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28.07.2026
28.07.2026 09:41 Uhr

Warum wir Ferien brauchen

Auszeiten sind heute wichtiger denn je. (Symbolbild)
Auszeiten sind heute wichtiger denn je. (Symbolbild) Bild: Unsplash
Vom natürlichen Rhythmus der Jäger bis zur modernen Arbeitswelt: Wie Ferien entstanden sind und weshalb Erholung heute bewusst geplant werden muss.

Jäger und Sammler kannten keine Ferien, da ihr Leben von den Jahreszeiten geprägt war. Es gab Zeiten, in denen sie intensiv arbeiten mussten (Jagd, Nahrungssuche) und dann jedoch auch wieder solche mit deutlich weniger Belastung. Die Erholung kam von allein, weil sie aus dem natürlichen Rhythmus heraus sich erschaffte.

Genauso war es in der Landwirtschaft. Je nach Saison gibt es unterschiedlich viel oder wenig Arbeit. Nach der Ernte im Winter folgte automatisch eine ruhigere Zeit, auch wenn es immer wieder notwendige Arbeiten zu erledigen gab.

Im antiken Rom gab es für wohlhabende Bürger bereits eine Art Ferien. In solchen Zeiten zogen sie sich im Sommer auf ihre Landsitze zurück. Doch für die meisten Menschen waren solche Auszeiten unvorstellbar. 

Die zahlreichen religiösen Feiertage führten dazu, dass die Menschen frei hatten, denn sie durften dann nicht arbeiten. Doch diese freien Tage dienten eher der Religion als der Erholung.

Die Industrialisierung änderte vieles

Durch die Industrialisierung änderte sich im 19. Jahrhundert vieles. Die Fabrikarbeiter arbeiteten  oft 10 bis 16 Stunden täglich, sechs Tage die Woche und hatten keine bezahlten Ferien. Erst Gewerkschaften und soziale Reformen führten schrittweise zu kürzeren Arbeitszeiten und ersten Ferienansprüchen.

Bezahlte Ferien verbreiteten sich erst im 20. Jahrhundert. In vielen europäischen Ländern erhielten die Arbeiter zunächst eine Woche Ferien. Später wurden daraus zwei, drei und schliesslich vier bis sechs Wochen. Das variiert je nach Land und Branche.

Brauchen wir Ferien?

Ja, denn unser Gehirn und unser Körper ist nicht für dauerhafte Belastung ausgelegt. Durch die Forschung ist man zum Schluss gekommen, dass Ferien Stresshormone senken, die Konzentration verbessern, das Risiko für ein Burnout verringern, das Herz-Kreis-Lauf-System entlasten und die Kreativität und Problemlösungsfähigkeit fördern.

Menschen brauchen heute bewusst geplante Ferien, weil viele Berufe geistig anspruchsvoll sind, und durch Smartphones und ständige Erreichbarkeit eigentlich nie echte Erholungsphasen zur Verfügung stehen.

Ist nicht Handlungsbedarf angezeigt?

Tatsächlich machen sich schon viele Menschen Gedanken über dieses Thema. Es kommt allerdings ein bisschen darauf an, welches Problem gelöst werden soll.

Einige Entwicklungen sprechen dafür, die Arbeits- und Erholungskultur zu überdenken:  Die Arbeitswelt ist zunehmend von Informationsflut, ständiger Erreichbarkeit und hoher geistiger Belastung geprägt. Burnouts und stressbedingte Krankheiten sind in vielen Ländern häufiger geworden. Die Digitalisierung und Automatisierung ermöglichen jedoch auch effizienteres Arbeiten als früher.

Gute Lösungsansätze:

  • Mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort.
  • Vier-Tage-Woche bei gleicher Produktivität, wo dies möglich ist. Erste Studien zeigen oft positive Effekte auf Wohlbefinden und teilweise auch auf die Produktivität, allerdings funktioniert das nicht in allen Berufen gleich gut.
  • Mehr Erholung im Alltag, statt ausschliesslich auf lange Ferien zu setzen – beispielsweise durch klarere Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit oder regelmässige Pausen.
  • Ergebnisorientiertes Arbeiten statt einer reinen Präsenzkultur.

Letztlich geht es weniger um die Frage, ob Menschen mehr Ferien brauchen, sondern darum, wie Arbeit und Erholung so gestaltet werden können, dass sie langfristig gesund und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sind. 

Viele Fachleute vertreten heute die Ansicht, dass die traditionelle Vorstellung – fünf Tage intensive Arbeit und Erholung erst in den Ferien – nicht für alle Menschen und Berufe die beste Lösung ist. Stattdessen wird zunehmend darüber nachgedacht, wie Erholung regelmässiger in den Alltag integriert werden kann.

Toggenburg24/Linth24
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