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Rapperswil-Jona
25.01.2026
27.01.2026 05:51 Uhr

«Schnelllieferung ist in der Schweiz kaum rentabel»

Dieci-Geschäftsführer Patrick Bircher erklärt, warum sich Diecis Pizzakurier im wachsenden Wettbewerb gegen Uber Eats und Just Eat behaupten kann.
Dieci-Geschäftsführer Patrick Bircher erklärt, warum sich Diecis Pizzakurier im wachsenden Wettbewerb gegen Uber Eats und Just Eat behaupten kann. Bild: zVg
Der absehbare Konkurs des Lieferdienstes Smood wirft Fragen zur Zukunft des Kuriermarkts auf. Patrick Bircher, Geschäftsführer von Dieci, dem grössten Pizza-Kurier der Schweiz mit rund 5 Millionen verkauften Pizzen pro Jahr, liefert Antworten.

Nach Jahren des Wachstums und der Pandemie-Boomphase steht der Schweizer Lieferdienst Smood vor dem Aus. Geschäftsmodelle, die auf extrem schnelle Lieferungen von Lebensmitteln setzen, stossen hierzulande schnell an Grenzen. Patrick Bircher beobachtet die Entwicklungen genau und erklärt, weshalb Dieci trotz des wachsenden Wettbewerbs durch Plattformen wie Uber Eats und Just Eat erfolgreich bleibt – und welche strategischen Unterschiede zwischen Pizza-Kurier und Schnelllieferung entscheidend sind.

Patrick Bircher, der Lieferdienst «Smood» steht vor dem Konkurs. Hat Sie dies überrascht?
Nein. Smood war ursprünglich ein klassischer Restaurant-Kurier und lief lange ordentlich. Der Knackpunkt kam mit der Übernahme durch die Migros Genf und der strategischen Neuausrichtung auf Schnelllieferung und E-Grocery. Dieses Modell ist extrem anspruchsvoll – und in der Schweiz kaum rentabel.

Weshalb ist dieses Geschäftsmodell so schwierig?
Man braucht Nähe, Tempo und ausreichend grosse Warenkörbe. Gleichzeitig sind die Margen bei Gütern des täglichen Bedarfs sehr tief. In der Schweiz lässt sich das kaum skalieren – höchstens in Millionenstädten mit dichter Bevölkerung.

Was macht Dieci als erfolgreicher Pizzakurier anders anders?
Wir konzentrieren uns auf das, was Sinn macht: klare Bestellzeiten, ein Produkt und alles aus einer Hand. Wir liefern nicht rund um die Uhr, sondern mittags und abends – dann, wenn Nachfrage da ist. Das senkt Bereitschaftskosten massiv.

Ist Pizza als Produkt ein entscheidender Vorteil?
Ja. Pizza ist breit akzeptiert, standardisierbar und hat stabile Margen. Gleichzeitig ist sie extrem variantenreich. Das vereinfacht Produktion und Logistik enorm.

Plattformen wie Uber Eats oder Just Eat dominieren den Markt. Wie stark setzen sie euch unter Druck?
Sie sind unsere Hauptmitbewerber, nicht andere Pizzerien. Sie machen Bestellen bequem und entwickeln den Markt. Davon profitieren wir zwar, aber sie priorisieren Plattform und Auswahl – wir Produkt und Qualität.

Ihr seid kaum auf Plattformen präsent. Warum?
Ein Uber-Kunde ist nicht automatisch ein Dieci-Kunde. Die Marge wird kleiner, die Kundenbeziehung gehört der Plattform. In Genf sind wir auf Uber, um schneller bekannt zu werden – dort machen wir rund zehn Prozent Umsatz darüber. Mehr nicht.

Smood wird oft als erstes Opfer der «Uberisierung» bezeichnet. Sehen Sie das auch so?
Teilweise. Plattformen wachsen mit viel Kapital und akzeptieren lange Verluste. Wir können das nicht – und wollen es auch nicht. Wir und unsere Franchisenehmer müssen rentabel operieren können.

Ein Kritikpunkt bei Plattformen sind die Arbeitsbedingungen der Kuriere.
Wir unterstehen dem Gesamtarbeitsvertrag der Gastronomie. Plattformen deklarieren ihre Fahrer oft als Selbstständige, was zu Ungleichheiten im Wettbewerb führt.

Wie hat sich der Markt seit der Pandemie entwickelt?
Während der Pandemie stiegen die Umsätze stark, danach kam die Konsolidierung. Delivery wächst weiter, aber nicht mehr explosionsartig. Vor der Pandemie wuchsen wir zweistellig; heute ist das schwieriger.

Und der Blick nach vorn?
KI kann Sichtbarkeit neu ordnen – weg von bezahlter Platzierung, hin zu Relevanz. Das wäre eine Chance für starke Marken. Aber globale Plattformen haben weiterhin längere Spiesse. Unser Vorteil bleibt die Nähe zum Kunden – und ein klares Leistungsversprechen.

Thomas Renggli, Linth24
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