Die Fischotter kommen heim
Aktuell wird der Fischotter in mehreren Regionen der Schweiz wieder vermehrt nachgewiesen. Beobachtungen aus den vergangenen Monaten zeigen Spuren und Sichtungen unter anderem in den Kantonen Solothurn, Glarus, Zürich, Luzern, Graubünden, St.Gallen und Bern. Teilweise wurde dabei auch Nachwuchs festgestellt.
Rückkehr nach Jahrzehnten der Abwesenheit
Vor seiner Rückkehr galt der Fischotter in der Schweiz als verschwunden. Der letzte gesicherte Nachweis stammt aus dem Jahr 1989 vom Neuenburgersee. Zuvor hatte die Art über Jahrzehnte hinweg stark unter Verfolgung, Gewässerverbauung und Verschmutzung gelitten. Besonders problematisch waren dabei langlebige Schadstoffe wie PCB, DDT und Dieldrin, die in den Gewässern und der Nahrungskette nachwirkten.
Obwohl der Fischotter bereits 1952 unter Schutz gestellt wurde und zentrale Ewigkeitschemikalien in den 1980er-Jahren verboten wurden, konnte dies sein Verschwinden damals nicht verhindern.
Wiederbesiedlung aus Nachbarregionen
Seit etwa 2009 ist eine schrittweise Rückkehr des Fischotters zu beobachten. Fachkreise führen dies unter anderem auf die Erholung der Bestände in den Nachbarländern sowie auf verbesserte Schutzmassnahmen entlang der Gewässer zurück. Der Wiedereinwanderungskorridor führte dabei unter anderem über den Inn in Graubünden zurück in Schweizer Gewässer.
Hohe Anforderungen an Lebensraum und Nahrung
Der Fischotter benötigt als Einzelgänger grosse Reviere entlang von Flüssen und Seen und legt dabei bis zu 20 bis 40 Kilometer Uferstrecke zurück. Aufgrund seines energieintensiven Lebensstils muss er täglich einen erheblichen Anteil seines Körpergewichts an Nahrung aufnehmen. Entsprechend ist er stark auf stabile und gesunde Fischbestände angewiesen.
Gleichzeitig gelten viele Schweizer Fischarten als gefährdet. Fachleute weisen darauf hin, dass zwei von drei Arten vom Aussterben bedroht sind. Wo der Fischotter zurückkehrt, führt dies daher auch zu neuen ökologischen Wechselwirkungen im Gewässerraum.
Gewässer als entscheidender Faktor
Naturschutzorganisationen wie Pro Natura weisen darauf hin, dass der Zustand vieler Schweizer Gewässer weiterhin unzureichend ist. Laut gesetzlichen Vorgaben wären jährlich rund 50 Kilometer Gewässerrevitalisierungen vorgesehen, tatsächlich wird jedoch deutlich weniger umgesetzt. Studien beschreiben den Zustand zahlreicher Flüsse und Bäche als schlecht bis kritisch.
Ohne strukturell vielfältige Lebensräume mit Versteckmöglichkeiten für Fische sei ein langfristiges Zusammenleben von Fischotter und Fischbeständen kaum möglich, so die Einschätzung von Fachorganisationen.
Bedeutung von Revitalisierungen
Programme wie «Aktion Biber & Co.» sowie das Projekt «Untendurch» von Pro Natura und Pro Lutra setzen sich deshalb für die ökologische Aufwertung von Gewässern ein. Laut Pro Natura ist es Ziel, Flüsse und Bäche wieder naturnäher zu gestalten und damit sowohl dem Fischotter als auch anderen bedrohten Arten wie Aal, Lachs oder Dohlenkrebs bessere Lebensbedingungen zu bieten.
Ob sich die Rückkehr des Fischotters dauerhaft etabliert, hängt nach Einschätzung von Umweltorganisationen wesentlich davon ab, ob die Schweiz ihre Gewässerrevitalisierungen in den kommenden Jahren deutlich vorantreibt.