Lakers: Training für die Zukunft
Ein mobiler Anhänger, ein Spieler, ein Bildschirm, vier Kameras und ganz viel PC-Power. Exergaming heisst das neue Trainingstool der Rapperswil-Jona Lakers. In drei Sequenzen mit je einer Minute Pause sieht man Lakers Spieler Gian-Marco Wetter im Innern herumhüpfen, am Ort dribbeln und den Bildschirm berühren. Die ganze Action erinnert etwas an das interaktive Computerspiel Dance Dance Revolution aus den 90er Jahren.
Brain & Muscle Power
Mit dem neuen Trainingsprogramm haben die Lakers bereits einen Fuss in der Zukunft. Die bahnbrechende und bis jetzt einzigartige Methode ist das Resultat der Zusammenarbeit der SCRJ Lakers mit der OST. Die Teams von Dr. Emanuel Brunner, Leiter Studiengang Physiotherapie und Hannes Badertscher, stellvertretende Leiter des Interdisziplinären Centers für KI entwickelten in Zusammenarbeit mit dem Eishockeyclub ein auf künstlicher Intelligenz basiertes Tool, um die kognitiven und muskulären Fähigkeiten der Spieler auf ein völlig anderes Niveau zu heben.
Exekutives-Funktions-Training (EFT)
Als Entwicklungsbasis für das neue Trainingsprogramm dienen Erkenntnisse aus dem Zusammenhang zwischen Kognition – der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen auf verschiedenen Körperebenen – und Muskelaktivitäten. Für einen Eishockeyspieler bedeutet dies, dass mit der Steigerung von Kraft, Schnelligkeit und Koordination seiner Beinarbeit auch seine Abilität für Reaktionen im Spielgeschehen wächst. Um das zu erreichen, muss im Training festgestellt werden, «WANN der Athlet WAS macht und WIE». Das EFT-System kommt ohne störende Messgeräte oder spezielle Kleider am Körper aus.
Exergame
Zurück im Anhänger. Gian-Marco Wetter ist bereit für den ersten Durchgang. Am Boden und auf dem Bildschirm leuchten programmierte Farben und Symbole. Diese gilt es, je nach Farbe oder Eigenart, mit dem einen oder anderen Fuss zu berühren. Dasselbe gilt für die Hand am Bildschirm. Die Übung ist alles andere als leicht, Wetters Puls ist nach den ersten drei Minuten bereits auf 180. Zwischen den Durchgängen liegt eine Minute Pause. Alle Bewegungen werden von den vier Kameras akribisch aufgezeichnet. Die Datenanalyse liefert ein präzises Bild über Bewegungsabläufe und Reaktionen des Athleten.
Einsatz in Therapie und Rehabilitation
Das von der OST in Zusammenhang mit den Lakers entwickelte System zeigt in Tests auch vielversprechende Resultate für den Einsatz in Therapie und Rehabilitation. Emanuel Brunner erklärte, dass das Exergame einen positiven Einfluss bei demenzkranken Menschen hatte und auch bei Depressionen hilfreich ist. Bereits melden Kliniken ihr Interesse am Trainingssystem an, mit welchem die Lakers seit zwei Jahren Erfahrungen sammeln.
Das in der Schweiz einzigartige System wird ständig weiterentwickelt. Bleibt zu hoffen, dass die Lakers damit in ihrer Performance einen epochalen Schritt vorwärts machen. Künstliche Intelligenz kann auf dem Eisfeld noch keine Tore schiessen, dafür braucht es die Spieler. Aber wenn KI dereinst ermöglicht, dass die Lakers den Meisterpokal in die Höhe stemmen können, dann hat sich der Einsatz gelohnt.