Atzmännig trotzt dem Wandel
Die Herausforderungen bleiben gross, doch am Atzmännig denkt derzeit niemand ans Aufgeben. An der Generalversammlung der Sportbahnen Atzmännig AG in Goldingen wurde deutlich: Die Bergbahnen kämpfen mit schwierigen Rahmenbedingungen, investieren aber gleichzeitig in die Zukunft.
68 stimmberechtigte Aktionäre nahmen an der Versammlung teil. Das Protokoll führte Roger Meier, als Revisor amtete Linus Furrer von OBT St. Gallen. Im Mittelpunkt standen ein anspruchsvolles Geschäftsjahr, der Blick auf kommende Projekte und die Erkenntnis, dass klassische Wintersaisons im Atzmännig immer mehr zur Ausnahme werden.
Winter fast ohne Bedeutung
Geschäftsführer Roger Meier sprach Klartext. Der Schneesport sei 2025 praktisch inexistent gewesen. Gerade einmal wenige Tage hätten überhaupt winterliche Verhältnisse zugelassen. Das hinterliess Spuren in der Umsatzentwicklung und beim Cash Flow. Besonders schmerzhaft verlief der Oktober. «Dieser Monat wäre enorm wichtig gewesen», sagte Meier sinngemäss vor den Aktionären. Trotzdem resultierte am Ende ein Jahresgewinn von rund einer Million Franken. Dieser sei allerdings nur dank des Verkaufs eines Mehrfamilienhauses in Wald möglich geworden. Operativ sei das Ergebnis deutlich schwieriger einzustufen. Gleichzeitig zeigte sich, wie stark der Betrieb inzwischen vom Sommergeschäft abhängt. Der Seilpark entwickelte sich erneut hervorragend und erreichte fast 25’000 Eintritte. Insgesamt transportierten die Bahnen rund 170’000 Personen.
Stillstand wird zum Problem
Ein Thema sorgte an der GV für besondere Aufmerksamkeit: die technische Verfügbarkeit der Anlagen. 72 Prozent Stillstand seien langfristig kein tragbares Modell mehr, hiess es offen. Normal seien in der Branche rund 20 Prozent Ausfalltage. Gerade deshalb gewinnt das geplante Generationenprojekt immer mehr an Bedeutung. Die bestehende Konzession läuft Ende 2029 aus. Laut den Verantwortlichen dürfte das Bundesamt für Verkehr eine Verlängerung bewilligen, sofern ein konkretes Projekt in Umsetzung sei. Die veranschlagten Kosten von 18 bis 20 Millionen Franken gelten laut Verwaltungsrat als finanzierbar. Geplant ist unter anderem eine neue Einhausung der Bergstation. Das Generationenprojekt soll den Atzmännig wetterunabhängiger und wirtschaftlich stabiler machen.
Neue Attraktionen und Kultur
Trotz aller Herausforderungen investiert der Atzmännig weiter. Der Nautic Jet wurde vollständig ersetzt; mit neuen Booten, neuer Rampe und moderner Steuerung. Die Anlage gilt nun als sicherer und kann neu bereits ab sieben Jahren benutzt werden. Auch kulturell will man Akzente setzen. Im Rahmen von «Atzmännig Kultur» finden rund 30 Vorstellungen statt. Einer der Höhepunkte wird am 17. Juli das Konzert von Marc Sway sein. Zudem gastieren am 4. und 5. Juli internationale Profis bei den Timbersports-Wettkämpfen. Erfreulich entwickle sich zudem das Netzwerk «Atzmännig Freundschaft», bei dem drei neue Betriebe gewonnen werden konnten.
Sorgenkind Personalsuche
Sorgen bereitet weiterhin die Situation rund um die Brustenegg-Hütte. Die Personalsituation bezeichnete Meier als «brutal». Viele Restaurationsbetriebe würden in den kommenden Jahren Probleme bekommen oder sogar schliessen müssen. Die Verantwortlichen reagierten mit neuen Konzepten. Im Winter arbeitet die Hütte neu mit einem Rufsystem mittels vibrierendem Badge. Im Sommer wird auf einfache Speisen gesetzt. Dadurch konnten laut Geschäftsleitung rund 980 Personalstunden eingespart werden. Der Atzmännig setzt daneben weiterhin auf die Ausbildung. Der Betrieb bildet Seilbahnmechatroniker aus. Kürzlich absolvierte zudem ein Lehrling der Firma Bartholet einen zweiwöchigen Einsatz im Atzmännig.
Camping-Situation bleibt offen
Diskutiert wurde an der GV auch die Zukunft des Campings. Wegen einer Räumungsverfügung bleibt die Situation weiterhin offen. Der Fall liegt derzeit erneut bei der Gemeinde. Sollte der Camping auf der bisherigen Fläche nicht weitergeführt werden können, müssten alternative Varianten geprüft werden. Die Verantwortlichen betonten jedoch, dass die betroffene Parzelle so vorbereitet werde, dass ein Neustart jederzeit möglich wäre. Mit anderen Worten: Der Atzmännig steckt mitten im Wandel. Und trotzdem war an der GV spürbar, dass die Verantwortlichen weiterhin an den Standort glauben – auch wenn der Winter im Goldingertal längst nicht mehr die Hauptrolle spielt.