PFS-Pilot: Regio 144 zieht Bilanz
Das Projekt PFS wurde im August 2024 gestartet, um eine Antwort auf die stetige Zunahme von Rettungsdiensteinsätzen bei Patientinnen und Patienten mit geringer akuter Behandlungsdringlichkeit zu finden. Ziel war es, diese über die Notrufnummer 144 eingegangenen Fälle gezielter zu steuern. «Viele Betroffene benötigen keine sofortige Hospitalisation, sondern profitieren mehr von einer direkten Zuweisung in hausärztliche Praxen, an die Spitex oder von einer abschliessenden Beratung und Versorgung vor Ort», schreibt die Regio 144 in ihrer Mitteilung.
Nur ein Drittel erforderte wirklich eine Hospitalisation
Die Bilanz der Pilotphase sei fachlich beeindruckend: In über zwei Dritteln der Fälle konnten die sechs spezialisierten Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter direkt vor Ort den optimalen Behandlungspfad ausserhalb eines Spitals einleiten. «Dies führte nicht nur zu einer Entlastung der Notfallstationen, sondern auch zu einer ausserordentlich hohen Zufriedenheit bei Patienten und Angehörigen», schreibt der Rettungsdienst in seiner Mitteilung.
In rund einem Drittel der Fälle sei nach der professionellen Beurteilung durch den PFS die Indikation zur Hospitalisation gestellt worden, was die Sicherheit des Modells unterstreiche.
Wertvolle Erfahrungen
«Unsere Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter haben bewiesen, dass sie für dieses erweiterte Berufsbild nicht nur bestens geeignet, sondern geradezu prädestiniert sind», bilanziert die Projektleitung. Die durch Ausbildung, Praktika und Einsätze gewonnene Expertise bleibe der Regio 144 AG als wertvolles Kapital erhalten. Das Projekt habe zudem eindrücklich aufgezeigt, wie wichtig attraktive klinische Weiterentwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Rettungsdienstes seien, um erfahrene Profis im Beruf zu halten.
Systemische Herausforderungen
Trotz des fachlichen Erfolgs habe das Projekt Grenzen im aktuellen Schweizer Gesundheitssystems aufgezeigt, teilt die Regio 144 AG weiter mit.
Im Bereich des Gesundheitsberufe-Gesetzes und der Verrechenbarkeit von Leistungen, die nicht in einem Spitaltransport enden, bestünden weiterhin ungelöste Fragen. Dazu komme, dass der Beruf des Rettungssanitäters bzw. der Rettungssanitäterin auf Bundesebene gesetzlich nicht verankert sei – obschon er eine tragende Säule in der Notfallversorgung darstelle.
Da PFS als Teil des Rettungsdienstes betrieben wurden, erfolgte die Alarmierung ausschliesslich über die Notrufnummer 144. «Hilfesuchende, die nicht die Notrufnummer 144 wählten, konnten daher nicht bedient werden und gingen dem PFS-System verloren», erklärt Regio 144 weiter. Dadurch seien zu wenig Einsätze entstanden. «Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sind neue Aufgebotswege oder ein grundlegendes Neudenken der Notrufnummer-Logik notwendig.»
Ein Impuls für die nationale Debatte
Auch wenn das Pilotprojekt in der aktuellen Form endet, seien die Erkenntnisse ein Gewinn. «Die Regio 144 AG wird diesen Erfahrungsschatz nun aktiv in die nationale Debatte einbringen. Ziel ist es, die Weichen für eine moderne, effiziente und konsequent patientenorientierte Notfallversorgung der Zukunft zu stellen.»