Sieben Wechsel bei Milchbauern
166 Delegierte aus 9 Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein sowie zahlreiche Gäste trafen sich am Freitag, 10. April 2026, im Gemeindezentrum Mörschwil St.Gallen zur 21. Ordentlichen Delegiertenversammlung der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO). 20 Jahre nach dem Zusammenschluss der Milchverbände St.Gallen-Appenzell und dem Milchverband Winterthur war an der DV jedoch nicht nur Feststimmung zu spüren, die aktuelle Lage am Milchmarkt hinterlässt ihre Spuren.
Für etwa ein Drittel der anwesenden Delegierten war es nach der Neubestellung des Gremiums im letzten Herbst ihre erste Versammlung in der neuen Funktion. In seinen Eröffnungsworten zeigte sich VMMO-Vizepräsident Urs Werder, der die Sitzung leitete, erfreut, dass es gelungen ist, junge motivierte Milchproduzenten für das Amt zu gewinnen und auch dass sich auch immer mehr Milchbäuerinnen in Ämtern innerhalb der Organisation engagieren.
Weniger erfreut äusserte sich Werder darüber, wie sich der Milchmarkt in den letzten Monaten entwickelt hat. Der Milchmarkt, die Politik und die Gesellschaft verändern sich, die Genossenschaft müsse dabei eine aktive Rolle einnehmen, um die Interessen ihrer Mitglieder zu wahren. In den letzten 20 Jahren wurde hierfür ein starkes Fundament gelegt. An der heutigen Versammlung hätten die Wahlberechtigten nun die Möglichkeit, die «nächste Generation» in die Verantwortung zu holen, welche mit Mut und Tatendrang die gemeinsamen Ziele anpacke. Der VMMO-Vizepräsident bedankte sich beim abgetretenen Präsidenten Hanspeter Egli und den sechs verdienten Vorstandsmitgliedern, die sich nicht mehr zur Wiederwahl stellten.
Er verwies auf das erfolgreiche Geschäftsjahr der Genossenschaft. Diese wirtschaftliche Basis ermögliche es, sich wirksam für die Anliegen der Milchbäuerinnen und Milchbauern einzusetzen.
Jahresgewinn von CHF 250'581.-
Die Delegierten folgten dem Antrag der Verwaltung und wiesen den Jahresgewinn von CHF 250'581.- vollumfänglich dem Genossenschaftsvermögen zu. Der Gewinn resultiert hauptsächlich aus dem Liegenschaftsertrag.
Kostenübernahme Beiträge SMP auch für 2025
Ununterbrochen seit 2018 richtet die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost, ihren Mitgliedern 0.1 Rp. pro Kilogramm produzierter Milch als Rückvergütung an die Beiträge SMP aus. Die Delegierten stimmten der Weiterführung dieser Mitgliedervergünstigung einstimmig zu.
Ende April 2026 werden den Mitgliedern insgesamt rund CHF 700'000.- überwiesen.
Finanzierungsbeschlüsse für 2026/2027
Ohne Gegenstimme nahmen die Delegierten die Finanzierungsbeschlüsse 2026/2027 an:
- Finanzierung der Interessenvertretung SMP mit 0.17 Rp., je Kilogramm vermarkteter Milch im Zeitraum vom 01.05.2026 bis 30.04.2027.
- Finanzierung des Basismarketings für Milch und Milchprodukte mit 0.525 Rp. je Kilogramm vermarkteter Milch im Zeitraum vom 01.05.2026 bis 30.04.2027.
- Finanzierung des Basismarketings von Schweizer Käse mit 0.2 Rp. je Kilogramm vermarkteter Milch im Zeitraum vom 01.05.2026 bis 30.04.2027.
Wahlen
Im Vorstand wurden acht Mitglieder wiedergewählt und sechs Mitglieder neugewählt, zudem wurde die Geschäftsprüfungskommission (GPK) bestätigt.
Wiederwahl Vorstand:
- René Alder, Hallau SH
- Marcel Dettling, Oberiberg SZ
- Werner Giezendanner, Teufen AR
- Sepp Neff, Appenzell Enggenhütten AI
- Reto Schaufelberger, Fischenthal ZH
- Stefan Schiesser, Linthal, GL
- Peter Schlauri, Gossau SG
- Urs Werder, Ganterschwil SG
Neuwahl Vorstand:
- Roland Eggenberger, Grabs SG
- Cyril Graf, Davos Frauenkirch GR
- Gabi Mettler, Benken SG
- Thomas Roffler, Grüsch GR
- Vroni Seliner, Schänis SG
- Heiri Tschumper, Wattwil SG
Verabschiedete Vorstandsmitglieder:
- Anton à Porta, Scuol GR
- Adrian Annen, Zug ZG
- Hanspeter Brändle, Libingen SG
- Hanspeter Egli, Trachslau SZ
- Martin Müller-Mächler, Schmerikon SG
- Alfred Preisig, Frümsen SG
- Armin Zimmermann, Cazis GR
Wiederwahl GPK
- Priska Müller-Schwilch, Grüningen ZH
- Bruno Wick, Lenggenwil SG
- David Sigron, Lenzerheide GR
Reto Schaufelberger aus Fischenthal ZH neuer Präsident
Als neuen VMMO-Präsidenten wählten die Delegierten Reto Schaufelberger. Der 42-jährige Milchproduzent aus dem Zürcher Oberland wies darauf hin, dass er einen «ziemlichen Kaltstart» hinlege, und bat um die notwendige Unterstützung. Er werde einige Hindernisse überwinden müssen, sei aber bereit, diese anzugehen. Er wolle nicht, dass jemand die Faust im Sack mache, es sei ihm lieber, wenn er auf eine konstruktive Weise mit dem Anliegen konfrontiert werde.
Schaufelberger stehe heute nicht hier «mit dem Anspruch, alles neu zu erfinden. Und auch nicht mit dem Anspruch, als Einzelner alles besser zu wissen. Ich stehe hier mit Respekt vor dem, was aufgebaut worden ist, und mit der Überzeugung, dass wir gemeinsam viel erreichen können.»
Auf seine Ziele für die Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost angesprochen, skizzierte er einen klaren Plan: «Unsere Kernaufgabe ist der Wissenstransfer in den Bereichen Milchmarkt und Milchproduktion. Mir ist wichtig, dass unsere Mitglieder gut informiert sind und Entwicklungen im Markt und in der Produktion einordnen können. Die politische Interessenvertretung, gute Rahmenbedingungen für unsere Betriebe und die Nähe zu den Mitgliedern sind ebenfalls zentrale Aufgaben.»
Seine Vision für die VMMO sei «eine Genossenschaft, die nah an der Basis bleibt, fachlich stark ist und politisch wirksam auftritt.»
Schaufelberger tritt die Nachfolge von Hanspeter Egli an, der die VMMO während 20 Jahre im Vorstand, davon 13 Jahre als Präsident, massgebend prägte.
Ansprache von Bundesrat Albert Rösti
Bundesrat Albert Rösti – Vorsteher Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) – gratulierte den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost zu ihrem 20-jährigen Bestehen und dem neuen Präsidenten Reto Schaufelberger sowie den neuen Vorstandsmitgliedern zur Wahl. Dass seinerzeit beim Zusammenschluss der Milchverbände St.Gallen-Appenzell und Winterthur die politische Arbeit vom Milchhandel abgetrennt wurde nannte er eine kluge Entscheidung.
Zwar sei das Bundesamt für Landwirtschaft nicht seinem Departement angegliedert, aber auch im UVEK gäbe es viele Schnittstellen, welche die heimische Lebensmittelproduktion tangieren. Konkret nannte er die Bereiche Raumplanung, Energie und Umweltschutz.
Rösti betonte, dass sich der Gesamtbundesrat bewusst ist, dass die inländische Lebensmittelproduktion eine zentrale Rolle für die Ernährungssicherheit einnimmt und dies auch in Zukunft so sein wird. Der eine oder andere Anwesende dürfte bei dieser Aussage eine gewisse Erleichterung verspürt haben, gab es in der Vergangenheit doch auch schon Zeiten, in denen es aus dem Bundesratsgremium anderslautende Stimmen zu vernehmen waren.
Referat Boris Beuret, Präsident Schweizer Milchproduktion (SMP)
Das hervorragende Futterbaujahr 2025 bildet die Grundlage für die grösste Krise im Milchmarkt seit vielen Jahren. Die reichhaltige Ernte führt zu hohen Milcheingängen, was wiederum die Milchpreise stark unter Druck bringt. So erhöhte sich etwa die Verkehrsmilchproduktion im Januar 2026 im Vergleich zum Vergleichsmonat im Vorjahr um satte 7,1%. Als Lichtblick nannte Beuret, dass der weltweite Milchkonsum von Jahr zu Jahr steigt.
«Das hervorragende Futterbaujahr 2025 führt zu hohen Milcheingängen, was wiederum die Milchpreise stark unter Druck bringt»
Innerhalb der Branche wird mit Hochdruck daran gearbeitet, um die richtigen Schlüsse aus der aktuellen Krise zu ziehen, um Instrumente zu schaffen, um in Zukunft für solche Situationen besser gewappnet zu sein.
Auf politischer Ebene werden aktuell gerade die Weichen für die Agrarpolitik der nächsten Jahre gestellt. Diesen Herbst kommt es zur Vernehmlassung, der zukunftsweisenden AP 2030+. Der Präsident der Schweizer Milchproduzenten erinnerte die Politik daran, dass sie mit der von beiden Räten angenommene Motion «Stärkung der Milch im Grasland Schweiz» einen klaren Auftrag für die Ausgestaltung vorliegt.
Die Genossenschaft VMMO
Die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost, kurz VMMO, vertritt die Interessen ihrer rund 3'800 Mitglieder und erbringt für diese eine breite Palette an Dienst- und Beratungsleistungen. Die Mitglieder der VMMO sind allesamt aktive Milchproduzenten und produzieren rund ¼ der schweizerischen Milchmenge.
Das Einzugsgebiet der VMMO erstreckt sich über 9 Kantone in der Ost- und Zentralschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Getreu ihrer Devise «Kompetent rund um Milch» ist die VMMO die verlässliche Ansprechpartnerin für alle Themen rund um die Milchproduktion.