Wirtschaftsforum öffnete Horizonte
Mit einem Unternehmerfrühstück des Arbeitgeberverbands See-Gaster begann das Wirtschaftsforum Obersee 2026. Danach füllte sich das Entra Rapperswil mit über 350 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Bildung. Die vierte Austragung war so gut besucht wie nie zuvor. Organisiert wurde der Anlass von Fabian Villiger, Simon Elsener und Lisa-Sophie Schulz. Moderatorin Bigna Silberschmidt führte mit Charme und Tempo durch einen Tag voller Denkanstösse.
Bildung bleibt der Erfolgsfaktor
Den Auftakt machte Werner Buchmann von der Akademie St.Gallen. Er bezeichnete das duale Bildungssystem als grossen Wettbewerbsvorteil der Schweiz. Gleichzeitig warnte er vor den Folgen der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Akademisierung. Die höhere Berufsbildung müsse gestärkt werden, damit den Unternehmen auch künftig genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Innovation braucht den Menschen
Michael Güntensperger, Geschäftsführer von aineo und AdaptIT, zeigte auf, wie künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag bereits heute verändert. Sein Appell: KI soll Unternehmen effizienter machen, ohne dass sensible Daten um die halbe Welt geschickt werden. Mit praxisnahen Lösungen wolle sein Unternehmen genau diese Brücke schlagen. Dass viele Menschen bereits Anwendungen aus seinem Haus nutzen – etwa die Entsorgungs-App der Stadt Rapperswil-Jona –, dürfte manchen Zuhörer überrascht haben.
Einen Blick weit über den Tellerrand hinaus wagte Prof. Hanspeter Keel von der OST. Er berichtete von einem gemeinsamen Projekt mit der ETH, bei dem ein Roboter für eine Mondlandung entwickelt wird. Seine Botschaft war klar: Innovation entsteht dann, wenn unterschiedliche Disziplinen ihr Wissen zusammenbringen und Ideen konsequent bis zur Umsetzung verfolgen.
Vom Start-up zur Medizintechnik
Leo Grünstein gewährte einen Einblick in die Welt der Hightech-Start-ups. Der Unternehmer hat in den vergangenen 15 Jahren mehrere Firmen aufgebaut, die zusammen über 600 Millionen Franken an Risikokapital aufgenommen haben. Mit Liom Health widmet er sich seit acht Jahren einem besonders anspruchsvollen Projekt: In Pfäffikon entwickelt das Unternehmen eine Smartwatch, die künftig Biomarker – allen voran den Blutzucker – ohne Nadel und ohne Blutentnahme messen soll. Dahinter steckt ein eigens entwickelter Sensor. Grünstein zeigte auf, wie viel Ausdauer, Rückschläge und Überzeugung nötig sind, bis aus einer visionären Idee marktreife Technologie wird.
Tradition braucht Verantwortung
Adrian Steiner, CEO, Mitinhaber und Verwaltungsrat der Thermoplan AG, kennt das Familienunternehmen seit seiner Pike auf. Bevor er 2009 die Geschäftsleitung übernahm, durchlief er verschiedene Funktionen im Betrieb. Heute trägt er Verantwortung für rund 540 Mitarbeitende am Hauptsitz in Weggis. In seinem Referat machte er deutlich, weshalb er überzeugt zum Produktionsstandort Schweiz steht. Langfristiger Erfolg entstehe nicht durch kurzfristige Entscheide, sondern durch Vertrauen, Qualität und die Bereitschaft, Verantwortung für Mitarbeitende und Unternehmen gleichermassen zu übernehmen. Veränderungen seien keine Bedrohung, sondern eine Chance, wenn sie mit einer klaren Vision angegangen würden.
Tradition und Mut gehören zusammen
Johannes Läderach zeigte anhand des gleichnamigen Familienunternehmens, dass nachhaltiger Erfolg auf klaren Werten, Innovationsbereitschaft und konsequenter Qualitätsorientierung beruht. Adrian Steiner knüpfte daran an und sprach über verantwortungsvolle Unternehmensführung. Wer langfristig erfolgreich sein wolle, müsse Veränderungen nicht fürchten, sondern aktiv gestalten.
Roberto Martullo schilderte, wie sich die traditionsreiche Künzli SwissSchuh AG neu erfunden hat. Mit neuen Kollektionen und frischen Ideen sei der Neustart gelungen, ohne die Wurzeln des Unternehmens aufzugeben. Innovation bedeute nicht, alles neu zu machen – sondern das Bestehende intelligent weiterzuentwickeln.
Neue Wege für Lebensmittel
Silvan Leibacher zeigte, wie Innovation auch im Lebensmittelbereich entsteht. Nach dem erfolgreichen Aufbau der Leibacher Biber-Manufaktur gründete er mit EggField ein FoodTech-Startup, das pflanzliche Alternativen zu Industrie-Eiern entwickelt. Aus Hülsenfrüchten entstehen funktionale Zutaten für Gastronomie, Bäckereien und die Lebensmittelindustrie. Leibacher machte deutlich, dass nachhaltige Innovation nicht Verzicht bedeuten müsse. Entscheidend sei, bestehende Produkte neu zu denken und daraus Lösungen zu entwickeln, die ökologisch und wirtschaftlich überzeugen.
Das Gehirn als Erfolgsfaktor
Neurowissenschaftlerin Barbara Studer sorgte für eines der eindrücklichsten Referate. Sie erklärte, wie Musik, Bewegung und Wertschätzung das Gehirn leistungsfähiger machen. Menschen würden «fühlend denken und denkend fühlen». Genau darin liege der Unterschied zur künstlichen Intelligenz. Mit musikalischen Einlagen und aktiver Beteiligung des Publikums machte sie wissenschaftliche Erkenntnisse greifbar.
Für heitere Zwischentöne sorgte Erfinder und Kabarettist Stefan Heuss. Seine skurrilen Konstruktionen zeigten mit viel Humor, dass gute Ideen oft dort entstehen, wo man eingefahrene Wege verlässt.
Dirigentin Lisa-Lena Wüstendorfer zog überraschende Parallelen zwischen Orchester und Unternehmen. Gute Führung bedeute nicht, möglichst laut den Takt vorzugeben. Entscheidend seien Vertrauen, Zuhören und das Zusammenspiel aller Beteiligten.
Premiere für einen Wirtschaftspreis
Erstmals wurde der LLB Business Award verliehen. Die Auszeichnung ging an Hostpoint aus Rapperswil-Jona. Gewürdigt wurden 25 Jahre Innovationskraft, Kundennähe und die konsequente Ausrichtung auf den Schweizer Markt. Gleichzeitig präsentierte das Unternehmen mit Filexpress eine datenschutzfreundliche Alternative zu WeTransfer.
OK-Präsident Fabian Villiger zog am Ende eine zufriedene Bilanz. Das Wirtschaftsforum habe sich als Treffpunkt für Menschen etabliert, die nicht nur über die Zukunft sprechen, sondern sie mitgestalten wollen. Genau das war im Entra spürbar. Zwischen den Referaten, beim Kaffee oder in den Gesprächen auf den Gängen entstanden neue Kontakte und frische Ideen. Man verliess den Saal nicht mit fertigen Antworten, aber mit genügend Stoff zum Weiterdenken.