viele potenzielle WählerInnen ab, weil diese es immer noch sehr stark mit dem katholischen Milieu verbänden. Obwohl Würth gerne einen griffigeren Namen als «Die Mitte» gesehen hätte, sei es wichtig, dass die Partei nun den Aufbruch mit dem neuen Namen vollziehe.
Voll und ganz hinter dem Namenswechsel mit Ablegung des «C» steht der Ammler Cedric Gmür, Präsident der JCVP Kanton St.Gallen. Er habe beobachtet, dass bei der Nationalratswahl 2019 öfters JCVP-Kandidierende zuerst auf das C angesprochen wurden, bevor sie überhaupt mit jungen Leuten über politische Inhalte diskutieren konnten. Obwohl Mittepolitik wieder im Trend sei, hätten nur sehr wenige Junge JCVP gewählt. Er sehe deshalb im Namenswechsel eine grosse Chance.
Eine Vorfreude auf den neuen Namen empfindet die Benkner Gemeindepräsidentin Heidi Romer, zugleich auch Kantonsrätin. «Die Mitte» stehe losgelöst von einer religiösen Bezeichnung und widerspiegle die bewährte Haltung der Partei, nämlich Konsensfähigkeit und Lösungsorientiertheit. Als Mittepartei übernehme man eine grosse politische Verantwortung gegen aussen und sei oft das «Zünglein an der Waage».
Die Schänner Gemeinderätin Gabi Tremp kann sich mit «Die Mitte» besser identifizieren, da die CVP kein Monopol auf das Christentum habe und sie die Trennung von Staat und Kirche befürworte. Sie findet aber auch, dass ein Namenswechsel nichts ändere, denn schliesslich zählten Köpfe, Ideen und Inhalte. Tremp würde es begrüssen, wenn ihre Partei neue Themen aufgreift und die «Demokratie mit zielführenden Kompromissen weiterbringt». Es brauche eine Partei des Ausgleichs.
Die Freude über «Die Mitte» ist jedoch nicht flächendeckend. So gibt der Uzner Gemeindepräsident Diego Forrer an, dass er die neue Bezeichnung zwar akzeptieren werde, aber als Traditionalist dem Namen CVP schon ein wenig nachtrauere. Doch da die Partei seinen Grundwerten nach vor am besten entspreche, werde er ihr wohl treu bleiben.
Auch für Regina Zweifel, Gemeinderätin in Gommiswald, ist der alte Name CVP wichtig. Sie sei schon so viele Jahre damit verbunden und bedauere es im Moment, den Namen zu wechseln. Doch da sich die Mehrheit, insbesondere die Jungen, den Wechsel wünschten, werde sie sich der Mehrheit anschliessen.
Gemischte Reaktionen aus dem Umfeld auf Umbenennung
Obwohl der Kantonalpartei die Umbenennung erst 2022 bevorstehen dürfte, wollte Linth24 von den befragten CVP-Mitgliedern wissen, ob sie aus ihrem persönlichen oder Partei-Umfeld bereits erste Reaktionen erhalten haben. Die Bandbreite der Antworten reichte von «Null» über «recht gemischt» bis hin zu «ausschliesslich positiv» (letzteres bei Heidi Romer).
Ständerat Beni Würth beobachtete in seinem Umfeld kontroverse Reaktionen zum Namen. Doch wenn man Idee und Zielsetzung des Unterfangens erkläre, dann erhalte man oft grossen Zuspruch.
Von seinen ParteikollegInnen hörte Stadtrat Ueli Dobler aus Rapperswil-Jona nicht nur eitel Freude im Hinblick auf den neuen Namen «Die Mitte». Doch da der Entscheid nun mal gefallen sei, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder man gewöhne sich daran – oder eben nicht...
Die Gommiswaldner Kantonsrätin Franziska Steiner-Kaufmann registrierte mehrheitlich positive Reaktionen zum Namen «Die Mitte». Im Vergleich dazu habe sie bei ihrem CVP-Eintritt mehr kritische Stimmen von aussen gehört. Viele hätten sie damals verwundert gefragt, ob sie denn wegen dem «C» der Partei beigetreten sei.
Bislang ausschliesslich positive Rückmeldungen registrierte Cedric Gmür aus seinem Freundeskreis. Gerade die politisch Interessierten begrüssten den neuen Namen, da sie das C mit Religion und nicht mit politischen Inhalten verbänden. Eine «Junge Mitte» würde zu einer wesentlich attraktiveren Wahloption. Es gebe bereits Interessierte, die bei einer Umbenennung der Jungpartei beitreten werden.
Aufbruch und Öffnung der CVP: breite Zustimmung
Die Einschätzung des Parteipräsidiums, dass die CVP sich öffnen und einen neuen Aufbruch wagen sollte, ist auch im Linthgebiet breit abgestützt, unabhängig von Alter und Geschlecht. Viele der Befragten sehen in der Entwicklung Chancen für die Partei, etwa eine neue Aussenwahrnehmung und die Erschliessung neuer Wählerschichten, und kaum Risiken.
So beurteilen auch langjährige CVP-Mitglieder wie etwa Regina Zweifel, Gemeinderätin in Gommiswald, einen Aufbruch und eine Öffnung grundsätzlich als gute Sache. Sie findet sogar: Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen.
Eine Art Aufbruchstimmung nimmt die Kaltbrunner Gemeindepräsidentin Daniela Brunner wahr. Sie betont, dass ein «Aufbruch» nicht nur in Form einer neuen Bezeichnung stattfinde. Momentan bemerke sie innerhalb der Partei eine Dynamik, mit einer grossen Zahl junger und sehr aktiver Mitglieder, die mit viel Energie unterwegs seien.
Zu den jungen Parteimitgliedern zählt Franziska Steiner-Kaufmann. Auch für sie ist es mit einer Umbenennung der Partei noch nicht getan. Es sei wichtig, dass die Partei weiterhin an ihren Grundwerten festhalte, auch wenn sie ihr Profil schärft.
Steiner-Kaufmann blickt dankbar auf die konstruktive und lösungsorientierte Politik unter dem alten Namen, freut sich aber auch auf einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Partei.
Erfahren Sie morgen im zweiten Teil, wie die CVP-Mitglieder aus dem Linthgebiet das neue Logo der Partei «Die Mitte» beurteilen und was sie vom Zusammenschluss mit der BDP halten.