Eishelden, ein Geburtstagskind und die falsche Medaille
Draussen liegt Zürich unter frühsommerlichen 25 Grad, die Stadt wirkt entschleunigt. Doch im Volkshaus herrscht an diesem Montagnachmittag noch einmal WM-Freude. Die Silberhelden sind zurück – und mit ihnen all die Emotionen, die das Land in den vergangenen zweieinhalb Wochen getragen haben – bis zur fünften WM-Silbermedaille der Neuzeit.
«Schwiizer Nati!»
Schon bevor die Spieler erscheinen, ist klar: Hier wird keine Niederlage verarbeitet, hier wird eine Mannschaft gefeiert. «Schwiizer Nati!»-Rufe hallen durch den Saal, auf der Leinwand läuft der Rückblick auf das Turnier – und jedes einzelne Schweizer Tor wird bejubelt, als wäre es eben erst gefallen.
Arme schnellen in die Höhe, Menschen springen auf, Umarmungen überall. Die Erinnerung ist noch frisch genug, um nochmals zu feiern.
Ein Team, das ein Land mitgerissen hat
Dann betreten die Spieler die Bühne. Angeführt von Simon Knak, empfangen von ohrenbetäubendem Applaus. «Wer nöd gumped, isch kei Schwiizer», schallt es durchs Volkshaus. Es ist laut, eng, heiss – und voller Dankbarkeit.
Gänsehautmomente
Topskorer Sven Andrighetto spricht von «vielen Gänsehautmomenten». Nino Niederreiter blickt bereits nach vorne und formuliert den Anspruch einer Generation: Irgendwann soll dieser Pokal in die Schweiz kommen.
Hauchdünn an Gold vorbei
Besonders eindrücklich sind die Worte von Leonardo Genoni. Gold sie nur hauchdünn verpasst worden, sagt der Goalie. Doch gleichzeitig hält er fest: So etwas Schönes habe er mit einer Nationalmannschaft noch nie erlebt.
Happy Birthday für den Captain
Der emotionalste Moment gehört Roman Josi. Der Captain und WM-MVP feiert seinen 36. Geburtstag – und plötzlich singt das ganze Volkshaus «Happy Birthday». Josi wirkt bewegt. «Wir können nicht oft genug Danke sagen. Das werden wir nie vergessen», sagt er. Man habe gespürt, dass die ganze Schweiz hinter diesem Team stand.
Der Satz des Tages
Cheftrainer Jan Cadieux findet schliesslich den Satz des Tages: Die falsche Medaille hänge zwar um den Hals – «aber in Sachen Emotionen haben wir Gold geholt».
«W. Nuss vo Bümpliz»
Zum Schluss erklingt «W. Nuss vo Bümpliz». Noch einmal gehen die Arme hoch, noch einmal rollt die Fan-Welle durchs Volkshaus. Dann verschwinden die Spieler hinter der Bühne.
Silber bleibt. Aber für einen Nachmittag fühlt es sich fast an wie ein Titel - fast.