Marco Wyss und seine Freundin erreichten den Zug von Solothurn nach Bern in letzter Sekunde. Das Ticket lösten sie direkt nach dem Einsteigen per App – 17 beziehungsweise 32 Sekunden nach der Abfahrt.
Unbarmherzige Kontrolle
Bei einer Kontrolle wenige Minuten später folgte trotzdem die Busse: Wyss musste 130 Franken bezahlen, seine Freundin zunächst 90 Franken. Der Grund: Tickets müssen vor der offiziellen Abfahrtszeit gültig sein.
Kritik an «Sekundenfalle»
Für Wyss ist die Strafe unverhältnismässig. Gegenüber dem «Blick» sagt er, es sei offensichtlich gewesen, dass kein Schwarzfahren beabsichtigt war. Trotzdem hätten die zuständigen Stellen keine Kulanz gezeigt.
Der Regionalverkehr Bern–Solothurn verweist gegenüber «Blick» auf schweizweit einheitliche Regeln. Kontrolleure dürften nicht selbst beurteilen, ob jemand absichtlich ohne Ticket gefahren sei.
Forderung nach mehr Kulanz
Ähnliche Fälle beschäftigen laut Ombudsstelle des öffentlichen Verkehrs regelmässig die Branche. Dort wurde mehrfach angeregt, zumindest im Fernverkehr kurze Toleranzfristen zu prüfen.
Grosse Verluste durch Schwarzfahren
Die öV-Unternehmen argumentieren dagegen mit hohen Verlusten durch Schwarzfahrer. Diese belaufen sich laut Branche auf rund 200 Millionen Franken pro Jahr.