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Kanton
13.04.2026
14.04.2026 13:01 Uhr

Hartmann: Unangebrachte Nutzung von Social Media

Die St. Galler Regierungsrätin Susanne Hartmann mit ihrem Facebook-Post zur Abwahl des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.
Die St. Galler Regierungsrätin Susanne Hartmann mit ihrem Facebook-Post zur Abwahl des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Bild: Linth24
Die St. Galler Mitte-Regierungsrätin Susanne Hartmann freut sich auf Facebook über die Abwahl von Ungarns Präsident Viktor Orbán. Ist das angebracht? Kommentar von Bruno Hug

Auf ihrem Facebook-Konto repostet Susanne Hartmann ein Foto des abgewählten ungarischen Präsidenten mit dem Satz: «Orbán ist weg – endlich!»
Ich schätze Frau Hartmann, frage mich aber: Ist sie sich als Amtsträgerin ihrer Handlung bewusst? Und was veranlasst sie, sich zur Weltpolitik auf Social Media zu äussern?

Ein Rat an den Regierungsrat

Mit Verlaub: Ich rate dem St. Galler Regierungsrat, sich private Meinungen auf Social Media zu verbieten. Dazu ein Hinweis: Auf die Frage, ob St. Galler Unternehmen in Ungarn tätig sind, schreibt ChatGPT: Ja, die Gallus-Gruppe, die Transinvest Holding und viele weitere Firmen aus Maschinenbau und Pharma. Gesamt sind in Ungarn rund 900 Schweizer Firmen aktiv und beschäftigen dort fast 30'000 Mitarbeitende. 

Auch St. Gallen weiss es nicht

Selbst die St. Galler Regierungsräte wissen wohl kaum, in welchen Wirtschaftsbereichen Viktor Orbán in Ungarn auch nach seiner Abwahl Einfluss hat. Vermutlich sind es viele. Und vielleicht sind St. Galler und Schweizer Firmen trotz verlorener Wahl noch auf ihn angewiesen, ganz unabhängig davon, ob man ihn mag oder nicht.

Die Posterei der Politik

Generell: Warum eigentlich muss oder will die Politik derart aktiv sein auf Social Media? Fakt ist: Sie liefert mit ihren Posts und Infos den ausländischen Milliarden-Konzernen freimütig und kostenlos Inhalte zu, die meist niemandem etwas bringen. Gleichzeitig aber müssen die Bürger, die diese Infos lesen wollen, den Tech-Konzernen via Login ihre persönliche Daten preisgeben.

KI füttern

Die US- und China-Plattformen nutzen dies dann, um Werbung zu verkaufen und ihre KI-Dienste zu trainieren: LinkedIn liefert alle Nutzerdaten inkl. Lebensläufe, private Fotos, Kontakte usw. an den KI-Kanal von Microsoft Copilot; Facebook, Instagram, WhatsApp und Messenger an Meta AI; X an ChatGPT und Google an Gemini.

Medien schwächen

Im Klartext: Schweizer Behörden speisen ausländische Technologiekonzerne mit steuerfinanzierten Inhalten und schwächen damit die heimischen Medien. Und das, ohne dass diese Weltkonzerne vor Ort Leistungen erbringen, Arbeitsplätze schaffen oder Steuern zahlen.

Auf Ewig nachzulesen

Obendrein kann nun in allen KI-Antworten auf Ewig nachgelesen werden, welche Meinung die St. Galler Mitte-Regierungsrätin über Viktor Orbán hat. Und wer weiss, ob sie ihm im Auftrag einer St. Galler Firma noch einmal begegnen wird – und ob Orbán davor ChatGPT oder Meta AI oder Google fragt, was Frau Hartmann von ihm hält?

Bruno Hug
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