Unberechenbarkeit als Bewährungsprobe
Die Raiffeisenbank Rapperswil-Jona lud zum «Anlagenausblick 2026» in Knies Zauberhut und wie jedes Jahr stiess der Anlass auf grosses Interesse. Raiffeisen Chief Investment Officer Matthias Geissbühler servierte einen packenden Marktüberblick. Sein Fazit: 2026 werde ein Jahr der Bewährung – für Notenbanken, Märkte und Anleger.
Turbulentes Börsenjahr
Der Rückblick zeigte: 2025 war von starken Ausschlägen geprägt. Besonders die US-Zollpolitik unter Donald Trump sorgte für Verunsicherung. Zwischen Februar und April verlor der globale Aktienmarkt zeitweise fast 20 Prozent. Der Volatilitätsindex schoss in die Höhe. Doch die Märkte erholten sich. Notenbanken senkten Zinsen, Anleger fassten wieder Vertrauen. Unter dem Strich resultierte trotz Turbulenzen ein solides Börsenjahr. Schweizer Aktien legten deutlich zu, ebenso Europa und Schwellenländer. Einzig US-Aktien enttäuschten aus Sicht von Schweizer Investoren – vor allem wegen der Dollar-Schwäche.
Zölle veränderten Umfeld
Das Thema Zölle blieb brisant. Historisch lagen US-Importzölle bei rund 3,5 Prozent, zuletzt bewegten sie sich bei etwa 8 Prozent. «Das ist ein Paradigmenwechsel», sagte Geissbühler. Selbst wenn Gerichte einzelne Massnahmen kippen sollten, dürften Zölle strukturell bleiben. Die Folgen zeigten sich in der Konjunktur. Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes deuteten besonders in Europa auf ein schwaches Industrieumfeld hin. Gleichzeitig blieb der Konsum – vor allem in den USA – erstaunlich robust. Aktien- und Immobilienvermögen stützten die Nachfrage, obwohl das Konsumentenvertrauen tief war.
Inflation bleibt Thema
Während sich die Inflation in der Schweiz und in Europa wieder nahe der Zielmarke bewegte, verharrte sie in den USA über zwei Prozent. Seit 2022 waren die Preise dort kumuliert um fast 20 Prozent gestiegen. Das schränkte den Spielraum der US-Notenbank ein. In der Schweiz hingegen lagen die Zinsen wieder nahe null. Für Sparer bedeutete das: Realzinsen blieben negativ. Geld auf dem Konto verlor Kaufkraft.
Aktien: selektiv statt blind
Trotz hoher Bewertungen hielt Geissbühler Aktien für alternativlos – allerdings mit Augenmass. Der globale Markt wirkte teuer, stark verzerrt durch wenige US-Technologieriesen. Ein Beispiel: Nvidia erreichte zeitweise eine Börsenbewertung von fünf Billionen Dollar – so viel wie zahlreiche europäische Leitindizes zusammen. «Selektivität ist entscheidend», betonte er. Neben Qualitätsunternehmen rückten dividendenstarke Titel in den Fokus. Während zehnjährige Schweizer Staatsanleihen kaum Rendite abwarfen, lag die Dividendenrendite im SPI bei rund drei Prozent – mit steigender Tendenz.
Diversifikation als Schlüssel
Auch Immobilienfonds blieben attraktiv. Sie lieferten laufende Erträge und profitierten von stabilen Schweizer Immobilienpreisen. Gold gewann durch Käufe internationaler Notenbanken an Bedeutung. Das zentrale Prinzip lautete Diversifikation. Unterschiedliche Anlageklassen reagierten unterschiedlich auf Krisen – und stabilisierten so das Portfolio.
Geduld zahlt sich aus
Allzeithochs sollten Anleger nicht abschrecken. «Solange Wirtschaft und Bevölkerung wachsen, werden Märkte neue Höchststände erreichen», sagte Geissbühler. Kurzfristige Panik sei selten ein guter Ratgeber.
Matthias Geissbühler fasste zum Schluss seine Botschaft in einem Satz zusammen: «Langfristig diversifiziert investieren – und geduldig bleiben.» Beim anschliessenden Apéro riche beantworteten die Mitarbeitenden der Raiffeisenbank Rapperswil-Jona geduldig noch offene Fragen im persönlichen Gespräch.