SVP See-Gaster bot Einblick ins Bundesgericht
In einer bewegenden Ansprache begrüsste Präsident Kurt Kälin als Gastredner Bundesrichter Prof. Dr. Patrick Guidon.
Kälin begann den Abend mit einer Schweigeminute für die Opfer in Crans-Montana und mahnte zur Besinnung: Solche Katastrophen seien auch in der Schweiz keineswegs ausgeschlossen. Viele seien plötzlich aus dem Alltag gerissen worden, Angehörige trügen langfristig Trauer, Überlebende kämpften oder seien fürs Leben gezeichnet.
Rückblick auf Erfolge
Rückblickend auf 2025 betonte er die Erfolge der SVP:
- Migration & Asyl: Konsequente Rückführungen, vorläufig kein Familiennachzug für abgewiesene Asylbewerber, Motion gegen Asylmissbrauch – Themen, bei denen inzwischen auch FDP und Mitte mitziehen.
- Europapolitik: Als einzige Partei klare Ablehnung der neuen EU-Verträge; 2026 folgen Aufklärungsveranstaltungen. Die Schweiz soll selbst über Gesetze und Gerichte entscheiden – kein Unterwerfungsvertrag, kein EuGH.
- Sicherheit & Neutralität: Nach Jahren der Vernachlässigung nun breiter Konsens für mehr Mittel für die Armee und bewaffnete Neutralität.
- Finanzen: Verteidigung der Schuldenbremse gegen das massive Ausgabenwachstum des Bundes. «Sparen» heisst meist nur «weniger stark wachsen» – echte Disziplin sei nötig.
Ausblick 2026: Die SVP bleibt Garant für konsequentes Nein zu übertriebenen Belastungen, EU-Unterwerfung und Ja zu Eigenständigkeit, Sicherheit und Vernunft.
Einblick ins Bundesgericht
Bundesrichter Patrick Guidon bedankte sich für die Einladung zu diesem öffentlichen Vortrag und betonte, wie wichtig der offene Austausch zwischen Justiz und Bevölkerung sei. Er war 14 Jahre am Kantonsgericht St. Gallen tätig und organisierte dort zweimal die Tage der offenen Tür – weil Gerichtsverhandlungen zwar öffentlich sind, für Berufstätige jedoch schwer zugänglich bleiben.
Kernaufgaben
Im Gegensatz zu kantonalen Gerichten prüfe das Bundesgericht in Lausanne vor allem Rechtsfragen, nicht den Sachverhalt. Dieser gelte als verbindlich, es sei denn, er sei nachweislich willkürlich und werde ausdrücklich gerügt. Dadurch liege die Abweisungsquote bei etwa 80–86 %. Das Bundesgericht sichere die einheitliche Anwendung des Bundesrechts in der ganzen Schweiz.
Organisation und Arbeitsweise
Mit 40 Richterinnen und Richtern sowie 145 Gerichtsschreibern werden jährlich rund 7500–8000 Urteile gefällt, meist in Dreierbesetzung. Leitentscheide von grundsätzlicher Bedeutung werden besonders hervorgehoben. Das Motto des Gerichts lautet: «Justitia – Lex – Pax» (Gerechtigkeit – Gesetz – Frieden).
Herausforderungen im Alltag
Die grösste Belastung sei die hohe Fallzahl, besonders im Strafrecht. Qualitativ hochwertige Urteile und gleichzeitig hohe Effizienz zu gewährleisten, bleibe täglicher Spagat.
Von Tatsachenfeststellung zu Rechtsfragen
Kantonale Gerichte klären den Tathergang (z. B. Tötungs- oder Sexualdelikte). Das Bundesgericht beantwortet hingegen meist grundsätzliche Rechtsfragen. Etwa zu präventiven Online-Ermittlungen, Klima-Blockaden als Nötigung, Einwilligung bei Sadomasochismus oder digital erzeugter Kinderpornografie.
Arbeit im Kantonsrat
Kantonsrätin Jasmin Gähler berichtete über die Geschäfte im Rat. Im Dezember 2025 behandelte der St. Galler Kantonsrat vor allem die angespannte Finanzlage. Trotz eines vom Regierungsrat vorgeschlagenen Entlastungspakets von 85,7 Mio. Franken bleibt im Budget 2026 ein Defizit von 44,9 Mio. Franken. Der Kantonsrat erteilte der Regierung einen neuen Sparauftrag für 2027 (60 Mio.). Gebührenerhöhungen und Abwälzungen auf Gemeinden wurden von SVP und bürgerlichen Parteien weitgehend verhindert. Der Steuerfuss bleibt unverändert.
Radikale Systemumstellung
Bei der Gesetzgebung zur Kinderbetreuung (Ergänzung Familienbeiträge) will der Kanton das System radikal umstellen: Nur noch Objektfinanzierung der Kita-/Tagesmutter-Kosten, keine Autonomie mehr für Gemeinden, die trotzdem 50 % zahlen müssen. Das benachteiligt klassische Familienmodelle und schafft grosse Bürokratie. Deshalb ergriff ein Mitglied das Referendum – unterstützt von der SVP. Die Vorlage kommt 2026 vors Volk.
Zwei weitere Gesetze (Wohnsitzpflicht Kreisrichter und Prämienverbilligungen) passierten die erste Lesung ohne grosse Überraschungen.
Der interessante und lehrreiche Abend endete mit Fragen und Diskussionen aus und mit dem Publikum.