«Regierung verkennt Ricken-Situation»
Der Leserbrief von Ruedi Rüegg, Verein Zukunft Ricken, im Wortlaut:
«Die St.Galler Regierung hat die Marschrichtung für die Aufwertung der Rickenstrasse zwischen Brändi und Neuhaus dargelegt und kürzlich publiziert. Im Dorf Ricken soll mittels eines ‹Betriebs- und Gestaltungskonzept› die momentan schwierige Verkehrssituation verbessert werden. Die bestehende Strasse soll um bis 1.5m verschmälert und mit einem 3.5m breiten Rad- und Fussweg ergänzt werden. Die enge bauliche Situation lässt einen solchen Ausbau aber gar nicht zu. Die Verkehrsprobleme mit einem solchen Konzept zu lösen ist utopisch und mit Sicherheit nicht zielführend.
Zwei Verkehrsadern fliessen in Ricken zusammen
Das Tiefbauamt und die Regierung verkennen klar die Wichtigkeit der Rickenachse, insbesondere im Bereich des Dorfes Ricken, wo die zwei Adern aus Gommiswald und Rapperswil zusammenkommen. Mit knapp 15'000 Fahrzeugen pro Tag ist die Belastung ähnlich hoch wie in St.Gallenkappel. Bringt man den Quell- und Zielverkehr in Abzug, so kann von einem reinen Durchgangsverkehr von 12'600 Fahrzeugen pro Tag für Ricken, gegenüber 10'200 Fahrzeugen in St.Gallenkappel ausgegangen werden. Die Passage Ricken ist damit klar mehr vom Durchgangsverkehr betroffen als die Ortsdurchfahrt von St.Gallenkappel.
Stellt man dann die Investitionskosten für die Tunnelumfahrung in St.Gallenkappel (sie soll 361.5 Millionen kosten) der «Variante A» für eine Umfahrung von Ricken (296.9 Mio.) gegenüber, dann stellt sich die Frage der Verhältnismässigkeit und die Frage nach den Bewertungskriterien zur Ermittlung der ‹Nutzenpunkte›, bei denen Ricken laut dem Bericht viel schlechter abschneidet.
Müssten nicht Thematiken wie Moorschutz, volkswirtschaftliche Wichtigkeit der Transportachse aber auch der Schutz der Quellgebiete von Wasserversorgungen, mit viel zusätzlichem Gewicht in die Betrachtung einfliessen und so die Notwendigkeit einer tauglichen Lösung auch in Ricken ins Zentrum rücken? Es geht in diesem Streckenbereich nicht in erster Linie nur um die Anwohner, sondern mindestens im gleichen Masse um die Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer und der sensiblen, national geschützten Landschaft.
Tunnelumfahrung Rickens nötig
Ricken braucht eine Umfahrung und aufgrund der umliegenden Schutzgebiete kommt nur eine längere Tunnelvariante in Frage. Verschliessen wir also nicht die Augen, sondern schaffen eine durchgängige und taugliche Lösung, ohne Nadelöhr, für die gesamte Strecke.»