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17.07.2026
17.07.2026 17:16 Uhr

Klärschlamm-Düngung notgedrungen

Im Silo einer Kläranlage gesammelter und gelagerter Klärschlamm. Seit 2006 darf nicht mehr mit Klärschlamm gedüngt werden. (Symbolbild)
Im Silo einer Kläranlage gesammelter und gelagerter Klärschlamm. Seit 2006 darf nicht mehr mit Klärschlamm gedüngt werden. (Symbolbild) Bild: AS (CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)
In den 80er Jahren mussten Kläranlagen wie jene des Abwasserverbands Altenrhein Lösungen für Klärschlamm finden. Er wurde getrocknet als Dünger verkauft. Seit 2006 ist das verboten.

Ende der 1970er Jahre machte man sich beim Abwasserverband Altenrhein (AVA) Sorgen darüber, wie die stetig anfallenden Mengen an Klärschlamm bewältigt werden könnten.

Zunehmende Skepsis gegenüber Klärschlamm-Düngung

«Auffallend war der markante Rückgang von Landwirten, die Klärschlamm bezogen. Dadurch hatte sich auch die Absatzmöglichkeit um 50 Prozent verringert. Dies war ein deutliches Signal, dass die Landwirtschaft dem Düngen mit Klärschlamm immer kritischer gegenüberstand.»

Das Zitat stammt aus einer Publikation, die der Abwasserverband 2017 zum 50-jährigen Jubiläum herausgab. Im Kapitel «Entwässern, Trocknen und Verwerten des Klärschlamms» wird die Entwicklung bei der Verarbeitung von Klärschlamm geschildert. Aus den Passagen lässt sich herauslesen, wie stark der Betrieb unter Druck stand, neue Absatzmöglichkeiten zu finden.

Dem AVA sei es wichtig gewesen, für die Verwertung und Entsorgung des Klärschlamms künftig über zwei Standbeine zu verfügen. «Um dem sinkenden Image des Klärschlamms in der Landwirtschaft entgegenzuwirken, musste mehr in die Beratung und Aufklärung der abnehmenden Landwirte investiert werden», heisst es in der Publikation.

Dünger für den Gartenbau

1983 wurde eine Trocknungsanlage getestet, die es ermöglichte, den Klärschlamm zu entwässern. Damit erhoffte man sich, «eventuell neue Abnehmer zu gewinnen, die mit ihren Miststreuern den Schlamm ohne Abschwemmverluste ins Ackerland ausbringen könnten».

Der AVA investierte laut Publikation 3,9 Millionen Franken in eine «Gross-Trocknungsanlage». Damit konnten neue Abnehmer beliefert werden. Getrockneter Klärschlamm diente etwa als Brennstoff in der Zementindustrie.

Das Produkt wurde aber auch als Dünger in Säcken für die Landwirtschaft und den Gartenbau verkauft. Dies sei einige Jahre «ein Verkaufsschlager» gewesen. Insbesondere der in grünen Säcken zu 25 Kilo abgefüllte Trockenklärschlamm, angereichert mit Stickstoff und Kali, «lockte mit dem Preis von Fr. 6.- pro Sack viele Käufe an den Selbstbedienungsstand der ARA». In den Jahren 1983 bis 1995 konnten zirka 24'000 Säcke abgesetzt werden.

(Die Auszüge stammen aus der Publikation «Abwasserverband Altenrhein, Betrieb und Weiterentwicklung», Band 2, von Urs Keller und Christoph Egli.)

Keystone-SDA / Redaktion Linth24
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