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Schmerikon
06.03.2026
06.03.2026 21:41 Uhr

Brunschwiler: «Das Gemeindeblatt war bereits gedruckt.»

Gemeindepräsident Félix Brunschiler: «Wir nehmen den Sparauftrag sehr ernst.»
Gemeindepräsident Félix Brunschiler: «Wir nehmen den Sparauftrag sehr ernst.» Bild: Linth24
Der Gemeinderat will die Steuern erhöhen, die GPK nicht. Zu alledem wurde die Meinung der GPK im Gemeindeblatt übergangen. Gemeindepräsident Brunschwiler nimmt Stellung.

Linth24: Herr Brunschwiler, der Kampf um die Steuerprozente ist überall derselbe. In Uznach ging er zwar pfleglich über die Bühne, in Rapperswil-Jona aber nicht – wie jetzt in Schmerikon. Zuerst die Frage: Wie konnte es passieren, dass die Absage der GPK zur Steuererhöhung nicht in den Bericht zu Bürgerversammlung vom 30.  März einfloss?

Brunschwiler: Wir haben in der Tat der Terminplanung der GPK nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt. Der GPK-Bericht wurde uns zugestellt als wir das «Gemeindeblatt Schmerikon» bereits gedruckt hatten. Wir nahmen wohl zu selbstzufrieden an, dass die GPK wie bis anhin keine vom Gemeinderat abweichende Anträge stellt.

«Das wird mir sicher nie mehr passieren.»
Félix Brunschwiler

Linth24: Also, ein klassischer Fehler der Gemeinde, oder gar von Ihnen?

Brunschwiler: Das kann man so sagen und der tut mir auch leid. Das wird mir sicher nie mehr passieren.

Linth24: Wechseln wir zur Steuererhöhung an sich. In klaren Worten schreibt die Geschäftsprüfungskommission GPK, die Steuererhöhung um drei Prozent vermöge das Problem der «seit Jahren bestehenden hohen Verschuldung der Gemeinde nicht nachhaltig zu lösen».

Brunschwiler: Die GPK hat recht. Wir schleppen tatsächlich seit über zwei Jahrzehnten eine hohe Verschuldung mit uns. Bei meinem Amtsantritt 2009 lagen die langfristigen Schulden bei rund 13 Millionen Franken. Heute stehen wir bei 17 Millionen. Hier kann man aber anfügen; bei einer doppelt so hohen Steuerkraft wie 2009.

Linth24: Warum hat sich Schmerikon in den letzten Jahren nie an den Schuldenabbau gemacht?

Brunschwiler: Das kann man vielen Gemeinden vorwerfen, so auch uns. Anstatt die Steuerfüsse stabil zu halten, haben nach 2019 viele Gemeinden die Steuern gesenkt, weil sich das aus den verlängerten Abschreibungszeiträumen ergab. Dadurch sank aber die Fähigkeit, die Verschuldung abzubauen. Nun müssen wir die Steuerfüsse korrigieren, da die Abschreibungen wieder zunehmen. Seit 2008 hat uns nicht zuletzt auch der neue Finanzausgleich einem Steuerwettbewerb ausgesetzt, der mit ungleichen Mitteln geführt wird.

«Niemand hat sich an den Schulden gestört.»
Félix Brunschwiler

Linth24: Man könnte sagen, viele Gemeinden fühlten sich mit ihren Schulden zu sicher, und nun kommt die Morgendämmerung?

Brunschwiler: Richtig. Niemand hat sich in den letzten Jahren an den Schulden gestört, auch die GPK nicht. Aber jetzt, wo wir das Problem lösen wollen, wird zuerst gefordert, die Gemeinde solle sparen. Wohl weil man glaubt, es hätte überall «üppig Fleisch am Knochen». Klar, auch wir müssen sparen. Aber zugleich erwarten Bund, Kanton und auch die Bürger von ihren Gemeinden immer mehr Dienstleistungen, insbesondere im Bereich Bildung, Gesundheit sowie Sozial- und Asylwesen.

Linth24: Wir führten mit Ihnen im August 2025 ein Interview. Damals hatten Sie den schlechten Abschluss von 2024 «in den Knochen». Nun scheint sich die Lage aber entspannt zu haben. 

Brunschwiler: Richtig, wir wissen heute, dass der hohe Verlust von 2024 nur auf einen vorübergehenden Einbruch der Steuererträge zurückzuführen war und die Steuerkraft unserer Gemeinde weiter wächst. Nichtsdestotrotz ist die Frage berechtigt, wie die Verschuldung langfristig abgebaut werden kann, ohne die Attraktivität von Schmerikon zu schmälern.

«Wir nehmen den Sparauftrag sehr ernst.»
Félix Brunschwiler

Linth24: Nun wollen die Bürger also, dass die Gemeinde spart. In diese Kerbe schlägt auch die GPK. Sie schreibt, sie könne «nicht abschliessend beurteilen, ob in der Gemeinde das noch verkraftbare Sparpotenzial ausgeschöpft sei».

Brunschwiler: Zuerst ist festzuhalten, dass uns die GPK eine korrekte Geschäftsführung attestiert. Das freut uns. Zugleich fordert sie indirekt, wir müssten belegen, unser Sparpotential auszunützen. Dazu kann ich sagen, wir nehmen den Sparauftrag sehr ernst. Daher haben wir ein Budget präsentiert mit einem Ausgaben-Null-Wachstum, was bei der demographischen Entwicklung und den steigenden Anforderungen in der Schule äusserst anspruchsvoll ist. Ausserdem dürfen wir nicht vergessen. Die Standortqualität wird nicht nur durch die steuerliche Belastung definiert.

Linth24: Sicher ist, Sie haben am 30. März eine spannende Bürgerversammlung vor sich.

Brunschwiler: Da haben Sie recht. Wir werden offen Red’ und Antwort stehen und erwarten grosses Interesse. Deshalb haben wir die Versammlung auch in die Kirche verlegt, wo wir mehr Platz haben.

Bruno Hug
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