GZO: Bevölkerung ins Gesicht gelogen
Im Vorfeld zur Abstimmung zum 50-Millionen-Franken-Kredit versicherte man der Bevölkerung, dass die von den einzelnen Gemeinden geforderten Mittel das Maximum sei. An der Informationsveranstaltung in Gossau ZH sagte etwa Verwaltungsratspräsident Andreas Mika auf die Frage eines Stimmbürgers, ob man später noch mehr zahlen müsse: «Wir werden wieder auf Sie zukommen. Aber nicht mit der Bitte um Geld, sondern mit der Bitte, einem Spitalverbund zuzustimmen.» Es gebe nur den einen Versuch, und der sei am 30. November.
Auch die Gossauer Gemeinderätin Sylvia Veraguth fand an dem Anlass klare Worte auf die Frage, ob die Gossauer später erneut zur Kasse gebeten würden. Man sei hier nicht auf dem Bazar und die Summe sei nicht verhandelbar, sagte Veraguth.
An der Informationsveranstaltung in Wetzikon die gleiche Botschaft. Im Gotteshaus von Wetzikon versicherte Stadtpräsident Pascal Bassu, dass man sich unter den Gemeinden einig sei, dass man nicht mehr Geld sprechen wolle. Und Mika sagte gar: «Solange ich VR-Präsident bin, wird das nicht passieren.»
Demokratie frei interpretiert
Die Rechtfertigung für mehr Geld und für eine erneute Abstimmung ist mehr als fragwürdig: Die Zustimmung der Stimmbevölkerung sei ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Spitals Wetzikon als wichtiges Zentrum für die Grund- und Notfallversorg in der Region. Man erachte es deshalb als folgerichtig, sich gemäss den Aktienanteilen am Differenzbetrag zu beteiligen, welcher durch den Ausfall der Gemeinde Bubikon entstanden sei.
Fass ohne Boden
Den Vogel schiessen die elf Aktionärsgemeinden mit der Information ab, dass die genauen Beträge noch nicht definiert seien. Denkbar sei auch, mehr als die 3 Millionen Franken zu beantragen, um bei einer allfälligen weiteren Ablehnung einer Gemeinde dennoch genug Geld zu haben. Wie viel soll's denn sein: 4 Millionen? 5 Millionen? Oder lieber grad auf Nummer sicher gehen und 10 Millionen Zusatzkredit verlangen? Denn der Zusatzkredit könnte ja auch bei mehr als einer Gemeinde abgelehnt werden. Wenn schon weitere teure Urnenabstimmungen und Gemeindeversammlungen, dann doch grad richtig.
Wieso hat man nicht bereits bei der Vorlage für November 2025 eine Reserve einkalkuliert, sollte eine Gemeinde den Kredit ablehnen? Nach einem Plan B hatte die Bevölkerung mehrfach gefragt. Die Antwort hiess: «Es gibt keinen Plan B.»
Es wird je länger je klarer: Das GZO-Debakel ist ein Fass ohne Boden, man verkauft die Menschen für dumm. Und man spielt erneut die Gesundheitskarte, spielt mit den Ängsten der Bevölkerung, dass sie ihr Spital verlieren könnten. Dass sie es im Notfall nicht rechtzeitig in ein Spital schaffen würden.
Natürlich will niemand auf das GZO verzichten. Doch wie viel sollen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler noch für die Fehler anderer bluten? Den Schaden verursacht haben jene Köpfe, die fahrlässig einen 170-Millionen-Kredit aufgenommen haben ohne Eigenmittel. Diese sollte man zur Kasse bitten. Zum Beispiel, in dem sie ihre Verwaltungsratshonorare der letzten Jahre zurückzahlen. Alleine damit käme wohl schon eine Million Franken zusammen.
Was ist mit der eingerechneten Reserve?
In dem 50-Millionen-Kredit ist eine Reserve von 5 Millionen eingerechnet. Bis heute haben die GZO AG und der Ausschuss nicht plausibel erklärt, warum die 3 Millionen nicht von dieser einkalkulierten Reserve verwendet werden. Darüber wird nicht diskutiert. Wohl aber, einfach noch mehr Geld von den Steuerzahlern zu holen.
Verschiedene Rechnungsprüfungskommissionen der Aktionärsgemeinden hatten im Vorfeld zur Abstimmung davor gewarnt, dass der Sanierungsplan zu viele Unsicherheiten beinhalte. Der RPK-Präsident von Wetzikon sagte im Sommer 2025: «Es ist nicht die Frage, ob die Bevölkerung wieder an die Urne gebeten wird, um künftige GZO-Investitionen zu finanzieren, sondern wann.» Er hatte Recht.
Auch der Gemeinderat von Rüti – heute nicht mehr Teil des Ausschusses – hat immer wieder betont, dass es zu viele Unsicherheiten gebe und wichtige Zahlen fehlen würden. Diese Rufe werden bis heute ignoriert.
Mit dem neuen Verwaltungsrat sollte das Vertrauen wieder hergestellt werden. Doch wer A sagt und später B tut, der schafft kein Vertrauen. Er rückt das GZO damit nur noch weiter an den Abgrund. Und die Gemeindevertreterinnen und -vertreter im Ausschuss – man weiss ja bis heute nicht, wer genau in diesem Ausschuss sitzt – tun, was stets am einfachsten ist: Das Geld anderer ausgeben.