Zoff um Meister Adebar
Die Uzner und ihre Störche. Wenn für die einen die Brutzeit beginnt, startet für die anderen die Wutzeit. Was einst mit deren Ansiedlung und Zucht im guten Sinn begann, entwickelt sich für die ungefragt vom Nestbau betroffenen Liegenschaftsbesitzer zur Belastung.
Der verdeckte Widerstand
Die Zuschriften erboster Hausbesitzer erreichten auch Linth24. Offen zum Problem wollte sich niemand äussern, doch Unmut und Frustration wachsen. Linth24 traf Betroffene vor Ort. Es gäbe viele Storchenfreunde im Städtchen, da käme offene Kritik nicht gut an, so ein Ladenbesitzer. Hausbesitzerin L.M. (Name der Redaktion bekannt) meinte, man würde von der Stadt mit dem Aufwand und den Kosten für Reinigung von Dächern und Sonnenstoren alleingelassen.
Die Schattenseite
Entlang der Zürcherstrasse bis ins Quartier Zübli reicht die Storchenkolonie. Die Weissstörche nisten auf Hausdächern oder ruhen sich auf Strassenlaternen aus. Was auf den ersten Blick idyllisch klingt – auf den zweiten sieht man: es ist ein Problem mit Ästen, Federn und Fäkalien.
Heilige Scheisse
Besonders schlimm ist es auf und um die katholische Kreuzkirche. Ein von Exkrementen weissgetünchtes Kirchendach. Auf den Reinigungskosten bleibt die Kirche sitzen, genauso wie die umliegenden Liegenschaftsbesitzer.
Weiter geht es mit verdreckten Strassenlaternen, unter jeder kommt noch das stark verschmutzte Trottoir und Kothaufen auf den Mäuerchen um den Kunsthof dazu. Kein appetitlicher Gedanke, wenn man sich vorstellt, dass man im Kunsthofgarten noch etwas essen oder trinken möchte.
Hohe Kosten
«Es ist bereits eine Plage, auch bei allem Goodwill» meint L.M. Man solle das Storchenmanagement überdenken; ob es wirklich nötig sei, dass die Störche mitten im dichtbesiedelten Gebiet nisten müssten. «Meine Mieter müssen Tag und Nacht die Sonnenstoren spannen, damit der Kot der auf dem Dachrand sitzenden Störche nicht auf den Balkon spritzt. Mit dem Ergebnis, dass ich die durch den Kot zerfressenen Storen jeweils auswechseln muss.» Die Kosten von mehreren tausend Franken müsse sie selbst tragen. Es sei schon vorgekommen, dass Schüler auf dem Schulweg von auf den Laternen sitzenden Störchen mit der weissen «Pracht» so bedacht wurden, dass sie wieder nach Hause mussten, um sich umzuziehen. Während man in der Theorie den Artenschutz mit Händen trage, müssten die Betroffenen in der Praxis Kübel voll Exkrementen von ihren Dächern entsorgen.
Zeit zum Umdenken
Der Storch ist in der Schweiz geschützt. Hat ein Paar ein Ei gelegt, ist das Nest tabu. Weder Entfernung noch Vergrämung sind erlaubt. Einige Hausbesitzer haben vorgesorgt: sie spannen Drahtgeflechte, um den Nestbau zu verhindern.
Es ist Zeit, umzudenken. Der Storch hat sich seinen Platz in der Kulturlandschaft mit der Hilfe des Menschen zurückerobert. Das sollte nicht bedeuten, dass Anwohner, Gemeinden und Kirchen die Kosten für dessen Ansiedlung allein tragen müssen. Es braucht klare Zuständigkeiten, eine faire Kostenverteilung und ein pragmatisches Storchenmanagement, das sowohl Naturschutz als auch Lebensqualität ernst nimmt.
Wenn der Himmel voller Störche hängt, aber niemand mehr auf die Strasse treten kann, ohne den Kopf einzuziehen – dann wird aus der Legende eine Last.