Stimmen aus Herkunft
Die Ausstellung erhielt zusätzliche Tiefe durch Perspektiven, die biografisch und kulturell stark geprägt sind. Die Industriedesignerin Olena Shliundt aus der Ukraine sprach in ihrer Rede von einer Realität, in der Heimat kein stabiler Begriff mehr sei. Design, so ihre Haltung, könne in solchen Zeiten ein Versuch sein, Ordnung in das Ungeordnete zu bringen. Ihre Sicht auf die Werke war geprägt von der Erfahrung von Wandel und Brüchigkeit und gleichzeitig von der Suche nach Form, die Halt gibt, ohne zu erstarren.
Auch der Kurdische Kulturverein Rapperswil-Jona, vertreten durch Fadime Çetinkaya und Çağdaş Açığ, brachte eine klare Perspektive ein. Ihr Beitrag kreiste um Fragen von Sprache, Erinnerung und kultureller Sichtbarkeit. Kunst wurde dabei als Raum beschrieben, in dem Geschichten weitergegeben werden können, die sonst keinen festen Ort haben. Zwischen Herkunft und Gegenwart entstand so ein Spannungsfeld, das die Ausstellung sichtbar erweitert.
Sehen mit anderen Sinnen
Einen weiteren wichtigen Akzent setzte Helen Zimmermann von der Regionalgruppe Zürich des Schweizerischen Blindenbundes. Ihre Perspektive verschob den Blick auf das grundlegend Sinnliche der Ausstellung. Für sie war entscheidend, dass Kunst nicht nur visuell gedacht wird. Materialien, Strukturen und taktile Elemente eröffneten Zugänge, die jenseits des Sehens funktionieren. Der Anspruch, Kunst erfahrbar zu machen, wurde hier sehr konkret. Nicht als Zusatz, sondern als gleichwertige Form der Wahrnehmung. Gerade in diesem Beitrag wurde deutlich, wie konsequent die Ausstellung ihre eigenen Grenzen erweitert.