Längere Vegetationsperiode hat Folgen
Dass der Frühling immer früher kommt, zeigt auch der sogenannte Frühlingsindex von Meteo Schweiz. Seit Ende der 1980er Jahre beginnt die Vegetationsentwicklung deutlich früher, parallel dazu ist ein Temperaturanstieg im Frühling zu beobachten. Zu den Jahren mit einer sehr frühen Frühlingsvegetation zählen 1961, 2011 und 2020, die einen Vorsprung von 8 bis 10 Tagen auf das Mittel von 1991 bis 2020 aufweisen. Gleichzeitig beginnt der Herbst immer später und bestimmte biologische Ereignisse wie Blattverfärbungen und Blattfall werden später beobachtet. Unsere Pflanzen blühen also immer früher, die Vegetationsperiode werden dafür länger und die Ruhezeiten für Pflanzen somit kürzer.
Das hat weitreichende Folgen: Ein immer früher einsetzender Frühling erhöhe beispielsweise das Risiko für Frostschäden, gibt Jimmy Mariéthoz zu bedenken. Die Kulturen treiben früher aus und sind, wenn es dann noch einmal bitterkalt wird, nicht mehr genügend geschützt. «Entsprechend wird der Schutz der Kulturen vor Frost immer wichtiger, ist sehr zeitintensiv und kostspielig und nicht immer wirksam genug», erklärt der Direktor des Schweizer Obstverbands.
Für die Frostbekämpfung gebe es verschiedene Möglichkeiten. «Welche Massnahmen eingesetzt werden, hängt stark von der jeweiligen Kultur sowie vom Betrieb ab – eine allgemeingültige Aussage lässt sich daher nicht machen», ergänzt er. Bei Kernobst werde häufig mit der sogenannten Frostschutzberegnung gearbeitet. Bei dieser Methode werden die Pflanzen nachts mit Wasser besprüht, um Knospen und Blüten bei Frost zu schützen. Bei Steinobst kämen je nach Situation Wasser, Abdeckungen oder auch Wärmequellen zum Einsatz, während Beerenkulturen dagegen meist mit Abdeckungen geschützt würden.
«All diese Massnahmen sind sehr arbeitsintensiv und entsprechend kostenaufwendig, zudem zeigt sich erst im weiteren Verlauf der Saison, ob sie tatsächlich erfolgreich waren – ob eine Frostschutzmassnahme gewirkt hat, lässt sich in vielen Fällen leider erst bei der Ernte endgültig beurteilen», sagt Jimmy Mariéthoz.