Dünne Luft, tiefer Staub, starke Leistungen: VC Eschenbach Fahrer beim Weltcup in Andorra
Wenn der Weltcup-Tross nach Pal Arinsal reist, wissen alle: Es wird intensiv. Das Rennen in Andorra ist das Höchstgelegene im gesamten Kalender, die Luft auf über 2400 Metern über Meer dünn, der Boden staubtrocken und tückisch. Doch mittendrin behaupteten sich die Fahrerinnen und Fahrer mit VC-Eschenbach-Bezug stark gegen die internationale Konkurrenz. Dario Lillo fuhr bei den Elite Männern als bester Schweizer auf Rang 12. Nicole Koller zeigte bei den Elite Frauen mit Rang 9 einmal mehr ihre Konstanz auf höchstem Niveau und Jana Glaus durfte sich bei den U23-Frauen über ihr bestes Weltcup-Resultat freuen.
Lillo kämpft sich als bester Schweizer auf Rang 12
Die Bedingungen in Pal Arinsal verlangten den Elite-Männern alles ab. Nach dem Short Track vom Freitag war klar: Wer am Sonntag nicht optimal positioniert ist, verliert im Staub und in der Höhe rasch wertvolle Sekunden. Mit Dario Lillo, Marcel Guerrini, Andri Frischknecht und Lars Forster standen mehrere Veloclub Eschenbach Fahrer im Fokus.
Dario Lillo vom Giant-Factory Off-Road Team-XC zeigte in Andorra ein starkes Rennen und klassierte sich nach 1:18:31 Stunden auf dem 12. Schlussrang. Damit war er bester Schweizer im Feld. Bereits Rang 17 im Short Track hatte angedeutet, dass die Formkurve wieder nach oben zeigt, auch wenn er dadurch am Sonntag aus der dritten Startreihe losfahren musste. Lillo sagte nach dem Rennen: «Es war ein gutes Rennen für mich in Andorra. Die letzten Rennen waren etwas schwierig. Ich fand meinen Rhythmus nicht oder konnte diesen nicht optimal durchziehen. Ich freue mich, dass es nun wieder besser ging». In der ersten Runde habe er sich noch um Rang 20 bewegt, dann aber die richtigen Gruppen gefunden und sich kontinuierlich nach vorne gearbeitet. «Natürlich hätte ich mich über ein Top-Ten-Resultat gefreut, aber es ist okay», so Lillo im Ziel. Das Resultat dürfte Lillo zusätzliches Selbstvertrauen geben. Der Blick richtet sich nun bereits auf die kommenden Schweizer Meisterschaften und die Europameisterschaften.
Nur knapp hinter Lillo fuhr Marcel Guerrini vom BIXS Race Team auf den 14. Rang. Nachdem er den Short Track am Freitag noch beendete, unterstrich er im Cross-Country Rennen seine steigende Form. Nach dem starken Auftritt in La Thuile bestätigte der Schweizer damit, dass er rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase zulegt.
Für Andri Frischknecht vom SCOTT-SRAM MTB Racing Team resultierte der 49. Rang. Auf der selektiven Strecke gelang es dem Zürcher nicht, entscheidend nach vorne zu fahren. Lars Forster vom Thömus Maxon Team hatte auch in Andorra mit den Folgen seines heftigen Sturzes in der Vorwoche zu kämpfen. Nach Rang 36 im Short Track reichte es im Hauptrennen zum 58. Platz.
Das Rennen der Elite-Männer gewann Adrien Boichis (FRA) vor Landsmann Mathis Azzaro (FRA) und dem Deutschen Luca Schwarzbauer (GER). Einmal mehr unterstreichen die beiden Franzosen, dass sie aktuell das Mass aller Dinge sind.
Nicole Koller bleibt stabil in den Top Ten
Nicole Koller von Lapierre PXR Racing fuhr in 1:21:08 Renndauer auf den 9. Rang. Koller zeigte damit einmal mehr ein starkes Weltcup-Resultat. Schon am Freitag hatte sie im Short Track überzeugt, auch wenn sie als Vierte das Podest erneut knapp verpasst hatte. «Ich hatte ein mega gutes Gefühl im Short Track am Freitag, leider resultierte erneut der vierte Schlussrang. Ich probierte in den letzten Runden aufs Podest zu fahren, aber das Rennglück war nicht auf meiner Seite», so Koller zu ihrem Shorttrackrennen.
Das gute Gefühl nahm sie jedoch mit ins Hauptrennen. Im Cross-Country-Rennen erwischte sie einen guten Start und etablierte sich früh in den Top Acht. Nicole Koller sagte nach dem Rennen: „Ich konnte meinen Rhythmus mehr oder weniger finden. Technisch war es aber nicht immer ganz sauber und auch das Körpergefühl war nicht durchgehend so, wie ich es mir gewünscht hätte. Trotzdem bin ich zufrieden. Ein weiteres Top-Ten-Resultat nehme ich gerne mit.“ Nun freut sie sich auf die Schweizer Meisterschaften und auf einige Wochen zuhause.
Tina Züger vom Bike Team Solothurn belegte im Cross-Country den 36. Rang. Das Wochenende hatte für sie bereits am Freitag speziell begonnen: Im Short Track rückte sie eher überraschend ins Starterfeld, weil mehrere Fahrerinnen fehlten. „Ich war unvorbereitet und hätte gerne mehr aus dieser Chance gemacht“, so Züger nach dem Shorttrack-Debüt. Leider musste sie das Rennen frühzeitig beenden.
Auch das Cross-Country-Rennen begann nicht nach Wunsch. „Ich habe einige Zeit gebraucht, um meinen Rhythmus zu finden. Insgesamt war das Rennen okay, aber nicht so gut, wie ich es mir vorgestellt hatte“, so Züger weiter.
Das Rennen wurde von Jenny Rissveds (SWE), Canyon XC Racing dominiert. Zweite wurde Martina Berta (ITA), Origine Racing Division, die beim Schlusssprint das Glück auf sich zog. Als dritte und beste Schweizerin überquerte Sina Frei (SUI), Specialized Factory Racing die Ziellinie.
Glaus mit starkem Auftritt in Andorra
Jana Glaus vom Rose Bike Team fuhr im U23-Rennen nach 1:20:19 Stunden auf den 24. Rang und erzielte damit ihr bisher bestes Weltcup-Resultat. Bereits am Freitag hatte sie mit Rang 28 im Short Track wichtige Erfahrungen gesammelt – ihrem ersten Start überhaupt an einem Shorttrack-Weltcup. Entsprechend positiv blickt sie auf das Wochenende zurück: «Der Short Track am Freitag war mein erstes Rennen am Weltcup überhaupt und ein echtes Highlight. Die herausfordernde Strecke hat richtig Spass gemacht. Mit Rang 24 habe ich mein bisher bestes Weltcup-Resultat erreicht. Es war ein hartes Rennen für die Beine und den Kopf, aber ich bin sehr zufrieden. Es hat einfach Spass gemacht.»
Dass Glaus ihr bislang bestes Weltcup-Ergebnis ausgerechnet auf der anspruchsvollen Höhenstrecke von Pal Arinsal erzielen konnte, verleiht ihrer Leistung zusätzliches Gewicht. Sie überzeugte nicht nur mit ihrem Resultat, sondern auch mit ihrer positiven und kämpferischen Einstellung auf einer Strecke, die Fahrerinnen und Fahrer gleichermassen physisch wie mental an ihre Grenzen brachte.