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15.04.2026
15.04.2026 15:17 Uhr

Enttäuschung nach Moschee-Aus

Das Kaufhaus Bébéhaus Läuffer in Siebnen hätte zum islamischen Kulturzentrum umgenutzt werden sollen; der Annexbau wäre ideal als Gebetsraum.
Das Kaufhaus Bébéhaus Läuffer in Siebnen hätte zum islamischen Kulturzentrum umgenutzt werden sollen; der Annexbau wäre ideal als Gebetsraum. Bild: Andreas Knobel
Die Albanisch-Islamische Gemeinschaft gibt nach und verzichtet auf ein Islamisches Kulturzentrum im Siebner Läuffer-Haus. Präsident Sinan Sadriu bedauert es – und spricht Klartext.

Noch selten erhielt ein Thema aus unserer Region schweizweit eine so hohe Resonanz. Nachdem diese Zeitung anfangs Februar die Pläne der Albanisch-Islamischen Gemeinschaft (AIG) mit Sitz in Altendorf bekannt machte, schlugen die Wellen hoch. Denn ein Islamisches Kulturzentrum mit Restaurant, Gemeinschaftsräumen und Gebetssaal – der Einfachheit halber als Moschee bezeichnet – mitten in Siebnen im Haus des ehemaligen Kaufhauses Bébéhaus Läuffer war geplant. So stellte sich zuerst der Gemeinderat Schübelbach quer, der im Gegensatz zum Kanton Schwyz eine Erwerbsbewilligung forderte, dann die SVP Schübelbach, die in einer Online-Petition 5'000 Unterschriften gegen das Projekt allgemein sammelte.

Enttäuscht, aber nicht frustriert

So vehementen Widerstand hat Sinan Sadriu aus Siebnen als Präsident der AIG dann doch nicht erwartet. Die Albanisch-Islamische Gemeinschaft zieht sich deshalb zurück, die Liegenschaft wird von einer «genehmeren» Käuferschaft erworben. In der «Rundschau» von SRF 1 gab sich Sinan Sadriu nun enttäuscht, aber nicht frustriert. Grund genug, beim 42-Jährigen nachzufragen.

Sinan Sadriu, was hat den Ausschlag gegeben, dass die AIG auf den Kauf des Läuffer-Hauses in Siebnen verzichtet?
Wir haben erkannt, dass die Gemeinde Schübelbach gegen dieses Projekt ist und dass sie uns immer auf die Füsse stehen wird, wenn sich die Gelegenheit bietet. Es war nie in unserem Interesse, gegen die Gemeinde zu kämpfen, und erzwingen wollen wir auch nichts. Bei den weiteren Schritten würde es vermutlich noch mehr Ärger geben als bisher, und das spricht gegen die Werte, welche wir repräsentieren.

Der Verzicht ist also freiwillig? Oder gab es auch Druckversuche?
Unser Verzicht ist eher vernünftig als freiwillig. Man muss nur ein paar der hasserfüllten Kommentare und Drohungen auf den Sozialen Medien lesen, um zu erkennen, mit welchem Gegendruck man hier zu kämpfen hat. Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern. Wenn wir ihnen keinen Ort anbieten können, wo sie die Religion in Frieden und Sicherheit ausüben können, dann halten wir uns lieber davon fern. Von Anschlägen auf Moscheen in Europa hört und liest man immer wieder, man weiss also nie, welche dieser Kommentare man ernst nehmen kann. Daher bleiben wir lieber in unseren Räumlichkeiten an der Talstrasse in Altendorf, die wir haben und wo wir nichts befürchten müssen.

Sinan Sadriu, der Präsident der Albanisch-Islamischen Gemeinschaft in Altendorf, wurde von der «Rundschau» während des Trainings mit seinen Freienbacher Junioren interviewt. Bild: Screenshot «Rundschau» SRF 1

Wie ist nun Ihre Gefühlslage? Enttäuscht? Wütend? Oder gar erleichtert?
Nein, einfach enttäuscht, sehr enttäuscht sogar. Wir sehen das aber sportlich, alles hat seinen Grund, und dieses Projekt hat wohl einfach nicht sein sollen.

Hatten Sie eigentlich auch positive Reaktionen?
Natürlich, immer wieder – und wir sprechen hier nur von den Reaktionen von nichtmuslimischen Schweizern, welche sich für das Verhalten der Mitbürger geschämt haben.

Andreas Knobel/Redaktion March24 & Höfe24 / Redaktion Linth24
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