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Gesundheit
10.08.2026

KI gegen Typ-2-Diabetes

Nicht-invasive, alltagstaugliche Messungen wie z.B. über einen Brustgurt sollen den Erfolg von Präventionsmassnahmen aufzeigen.
Nicht-invasive, alltagstaugliche Messungen wie z.B. über einen Brustgurt sollen den Erfolg von Präventionsmassnahmen aufzeigen. Bild: Empa
Typ-2-Diabetes verursacht hohe Kosten und Leidensdruck. Ein neues Innosuisse-Flagship-Projekt der Empa setzt auf KI, digitale Sensoren und neue Geschäftsmodelle zur Prävention.

Typ-2-Diabetes zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in der Schweiz. Rund eine halbe Million Menschen sind betroffen – Tendenz steigend. Die Krankheit entsteht, wenn die Wirkung des Hormons Insulin gestört ist. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel und mit ihm das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Digitale Lösungen

Neben genetischen Faktoren spielt vor allem der Lebensstil eine entscheidende Rolle. Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung erhöhen das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Zwar könnten viele Erkrankungen durch einen gesünderen Lebensstil verhindert oder hinausgezögert werden, doch eine nachhaltige Verhaltensänderung fällt den meisten Menschen schwer.

Hier setzt das Innosuisse-Flagship-Projekt PreDiabeTx unter der Leitung der Empa an. Gemeinsam mit sieben Forschungsinstitutionen und elf Umsetzungspartnern aus Gesundheitswesen, Wirtschaft und öffentlicher Hand entwickelt das Konsortium digitale Lösungen, um die Diabetesprävention wirksamer und zugänglicher zu machen.

Ganzheitlicher Ansatz als Ziel

Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Es soll die langfristige Teilnahme an Präventionsprogrammen verbessern, nachhaltige Geschäftsmodelle für Krankenkassen und Gesundheitsdienstleister entwickeln sowie Gesundheitsdaten besser nutzen, um personalisierte Unterstützung zu ermöglichen. «Diabetes verursacht in der Schweiz hohe Gesundheitskosten», sagt Projektleiter Thijs Defraeye von der Empa. «Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir Präventionsmassnahmen entwickeln, die sich auch in der Praxis umsetzen lassen.»

Die Empa hat ein Innosuisse-«Flagship»-Projekt zur Prävention von Diabetes Typ 2 gestartet. Bild: Empa

KI-gestützte Coaches sowie Messsysteme

Ein Schwerpunkt liegt auf KI-gestützten digitalen Coaches. Sie sollen Menschen beim Einkaufen, Kochen und bei der Auswahl gesunder Lebensmittel unterstützen. Dieser «Food as Medicine»-Ansatz gewinnt international an Bedeutung. Gleichzeitig untersucht das Projekt, wie finanzielle Anreize – etwa durch Krankenkassen – eine gesunde Ernährung fördern könnten. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Diabetesrisiko, für die speziell angepasste digitale Angebote entwickelt werden.

Ergänzt werden diese Ansätze durch alltagstaugliche Messsysteme. Wearables und textile Sensoren, etwa in Brustgurten oder T-Shirts, erfassen Vitalparameter wie Puls, Atemfrequenz oder Sauerstoffsättigung kontinuierlich und nicht-invasiv. Zwar lässt sich der Blutzucker damit noch nicht direkt messen, doch die Daten liefern wertvolle Hinweise auf den Gesundheitszustand. Mithilfe künstlicher Intelligenz wollen die Forschenden Zusammenhänge zwischen diesen Messwerten und dem Diabetesrisiko besser verstehen.

Langfristig soll so ein Präventionssystem entstehen, das Menschen individuell unterstützt, statt sie zu belehren: KI-basierte Empfehlungen, gezielte Anreizmodelle und kontinuierliche Gesundheitsdaten sollen einen gesunden Lebensstil erleichtern und Erfolge sichtbar machen. Das steigert die Motivation und kann nicht nur Typ-2-Diabetes vorbeugen, sondern auch das Risiko weiterer Erkrankungen senken.

Projekt bis 2029

Das Ende 2025 gestartete Projekt läuft bis Ende 2029. «Wir werden ein über Jahrzehnte gewachsenes Problem nicht in vier Jahren lösen», sagt Empa-Forscher Simon Annaheim. «Aber wir wollen die Diabetesprävention gemeinsam mit unseren Partnern entscheidend voranbringen.»

«PreDiabeTx»

«PreDiabeTx» ist eine «Flagship»-Initiative der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse. Das transdisziplinäre Projekt hat zum Ziel, die Prävention von Diabetes-Typ-2 in der Schweiz mit datengestützten digitalen Mitteln und nachhaltigen Geschäftsmodellen zu stärken.

«PreDiabeTx» ist Ende 2025 gestartet und läuft bis Ende 2029. Das Konsortium wird von der Empa koordiniert und umfasst zusätzlich die Forschungsinstitutionen Universität St.Gallen, ETH Zürich, Universität Zürich, Ostschweizer Fachhochschule, Berner Fachhochschule und das Inselspital Bern. Zu den Umsetzungspartnern zählen ACCYOURATE, LEALY, Pathmate Technologies, RE-NUT, Switzerland Innovation Park Ost, die Krankenkassen CSS, Helsana, Sanitas und SWICA, der Spitalverbund HOCH Health Ostschweiz sowie der Kanton St.Gallen.

prediabetx.empa.ch

Uster24/bt / Redaktion Linth24
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