Jetzt überspannt Ritter den Bogen«
Der Leserbrief von Matthias Bannwart im Wortlaut:
«Schamlos ist ein sehr starkes Wort in diesem Zusammenhang, nur weil sich Ritter konsequent für die Bauern einsetzt. Das ist nichts anderes als sein Job. Statt ihn dauernd zu kritisieren, sollte man es von bäuerlicher Seite aus betrachten. Man muss annehmen, dass Mercosur weit gravierendere Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat, als der Bundesrat zugibt. Deshalb dieser konsequente Einsatz. Überall sind die Preise gestiegen, auch für die Landwirtschaft. Dünger, Maschinen, Ersatzteile, Treibstoff usw. Die Produzentenpreise aber sind immer gleich, viele sind sogar gesunken. Der Weizenpreis wurde gerade gesenkt, der Raps ist unter Druck, obwohl dieser sehr gesucht ist. Diese Aufzählung könnte man beliebig fortführen.
Für die Landwirtschaft aber noch unerträglicher ist, dass gleichzeitig die Preise in den Läden steigen. Es liegen Welten zwischen den Produktionsbedingungen hier und in Südamerika. Unsere Bauern sollen nun mit diesen Ländern konkurrieren, dass ist unmöglich und auch unfair. Was in diesem Zusammenhang noch gar nie erwähnt wurde ist, dass in Brasilien, in der Tierzucht, jegliche Antibiotika frei erhältlich sind, auch kritische. Im Gegensatz dazu hat die hiesige Landwirtschaft den Antibiotikaverbrauch in den letzten 12 Jahren um 76% reduziert. Der Frust der Wirtschaft ist durchaus verständlich, aber trotzdem, anstatt Ritter und die Landwirtschaft zu kritisieren, sollte sie besser einmal den Handel in die Pflicht nehmen und sich überlegen, wie sie die Bauern ins Boot holen könnte.
Die Landwirtschaft hat eigentlich keine hohen Ansprüche, sie will keine überrissenen Preise, sie will einfach nur faire, kostendeckende Preise. Ritter so scharf zu kritisieren ist deshalb fehl am Platz, er tut nur das, wofür er gewählt wurde, dies aber sehr konsequent, die Interessen der Bauern vertreten und verteidigen. Genau so, wie es jeder Gewerkschaftsboss auch tut.»