Home Region Sport Schweiz/Ausland Rubriken Agenda
Kanton
04.03.2026
05.03.2026 15:47 Uhr

Fahrzeugsteuern zu überarbeiten

Rund 92'000 St.Gallerinnen und St.Galler bezahlten 2026 höhere Motorfahrzeugsteuern. Dies sorgt für Kritik. (Archivbild)
Rund 92'000 St.Gallerinnen und St.Galler bezahlten 2026 höhere Motorfahrzeugsteuern. Dies sorgt für Kritik. (Archivbild) Bild: Keystone/GIAN EHRENZELLER
Der Kanton St.Gallen nahm mit geänderten Motorfahrzeugsteuern 18 Millionen Franken mehr ein als im Vorjahr. Im Kantonsrat wird von der Regierung eine Korrektur für 2027 verlangt.

Die im Januar versandten Rechnungen für die Motorfahrzeugsteuern lösten viel Unmut aus. Die Kritik äusserte sich in Leserbriefen, in Vorstössen im Parlament oder auch in direkten Meldungen an Kantonsrätinnen und Kantonsräte. SVP-Fraktionschef Sascha Schmid weiss von Leuten mit einer Mehrbelastung von bis zu 500 Franken, wie er am Mittwoch im Rat erklärte.

Am Dienstag wurden zu diesem Thema in der Frühjahrssession drei Vorstösse für dringlich erklärt, am Mittwoch lagen die Antworten vor. Die Regierung legt darin die Zahlen offen: Mit dem neuen System stiegen die Einnahmen bei den Motorfahrzeugsteuern im Vergleich zum Vorjahr um 18,3 Millionen Franken. Die durchschnittliche Steuerrechnung erhöhte sich von 453 Franken im letzten Jahr auf neu 507 Franken.

92'104 Halterinnen und Halter von Personenwagen und Motorrädern besässen mindestens ein Fahrzeug, für das eine höhere Rechnung verschickt wurde. 114'331 Personen müssen für eines ihrer Fahrzeuge einen tieferen Betrag bezahlen.

Ausgleich bis 2050

Der Grund für die höheren oder tieferen Beträge ist eine neue Methode zur Berechnung der Motorfahrzeugsteuern. Sie wurde 2024 vom Kantonsrat beschlossen. Der grösste Unterschied zu früher: Es ist nicht mehr alleine das Gewicht des Fahrzeugs, das massgebend ist. Neu spielt auch die Leistung des Motors eine Rolle. Konkret werden Personenwagen und Motorräder zu 70 Prozent nach Gewicht und zu 30 Prozent nach Leistung veranlagt.

Weiter wurde ein Bonus-Malus-System eingeführt, das laut der damaligen Ankündigung «ertragsneutral» funktionieren soll. Das bedeutet, dass der Bonus nur so hoch sein darf, dass er über den Malus finanziert werden kann. Massgebend für die Einstufung ist die Energie-Etikette des Bundes. Es gilt der Grundsatz, dass Fahrzeuge profitieren sollen, die unabhängig von ihrem Antrieb weniger Schadstoffe ausstossen.

Das Bonus/Malus-System werde zu Beginn einen Überschuss generieren, der mit der Zeit durch die Marktdurchdringung mit alternativen Antrieben und durch die Reduktion der Fahrzeuge ohne Energie-Etikette signifikant zurückgehe, erklärte die Regierung in der Stellungnahme zu den Vorstössen. Sie rechnet dabei mit einem Zeithorizont «bis 2050».

Aktuell überstiegen die Mehreinnahmen durch den Malus die Mindereinnahmen durch den Bonus, heisst es weiter. Höhere Rechnungen gebe es vor allem für Fahrzeuge, «die überdurchschnittliche Verhältnisse von Leistung und Gewicht aufweisen». Gemeint sind etwa Sportwagen oder auch Elektroautos mit viel Leistung.

Parameter sofort anpassen

Es gebe die Möglichkeit für Änderungen beim Bonus-/Malus-System, schrieb die Regierung. Sie sei bereit, «bereits jetzt eine Anpassung bei den Parametern der Verordnung zu prüfen».

Am Mittwochvormittag hiess es im Kantonsrat, es müsse nicht mehr geprüft, sondern gehandelt werden. Die Kritik war deutlich: «Wir starten mit einem verlorenen Jahr und einem Vertrauensverlust», sagte Mitte-Kantonsrätin Yvonne Suter (Rapperswil-Jona). «Für die Regierung wäre Selbstkritik angebracht.» (Ihr vollständiges Votum findet sich in der Infox-Box am Ende dieses Textes.) Die Übereinnahmen müssten an die Bevölkerung zurückfliessen.

Die Einführung des neuen Systems sei «kein Freipass für eine Steuererhöhung», sagte Oskar Seger von der FDP. Die Parameter müssten angepasst werden. Es liege bereits eine Motion der FDP mit dieser Forderung vor.

SVP-Kantonsrat Sascha Schmid erinnerte daran, dass die SVP gegen das Bonus-/Malus-System gewesen sei. Es brauche «keine ideologische Abstrafung von Fahrzeughaltern». Der massgebliche Faktor für die Berechnung der Steuer müsse das Gewicht des Fahrzeugs sein. Es brauche eine Rückkehr zu diesem System.

Auch die SP-Grüne-GLP-Fraktion fordert Korrekturen. Die neue Berechnungsweise führe bei Elektrofahrzeugen zu einer im Vergleich zu ähnlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor höheren Steuerbelastung, heisst es in einer neuen Motion. Der Hauptgrund sei das höhere Gewicht wegen der Batterie. Die «systembedingten Fehlanreize bei Elektrofahrzeugen» sollten korrigiert werden, verlangt die Fraktion.

Kantonsrätin Yvonne Suters vollständiges Votum

Dringliche Interpellation Die Mitte-EVP-Fraktion «Systemwechsel bei Fahrzeugbesteuerung: Ertragsneutralität oder verdeckte Steuererhöhung? – Votum, Kantonsrätin Yvonne Suter, Rapperswil-Jona

«Sehr geehrte Frau Kantonsratsvizepräsidentin, meine Damen und Herren

Ich spreche im Namen der Mitte-EVP-Fraktion. Um es vorwegzunehmen: Die Antworten der Regierung begeistern uns leider ganz und gar nicht. Wir starten nämlich mit einem verlorenen Jahr in die neue Welt der Fahrzeugbesteuerung, verbunden mit Vertrauensverlust und mit ganz direkten finanziellen und ökologischen Auswirkungen. Angesichts dessen hätte die Regierung schon etwas Selbstkritik üben können.

Stattdessen nimmt sie sich aus der Verantwortung mit dem Argument, es sei ja bekannt gewesen, was die Regierung in die Verordnung schreiben wolle. Meine Damen und Herren der Regierung: Natürlich war das bekannt. Nicht bekannt war aber, was das finanziell heisst. Und dies ist ja genau der springende Punkt. Und der Kern übrigens bei jeder Steuervorlage. Das sollte auch der Regierung bekannt sein.

Meinen Sie denn wirklich, der Kantonsrat hätte das so durchgewinkt, wenn er gewusst hätte, dass damit die grösste Steuererhöhung für unsere Bevölkerung seit vielen Jahren verbunden ist? 18 Millionen mehr auf einen Schlag? Natürlich hätte unser Rat das nie so gutgeheissen.

Und meinen Sie wirklich, dass der Kantonsrat einverstanden gewesen wäre damit, dass der Bonus für effiziente Fahrzeuge mehr als dreimal tiefer ist als der Malus für die ineffizienten? Natürlich nicht. Vielmehr hätten wir dafür gesorgt, dass die Anreize für effiziente Fahrzeuge ausgebaut wird. 6 Millionen hätten wir dafür zur Verfügung gehabt.

Die Regierung hat leider nicht umgesetzt, was der Kantonsrat von ihr wollte, und auch nicht, was sie selbst in Aussicht gestellt hat. Doch die Regierung sieht nicht nur keine Versäumnisse und keinen Grund, um in sich zu gehen, sie findet sogar, dass sich das bis 2050 (!) schon einpendeln werde und die Bevölkerung letztlich vor allem eine stabile Besteuerung wolle. Die Bevölkerung will an Fehlanreizen und höheren Steuern festhalten? Das kann ja nicht wirklich Ihr Ernst sein.

Wir erwarten von der Regierung, dass sie ihre Abwehrhaltung ablegt. Ein Wort des Bedauerns wäre sicher auch nicht falsch gewesen. Vor allem aber erwarten wir, dass sie nun das Verordnungsrecht anpasst. Die Übereinnahmen müssen an die Bevölkerung zurückfliessen, Bonus und Malus müssen ins Gleichgewicht gebracht und die ökologischen Anreize wieder ausgebaut werden – der finanzielle Spielraum dafür ist ja vorhanden.

Nun denn, mit der Antwort der Regierung – Sie haben es vielleicht gemerkt – sind wir nicht zufrieden. Unsere Fraktion ist aber gewillt, der Regierung in christlicher Gesinnung eine zweite Chance einzuräumen. Sie ist gut beraten – so viel parlamentarischer Mahnfinger muss sein –, wenigstens die zweite Chance zu nutzen. Vielen Dank.»

Keystone-SDA / Redaktion Linth24
Demnächst