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21.01.2026
21.01.2026 10:11 Uhr

Bauern-Alarm wegen «Wil West»

Das Nein-Komitee (v.l.n.r.): Zeno Stadler (Bauer im Areal Wil West), Benno Schildknecht (Kantonsrat TG, Die Mitte), Christian Vogel (Kantonsrat SG), Christian Freund (Kantonsrat SG, Landwirt), Marco Helfenberger (Kantonsrat, Landwirt), Thomas Hollenstein (Landwirt, Wil), Bruno Schweizer (Kantonsrat SG, Landwirt, Brunnadern), Marco Gadient (Kantonsrat SG, Landwirt).
Das Nein-Komitee (v.l.n.r.): Zeno Stadler (Bauer im Areal Wil West), Benno Schildknecht (Kantonsrat TG, Die Mitte), Christian Vogel (Kantonsrat SG), Christian Freund (Kantonsrat SG, Landwirt), Marco Helfenberger (Kantonsrat, Landwirt), Thomas Hollenstein (Landwirt, Wil), Bruno Schweizer (Kantonsrat SG, Landwirt, Brunnadern), Marco Gadient (Kantonsrat SG, Landwirt). Bild: Wil24
Das Nein-Komitee Wil West erhebt schwere Vorwürfe gegen das Projekt. Es zerstöre Kulturland, schwäche die Ernährungssicherheit und entziehe langfristig Steuereinnahmen und Jobs.

Im Zentrum der Kritik steht der geplante Verlust von rund 18 Hektaren Fruchtfolgeflächen. Christian Vogel, Kantonsrat SG, warnt vor den Folgen: «Hier wird bestes Ackerland verbaut. Das entspricht rund 330'000 Säcken Kartoffeln pro Jahr. Auch Gerste und weitere Kulturen fallen weg. Damit wird die Ernährungssicherheit unseres Landes geschwächt.» Trotz gesetzlicher Vorgaben gebe es bis heute keine gleichwertigen Kompensationsflächen.

Politischer Fehlentscheid mit Ansage

Das Nein-Komitee spricht von einem politischen Fehlentscheid mit langer Anlaufzeit. Bauern würden um ihre Zukunft bangen, während wirtschaftliche Vorteile grösstenteils in den Kanton Thurgau abfliessen. Geführt wird das Komitee vom Verein für bäuerliche Anliegen des Kantons St.Gallen. Marco Gadient, Kantonsrat SG aus den Flumserbergen, kritisierte insbesondere die finanziellen Rahmenbedingungen: «Wil West liegt bei einem Ja vollständig auf Thurgauer Boden. Deshalb gehen Steuern und Wertschöpfung in den Thurgau. Der angesetzte Nettopreis von rund 53 Franken pro Quadratmeter ist viel zu tief. Kulturland wird faktisch verschenkt.»

«Keine Wirtschaftsförderung für St.Gallen»

Auch Bruno Schweizer, Kantonsrat SG und Landwirt aus Brunnadern, sieht massive Nachteile für den eigenen Kanton: «St.Gallen verliert Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Gleichzeitig dürfen zehn St.Galler Gemeinden wegen Wil West keine neuen Einzonungen mehr vornehmen – ohne selbst davon zu profitieren. Das ist keine Wirtschaftsförderung, sondern eine Umverteilung zulasten unseres Kantons.»

Christian Vogel (Kantonsrat SG) hält einen 2-kg-Sack Kartoffeln in die Höhe – als Symbol für die rund 330'000 Säcke, die durch den Verlust von Fruchtfolgeflächen im Projekt Wil West jährlich wegfallen würden. Bild: Wil24

Bauern kämpfen um ihre Existenz

Besonders emotional wurde es bei den direkt betroffenen Landwirten. Zeno Stadler, Bauer im Areal Wil West, sagte: «Meine Futtergrundlage wird verkauft. Meine Familie bewirtschaftet dieses Land seit sechs Generationen. Und jetzt soll alles für ein Projekt geopfert werden, das uns nicht einmal verkehrlich entlastet. Ein zusätzlicher Autobahnzubringer bringt für uns gar nichts.» Auch Thomas Hollenstein, Landwirt aus Wil, warnte vor irreversiblen Schäden für die regionale Landwirtschaft. «Drei Autobahnausfahrten innerhalb weniger Kilometer sind wohl Schweizer Rekord.»

Kompensationsflächen und Transparenz in der Kritik

Zusätzliche Kritik richtet sich gegen die geplanten Kompensationsflächen östlich dem Projektperimeter. «Diese sollen enteignet werden», so das Nein-Komitee. Es präsentierte ein Kommissionsprotokoll des Kantons Thurgau, in dem zentrale Stellen geschwärzt seien. Dies werfe grundlegende Fragen zur Transparenz der Entscheidungsprozesse auf.

Geschwärzte Passagen im Kommissionsprotokoll des Kantons Thurgau zur geplanten Enteignung von Fruchtfolgeflächen im Projekt Wil West – laut Nein-Komitee ein Zeichen mangelnder Transparenz. Bild: Wil24

Das Nein-Komitee machte klar: Der heutige Auftritt sei erst der Anfang. In den kommenden Wochen sollen weitere Aktionen und Informationsveranstaltungen im ganzen Kanton folgen. Ziel sei es, die Bevölkerung frühzeitig über die Folgen von Wil West aufzuklären und eine erneute politische Korrektur zu erzwingen.

Hintergrund: Umstrittenes Grossprojekt mit Vorgeschichte

Wil West ist ein gemeinsames Entwicklungsprojekt der Kantone St.Gallen und Thurgau. Geplant ist ein neues Wirtschafts- und Industriegebiet mit eigener Verkehrsinfrastruktur, inklusive neuem Autobahnanschluss an die A1 und zusätzlichem Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Bereits im September 2022 hatte die St.Galler Stimmbevölkerung einen Sonderkredit von 35 Millionen Franken für die Arealentwicklung abgelehnt. Das Projekt wurde danach politisch neu aufgerollt. Kritiker befürchten seither, dass St.Gallen Land und Planungshoheit verliert, während wirtschaftliche Erträge ausserkantonal anfallen. Auch Umwelt- und Verkehrsorganisationen warnen vor zusätzlicher Bodenversiegelung und einer Zunahme des motorisierten Individualverkehrs.

David Hugi, Wil24 / Redaktion Linth24
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