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Kultur
27.01.2026

Vokalensemble Dilettanti begeisterte

Es gibt Konzerte, nach denen man klatscht. Und es gibt Konzerte, nach denen man anders aus dem Raum geht, als man ihn betreten hat...
Es gibt Konzerte, nach denen man klatscht. Und es gibt Konzerte, nach denen man anders aus dem Raum geht, als man ihn betreten hat... Bild: Gabi Corvi
Der Auftritt vom Vokalensemble Dilettanti unter der Leitung von Dirigent Christian Klucker in der Pfarrkirche Jona war ein Erlebnis. Gabi Corvi war dabei und berichtet.

Dirigent Christian Klucker wählte mit seinen Sängerinnen und Sängern am 23. und 24. Januar 2026 alle Zutaten für ein vorzügliches Konzertmenü aus: Charaktervolle Lieder, schwelgerische Melodien, zarte Töne, mitreissende Rhythmen und die geschulten Stimmen der Dilettanti, die als Ganzes für Begeisterung beim Publikum sorgten.

Es gibt Konzerte, nach denen man klatscht. Und es gibt Konzerte, nach denen man anders aus dem Raum geht, als man ihn betreten hat. Die in intensiven Probemonaten erarbeiteten Januar-Konzerte des Vokalensembles Dilettanti gehörten zur zweiten Art.

Unwiderstehliche Schwingungen

Der Auftakt mit rätoromanischen Liedern aus der Heimat Christian Kluckers baute sich Spannung erzeugend im Rücken des Publikums auf. Die «unsichtbare» Klangkulisse zeigte, was ein Vokalensemble ausmacht: Stimmen, die sich zu einem Körper vereinen und unwiderstehliche Schwingungen auslösen.

Das Schreiten der Protagonisten ins Kircheninnere erlaubte, dass «Earth Song» von Frank Ticheli das Publikum von allen Seiten umschloss. Die Ohrmuscheln konnte sich kaum satt hören an den nahen und wunderschönen Tenor-, Bass-, Sopran- und Altstimmen.

Bei «Time» von Jennifer Lucy Cook wurde der Wandel endgültig spürbar. Das neue Kapitel der Dilettanti erzählt von Aufbruch, Elan und Freude.

Feuer wieder entfacht

Das Feuer für den Chorgesang, das nach dem plötzlichen Tod von Dirigent Max Aeberli auszulöschen drohte, ist mit der Arbeit von Christian Klucker wieder entfacht.

Diese Kraft zeigte sich auch in «Let my love be heard» (Jake Runestad), «Dies Irae» (Michael Hohn Trotta) und «Soneto de la noche» (Morten Lauridsen), die von langen Bögen, intensiven Momenten und beeindruckender Klangkultur lebten.

...die in intensiven Probemonaten erarbeiteten Januar-Konzerte des Vokalensembles Dilettanti gehörten zur zweiten Art. Bild: Gabi Corvi

Der Chor sang mit Selbstverständlichkeit in der Intonation und Ausdruckstiefe, die den Raum still werden liess. Danach öffnete sich das Programm in Temperament und Farbe. Mit «Segalariak» (Josu Elberdin), «Come to me» (Ivo Antognini) und dem indonesischen Volkslied «Hela Rotan» zeigte das Ensemble rhythmische Präzision, Lust am Ausbrechen und kreative Spielfreude.

Hoffnungslichter und leuchtende Souvenirs

Unter dem Scheinwerferlicht in der Kirche war jeder Moment dramaturgisch gestaltet: Dennoch wirkten die Übergänge wie Atemzüge, Stimmungen durften sich spontan entfalten. Das Publikum war nicht bloss beeindruckte Gästeschar, sondern Teil einer Klangbewegung – es durfte mitschwingen, sich tragen lassen, loslassen, aufnehmen.

Zum Abschluss glichen «Alleluja» und «When We Love» von Elaine Hagenberg sanften Flügelschlägen und hatten etwas Heilendes. Sie durften als Hoffnungslichter und leuchtende Souvenirs eines unvergesslichen Abends mit nach Hause genommen werden.

Übergang steht an

Auch für Dirigent Christian Klucker, der die Dilettanti in den vergangenen Monaten mit grossem Einsatz geleitet hat, steht ein Übergang an: Er wird das Vokalensemble wieder verlassen, um seine Kräfte auf seine bisherigen, intensiven Engagements zu bündeln. Ein Kapitel schliesst sich, ein neues wird sich öffnen.

Der lange Applaus, die Stehenden Ovationen und die Zugabe waren mehr als Anerkennung für ein hohes musikalisches Niveau. Sie waren Dank für einen Abend, der eindrücklich zeigte, was Musik sein kann, wenn sie aus Gemeinschaft entsteht: Virtuosität, Vitalität und Verbundenheit.

Gabi Corvi/Linth24
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