Dass es sich nicht bloss um ein subjektives Gefühl handelt, zeigen mehrere Polizeimeldungen und Medienberichte der letzten Monate. In zahlreichen Fällen brechen Täter nachts in Garagen oder Autohäuser ein, suchen gezielt nach Fahrzeugschlüsseln und fahren anschliessend mit hochpreisigen Autos davon.
Das Vorgehen ist oft erstaunlich ähnlich: Scheiben oder Tore werden eingeschlagen, Schlüsselschränke durchsucht und die wertvollsten Fahrzeuge ausgewählt.
Rund 180 Fälle allein im Jahr 2025
Eine Recherche von SRF zeigt, dass laut Fedpol allein im Jahr 2025 rund 180 solcher Fälle registriert wurden.
Das Bundesamt für Polizei spricht deshalb nicht mehr von blossen Einzelfällen, sondern von einem Phänomen, das kantonsübergreifend und grenzüberschreitend bekämpft werden muss. Unter Führung von Fedpol bündeln die Kantone ihre Anstrengungen inzwischen in einer Taskforce.
Ein exemplarischer Fall ereignete sich im August 2025 in Langnau am Albis: Dort nahm die Kantonspolizei Zürich vier junge Männer fest, die aus einem Autohaus die Schlüssel hochpreisiger Fahrzeuge entwenden wollten, um diese ins Ausland zu verbringen. Die Festgenommenen waren zwischen 14 und 19 Jahre alt und wohnten in Frankreich.
Auch in Siders im Wallis kam es im August 2025 zu einem aufsehenerregenden Einbruch in eine Garage. Mehrere Luxusfahrzeuge wurden gestohlen, drei Täter im Alter von 16 und 17 Jahren sowie ein weiterer 16-jähriger Verdächtiger wurden festgenommen.
Auch Ostschweiz und Kanton St.Gallen betroffen
Dass das Muster bis in die Ostschweiz reicht, zeigen aktuelle Fälle aus dem Kanton St.Gallen.
Anfang März 2026 brach eine unbekannte Täterschaft in Ebnat-Kappel in einen Garagenbetrieb ein, stahl einen Porsche GT3 und flüchtete laut damaligem Ermittlungsstand nach Frankreich.
Wenige Tage später nahm die Kantonspolizei St.Gallen in Rapperswil-Jona zwei Franzosen ohne Wohnsitz in der Schweiz fest, die in eine Autogarage eingebrochen waren und bereits einen Fahrzeugschlüssel bei sich trugen. Die beiden Beschuldigten waren allerdings 20 und 22 Jahre alt, was zeigt: Das Phänomen tritt häufig mit jungen Tätern auf, ist jedoch nicht ausschliesslich minderjährig.
Ein weiterer spektakulärer Fall spielte sich im Juni 2025 in Trasadingen SH ab. Dort wurde zunächst in Neuhausen ein Auto gestohlen, das anschliessend als Rammbock für einen Einbruch in ein Autohaus diente. Danach wurden hochwertige Fahrzeuge entwendet, die Flucht führte über die Grenze nach Deutschland. Zwei jugendliche Tatverdächtige konnten später festgenommen werden.
Schlag gegen internationales Netzwerk im Dezember
Besonders aufschlussreich war ein Schlag gegen ein grenzüberschreitendes Netzwerk im Dezember 2025.
Die Behörden des Kantons Neuenburg teilten mit, dass gemeinsam mit französischen Ermittlern, Fedpol, Europol und Eurojust ein organisiertes Netzwerk zerschlagen worden sei, das nach ersten Ermittlungen zunächst Motorräder, später Luxusfahrzeuge und schliesslich sogar Waffengeschäfte ins Visier genommen hatte.
Für die Schweiz wurden in diesem Zusammenhang 56 Fälle von Autohaus- und Garageneinbrüchen mit Luxusfahrzeugen identifiziert. Laut den Ermittlern rekrutierten die Hintermänner «kleine Hände» über soziale Netzwerke und steuerten die Aktionen aus der Distanz – teils sogar aus Haftanstalten oder aus dem Ausland.
Oft junge Täter
Genau dieser Punkt erklärt, weshalb so oft junge Täter auftauchen.
SRF zitierte die Kantonspolizei Aargau mit der Einschätzung, bei der Täterschaft handle es sich vorwiegend um minderjährige französische Staatsangehörige. Die Jugendlichen würden über soziale Medien angeworben, mit dem öffentlichen Verkehr in die Schweiz geschickt und via Snapchat oder ähnliche Kanäle von Auftraggebern angeleitet.
Damit rückt ein typisches Muster organisierter Kriminalität in den Vordergrund: Die Drahtzieher bleiben im Hintergrund, während sehr junge Ausführende das Risiko vor Ort tragen.
Muster auch im St.Galler Rheintal
Auch im Rheintal zeigte sich dieses Muster jüngst deutlich.
In der Nacht auf den 26. Februar 2026 drangen in Widnau sechs Personen gewaltsam in eine Autogarage ein. Als mehrere Patrouillen der Kantonspolizei St.Gallen und des Bundesamtes für Zoll- und Grenzschutz eintrafen, flüchteten die Täter aus dem Gebäude. Drei der Beteiligten konnten kurze Zeit später festgenommen werden. Es handelte sich um drei Franzosen im Alter von 17, 20 und 22 Jahren.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich ebenfalls im Rheintal: In Altstätten schlug ein Einbrecher ein Garagentor ein und drang in eine Autogarage ein. Noch während der Tat wurde er von einer Polizeipatrouille überrascht und unmittelbar festgenommen – der Einbruch endete für den Täter direkt in Handschellen.
Ähnliche Fälle wurden in den vergangenen Monaten in mehreren Kantonen registriert – etwa in Zürich, Schaffhausen, Thurgau oder im Wallis. Auffällig ist dabei immer wieder die Zusammensetzung der Tätergruppen: häufig junge Männer aus Frankreich, teilweise sogar minderjährig.
Organisierte Strukturen und Maghreb-Hintergrund
Ermittler gehen davon aus, dass hinter vielen dieser Einbrüche organisierte Strukturen stehen.
In verschiedenen Fällen handelt es sich um Gruppen mit Verbindungen zu kriminellen Netzwerken in Frankreich, in denen «Capos» mit nordafrikanischem Hintergrund eine Rolle spielen. Diese Netzwerke rekrutieren gezielt junge Ausführende, die für einzelne Coups in die Schweiz geschickt werden.
Über soziale Netzwerke oder Messaging-Dienste werden die Täter teilweise aus der Ferne angeleitet. Die Jugendlichen übernehmen die riskante Arbeit vor Ort, während die Hintermänner die Logistik und den Weiterverkauf der Fahrzeuge organisieren.
Gründe für die Schweiz
Warum gerade die Schweiz?
In Autohäusern stehen oft besonders wertvolle Fahrzeuge, die sich über Online-Angebote leicht identifizieren lassen. Gleichzeitig sind die Grenzen – insbesondere Richtung Frankreich – schnell erreichbar. Ein gestohlener Sportwagen kann so innerhalb kurzer Zeit ausser Landes gebracht werden.
Juristisch kommt hinzu, dass bei Beschuldigten zwischen 10 und 18 Jahren in der Schweiz das Jugendstrafrecht gilt. Gerade bei grenzüberschreitenden Fällen mit jugendlichen Tatverdächtigen erhöht das den Koordinationsaufwand für Polizei und Justiz zusätzlich.
Verstärkte Polizei-Zusammenarbeit
Die Polizei reagiert inzwischen mit verstärkter Zusammenarbeit zwischen Kantonen und mit internationalen Ermittlungen.
Gleichzeitig richten sich die Präventionsempfehlungen zunehmend an Garagisten selbst: Fahrzeugschlüssel sollen besser gesichert, Schlüsselschränke geschützt sowie Alarm- und Videoanlagen ausgebaut werden.
Schon diese Hinweise zeigen, dass die Behörden das Problem inzwischen als strukturelles Phänomen betrachten.