Denkmalpflege: Rapperswil und Schänis geehrt
In der Altstadt von Rapperswil scheint es eine Reihe von Bauherren zu geben, die immer wieder bereit sind, ihre Umbauten und Renovationen umsichtig und denkmalpflegerisch in die Hand zu nehmen. Im kürzlich erschienenen, reichlich bebilderten Jahresbericht 2020 werden 15 ausgewählte Renovationen des weitläufigen Kantons St. Gallen beschrieben. Drei davon betreffen Umbauten aus der Altstadt von Rapperswil und zwei aus Schänis.
Wohnungsrenovation am Fischmarkt
Das erste Beispiel betrifft eine Wohnungsrenovation an der Fischmarkstrasse 6 in der Altstadt von Rapperswil. Hier kam hinter einer modernen Verkleidung eine gemalte Figur zum Vorschein. Nach weiteren Untersuchungen legte der beigezogene Restaurator eine «wandfüllende Malerei» frei, welche um die Jahre 1600 angebracht wurde. Die Malerei, so die Denkmalpflege, sei «in ihrer Grösse und ihrem Alter einzigartig für Rapperswil». Die Motive sind religiöser Art und haben für die damalige Zeit eine ausserordentliche Qualität. Auftraggeber für die Malereien dürfte der damalige Besitzer des Hauses, Hans Ulrich Domeisen (1560 – 1619) gewesen sein.
Bauherrschaft: Mechthild und Ludwig Vollenweider-Schnyder. Architekt: asa AG, Rapperswil, David Hegner; Restaurator: Fontana & Fontana, Jona; Denkmalpflege: Moritz Flury-Rova
Haus zur Schneiderei Keller
Die zweite umsichtige Renovation wurde am Haus der Schneiderei Keller an der Herrengasse 18, ebenfalls in Rapperswils Altstadt vorgenommen. Hier wurden Stuckdecken mit «reicher Jugendstilromantik» und alte Parkettböden, Wandtäfer und Gusseisenradiatoren erhalten sowie die Fassaden sanft renoviert. Wandtäfer, Wandschränke und alten Türblätter mit «zierlichen Jugendstilschlössern» wurden restauriert und neu gestrichen. Zugleich wurden «umsichtig» neue Küchen ins Wohnhaus eingebaut.
Bauherrschaft: Schneiderei Emil Keller, Rapperswil/Altendorf; Architekt: bob Architektur + Beratung AG, Denkmalpflege: Moritz Flury-Rova
Webergasse 18
Das auf 1722 zurückgehende Haus sei «kein prunkvolles Gebäude», schreibt die Denkmalpflege, das aber umgekehrt «Seltenes und Kostbares» enthalte: Barocke Fenster, Täfer aus dem 19. Jahrhundert und alte Riemenböden. Insgesamt sei hier viel historische aber verlebte Ausstattung zum Vorschein getreten, welche unter dem Leitsatz «Brauchbares erhalten und auffrischen statt auswechseln» behandelt wurde. Erwähnenswert sei auch die umsichtige Aussenrenovation und der Umgang mit den barocken Fenstern, welche dank dem Einbau von neuen Vorfenstern erhalten bleiben. Die sanfte Renovation, der Erhalt der Täfer und Böden sowie der offene Estrich und das geräumige Treppenhaus würden dem Haus heute einen ausgeprägten Charme geben.
Bauherrschaft: Bruno Hug, Bollingen; Architekt: BGS Architekten, Rapperswil, Bauleitung: Keller + Loser Architekten, Rapperswil; Denkmalpflege: Moritz Flury-Rova
Kreuzstift Schänis
Das im 9. Jahrhundert gegründete Damenstift im Ortskern von Schänis dient heute als Alters- und Pflegezentrum. Es benötigte eine neue Aussenanlage, die aufgrund alter Luftaufnahmen und Fotografien neu konzipiert wurden. Aus einem «unwirtlichen Vorplatz mit parkierten Autos» wurde eine «barockisierende», wegweisende Umgebung gestaltet. Der «wunderbare Garten mit dem Parkcafé steht heute allen Schännerinnen und Schännern offen und bildet einen schönen Rahmen für Begegnungen», wie die Denkmalpflege schreibt.
Bauherrschaft: Kurt di Gallo Schänis AG; Landschaftsarchitekt: Martin Klauser, Rorschach; Beleuchtung: Hellraum GmbH, St. Gallen; Denkmalpflege: Irene Hochreutener
Burgurine Niederwindegg Schänis
Die Burg Niederwindegg zwischen Ziegelbrücke und Schänis wurde um 1200 erbaut und stand damals im Besitze der Windegger und Kyburger und später der Habsburger. Die Burg beherbergte in ihren Anfängen die «Lehensnehmer» der damaligen Könige und Kaiser, bestehend aus Klerus und Adel, die vor Ort Steuern und Zölle erhoben. 1406 ging die Burg an die Grafen von Toggenburg. Seit dem 15. Jahrhundert verkam sie jedoch zur Ruine, von der heute nur noch Grundmauern übriggeblieben sind. Die Ruine wurde nun konserviert und restauriert und bildet gemäss dem Jahresbericht der Denkmalpflege «eine spannende Sehenswürdigkeit auf dem Museumsweg zwischen Maseltrangen und Ziegelbrücke», sowie «einen wertvollen Gedankenanstoss zur Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit».
Bauherrschaft: Ortsgemeinde Schänis; Fachleitung: Jakob Obrecht, Füllinsdorf; Bauleitung: Ingenieurbüro Wickli + Hösli, Niederurnen; Denkmalpflege: Irene Hochreutener
Der Jahresbericht 2020 der Denkmalpflege des Kantons St. Gallen kann bezogen werden via Mail: denkmalpflege@ sg.ch. Weitere Infos: www.denkmalpflege.sg.ch