Ein Abend des Dienens
Kein lauter Anlass, kein festliches Auftrumpfen. Gerade darin lag die Kraft der Messe. In der St. Franziskuskirche in Kempraten versammelten sich Gläubige zur Abendmahlmesse am Gründonnerstag. Pfarrer Andreas Schönenberger und Diakon Robert Schätzle gestalteten einen Abend, der berührte, ohne sich aufzudrängen. Worte, Gesten und Stille griffen ineinander wie ein ruhiges Gespräch, das nachklingt.
Wenn der Priester kniet
Im Zentrum stand die traditionelle Fusswaschung. Eine Szene, die jedes Jahr vertraut wirkt und doch immer wieder neu trifft. Als die beiden Seelsorger niederknieten, wurde aus einem Ritual ein eindrückliches Zeichen.
In seiner Predigt nahm Diakon Robert Schätzle genau dieses Knien auf. Er sprach von einem Moment, der mehr ist als Symbolik: Jesus, der Meister, übernimmt die Rolle des Dienenden. Ein bewusster Schritt nach unten; weg von Macht, hin zum Mitmenschen. Das Knien werde so zu einem stillen Protest gegen Selbstüberhöhung und zu einer Einladung, Grösse neu zu denken. Nicht im Oben Stehen, sondern im Dienen. Man spürte: diese Gedanken trafen. Vielleicht, weil sie unbequem sind. Vielleicht, weil sie wahr sind.
Der leere Altar
Zum Abschluss veränderte sich der Raum sichtbar. Der Altar wurde abgeräumt, Tücher und Schmuck entfernt. Was zuvor festlich war, wurde karg. Diese Leere erzählt ihre eigene Geschichte: von der Verlassenheit Jesu, von der Nacht seiner Gefangennahme, vom Beginn des Leidens.
Der Leib Christi wurde in die Gnadenkapelle getragen, wo er bis Ostern bleibt. Ein stiller Gang, der den Übergang markiert. Vom Mahl zur Passion.
Gemeinschaft am Tisch
Beim anschliessenden Agape-Mahl wurde diese Haltung konkret. Essen teilen, beisammen sein, einander begegnen. Schlicht und doch voller Bedeutung. Kein üppiges Fest, sondern ein bewusstes Innehalten. Ein Miteinander, das nicht viel braucht, ausser Offenheit.
Ein Abend, der bleibt
Wer an diesem Abend dabei war, nahm mehr mit als Worte. Es waren Bilder: kniende Seelsorger, geteiltes Brot, ein leerer Altar. Zeichen, die nachwirken. Leise, aber eindringlich.